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25.03.2019
News  
 

Wenn es brennt, sind auch Frauen gefragt

Frauen bei der Feuerwehr? Für so manchen Kameraden war das vor 20 Jahren noch undenkbar. Heute gehört es beinahe schon zum Alltagsbild in den Wehren des Bezirks. Der Kitzbüheler Anzeiger hat sich umgehört.   

Bezirk  | Bezirksfeuerwehrkommandant Karl Meusburger hält fest: „Den Begriff Männerdomäne gibt es bei der Feuerwehr schon lange nicht mehr.“ Im Gegenteil, die Mannschaft profitiert deutlich davon: „Durch den Beitritt von Frauen und Mädchen kam es meiner Erfahrung nach zu einer Leistungssteigerung, da sich die weiblichen Mitglieder sehr stark engagieren und die männliche Mannschaft auch nicht zurückstehen will.“

Bezirksweit sind aktuell 39 Feuerwehrfrauen im Dienst (siehe Daten und Fakten). Mittlerweile sind einige von ihnen schon in den höheren Ebenen angelangt, wie der Schriftführer im Bezirksverband, Andreas Schroll, ergänzt: „Wir haben schon Gruppenkommandantinnen. Seit etwa zwei Jahren sind außerdem schon gewählte Funktionärinnen im Kommando tätig.“ Was freilich noch keine geschafft hat, ist das Amt als Kommandantin oder Kommandant-Stellvertreterin zu erringen.

Die Ausbildung für Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen ist übrigens die gleiche, sagt Meusburger: „Praktisch können Frauen bei der Feuerwehr das Gleiche tun wie die Männer! Es gibt natürlich gewisse Arbeiten, bei denen die Frauen rein körperlich an ihre Grenzen kommen können, was aber in den meisten Fällen durch besonderen Einsatzwillen und durch Zusammenarbeit mit allen Kameraden ausgeglichen wird.“

Auch die Infrastruktur muss nicht groß verändert werden, nur weil nun auch Frauen ihren Dienst versehen. Entsprechende WC‘s und Umkleidemöglichkeiten sind ohnehin vorhanden, Probleme gebe es da keine, wie der Kommandant unterstreicht.  

Verstärkung kommt aus dem Nachwuchs

Die einzelnen Abschnittskommandanten haben unterschiedliche Erfahrungen mit den Kameradinnen bei der Wehr gemacht. Klar ist aber eines, wie beispielsweise der Kommandant des Abschnitts Untere Schranne, Ernst Stöckl, erläutert: „Die Frauen steigen meist über die Jungfeuerwehr ein. Hauptsächlich, weil sie über die Familie einen Feuerwehrbezug haben.“ In St. Johann, wo Stöckl der Feuerwehr vorsteht, gebe es übrigens traditionell eine starke Nachfrage von männlichen Bewerbern: „Wir haben mehr Anfragen, als wir Platz haben“, so Stöckl.

Hannes Harasser vom Abschnitt Pillersee attestiert den Feuerwehrfrauen „gute Führungsqualitäten.“ In seinem Abschnitt gibt es zwar auch den Trend, dass immer mehr Mädchen und Frauen in die Feuerwehren gehen, „es wird aber immer eher ein geringerer Prozentsatz bleiben.“
Abschnittskommandant Alexander Bachler (Kitzbühel) beobachtete einen Wandel in den letzten Jahrzehnten: „Das hat sich schon sehr geändert zu früher, wo es bei so manchem geheißen hat‚ Frauen haben bei der Feuerwehr nichts verloren‘.“

Hannes Sandbichler, Kommandant des Abschnittes Brixental, verweist auf eine starke Jugendarbeit, die das Um und Auf in jeglicher Rekrutierung ist. „Reine Quereinsteigerinnen sind selten“, so Sandbichler.

Sehr gute Erfahrungen in Kitzbühel

Zu den Feuerwehren, die besonders viele Kameradinnen mit dabei haben, zählt die Stadtfeuerwehr Kitzbühel. Kommandant Alois Schmidinger berichtet: „Mittlerweile ist das überhaupt kein Thema – die Feuerwehrfrauen werden von den Kameraden akzeptiert. Wir haben nur positive Erfahrungen.“ Die körperlichen Herausforderungen stellen aus Schmidingers Sicht keine große Hürde dar: „Der eine spezialisiert sich auf das eine, der andere auf das andere. Wer die jeweilige Ausbildung schafft, der schafft sie. Es gibt schließlich auch schmächtigere Herren.“ In jedem Fall ist die Gemeinschaft die große Stärke der Feuerwehr: „Gemeinsam sind wir stark!“

Abschließend unterstreicht Bezirkskommandant Karl Meusburger: „In der heutigen Zeit muss jeder Verein und auch wir als Institution der Gemeinde froh sein über jeden und jede die sich freiwillig zu solchen Aufgaben zur Verfügung stellt. Denn das ist schließlich keine Selbstverständlichkeit. Und dafür gebührt allen Kameradinnen und Kameraden ein Dank.“
Elisabeth Galehr

Bild: Die Feuerwehr ist schon lange keine Männerdomäne mehr. Vor rund 20 Jahren gab es noch so manche Widerstände, heute werden die Kameradinnen geschätzt.  Symbolfoto/Fotomontage: Ferrandes

Daten & Fakten
39 Frauen bei der Feuerwehr
Bezirk | Die Zahl der Frauen bei den freiwilligen Feuerwehren im Bezirk ist nach wie vor überschaubar, wie die Daten des Bezirkskommandos zeigen. Aktuell gibt es im Bezirk 1.450 aktive Mitglieder, 39 davon sind weiblich (2,7 Prozent). Beim Feuerwehrnachwuchs (bis 15 Jahre) zeichnet sich aber schon ein anderes Bild: Von den 168 Mitgliedern sind 25 weiblich (14,9 Prozent). „In den letzten Jahren ist ein Trend von mehr Feuerwehrfrauen erkennbar“, veranschaulicht Bezirkskommandant Karl Meusburger.
Wo leisten die Frauen ihren Dienst?
Immerhin fünf Feuerwehrfrauen gibt es lt. Meldungsliste in Kitzbühel, Reith, Aurach und Kirchberg. In Aschau leisten vier Frauen ihren Dienst. Jeweils zwei Feuerwehrfrauen engagieren sich  bei den Wehren in Brixen, Erpfendorf, Fieberbrunn, Kelchsau, Kirchdorf und Waidring. Einzelkämpferinnen finden sich in Jochberg, Kössen und Oberndorf.
Noch keine Frauen
In Hopfgarten, Westendorf, St. Johann, Itter, Schwendt, Hochfilzen, St. Ulrich, St. Jakob und Going ist lt. Meldungsliste noch keine Frau im Einsatz. In Hochfilzen, St. Ulrich und Going gibt es aber zumindest bereits Mädchen im Feuerwehrnachwuchs.
Müssen Frauen aufgenommen werden?
Die Feuerwehren  sind nicht verpflichtet, Frauen aufzunehmen. „Die Aufnahme von weiblichen Mitgliedern entscheidet in erster Linie der Ortsfeuerwehrkommandant, natürlich in Absprache mit seinem Ausschuss“, erklärt Meusburger.
jomo/Quelle: Bezirkskommando (Daten lt. Meldungsliste)

 
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