25.02.2020
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Wenn das ganze Dorf hilft

Freunde, Familie, Vereine und Firmen machen das Leben von Marion Terler leichter. Seit September 2019 sitzt die 52-Jährige im Rollstuhl – ein Leben ohne wird es wohl nicht mehr geben.

Kirchberg | Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste neurologische Erkrankung im jungen Erwachsenenalter. Aufgrund einer Fehlfunktion des Immunsystems werden Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark angegriffen und geschädigt. Die Kirchbergerin Marion Terler hat MS – und das seit 23 Jahren. Kurz nach der Geburt von Sohn Julian wurde die Krankheit diagnostiziert. Während sich bei vielen MS-Patienten das Krankheitsbild in Schüben verschlechtert, verlief bei Marion die Krankheit bisher schleichend. Lange Zeit hatte sie kaum Einschränkungen, doch kontinuierlich verschlechterte sich ihr Zustand – ein Gehen ohne Hilfsmittel war nicht mehr möglich.

Mit dem Schmerz leben lernen
In den fast 30 Jahren, die Marion nun MS hat, lernte sie den Umgang mit den Schmerzen. „Es hat sich in der Medizin viel getan. Zu Beginn meiner Erkrankung war MS noch gar nicht so richtig in den Köpfen der Mediziner angekommen, mittlerweile ist die Forschung und auch der Wissensstand zu dieser Krankheit viel weiter und es werden verschiedene Medikamente zur Schmerzbehandlung verabreicht“, erzählt Marion. Aber nicht nur Schmerzen begleiten Marion durch ihr Leben, sie hat auch spastischen Lähmungen, die sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken.

Hoffnung auf eine Erleichterung
Der Kirchbergerin steht nun ein dreiwöchiger Aufenthalt in Hochzirl bevor. „Hier gibt es eine komplett andere Form der Therapie. Mit der sogenannten Schmerzpumpe werden die liquiden Mittel direkt zu den angegriffenen Nerven gebracht“, erzählt Marion, die sich von der neuen Therapie zumindest kurzzeitiges selbstständiges Stehen erhofft. Damit wäre das Ankleiden oder der Weg zur Toilette deutlich erleichtert. Ein Leben ohne Rollstuhl kann sie sich aber nicht mehr vorstellen. Auf diesen ist sie seit September des Vorjahres angewiesen, denn durch die Spastiken kann sie weder stehen noch gehen.

Herausforderung: Leben im Rollstuhl
Einen entscheidenden Einschnitt in das Leben von Marion Terler  hatte der September. Nach einem Krankenhausaufenthalt gab es keine Alternative mehr zum Rollstuhl. Für die Organisation ihres Lebens blieb keine Zeit, die Übergangspflegeeinrichtung war komplett belegt. „Hier haben mir meine Freundinnen sehr geholfen – vom Haushalt bis zum Kochen und Gassigehen mit dem Hund – sie haben alles für mich erledigt“, erzählt Marion. Aber auch der „Kümmerer“ Dieter Strobl war ihr eine große Unterstützung, organisierte schnell Hilfsmittel und kümmerte sich auch um die Zuschüsse.

Große Welle der Unterstützung und Hilfe
Bei einer ihrer ersten „Ausfahrten“ traf Marion auf Katrin Koidl (Bräuwirt) und Claudia Schermer (Taxi Aschaber), die sich nach ihrem Befinden erkundigten und beschlossen „hier muss geholfen werden“.
Es folgten tränenreichen Tage für Marion – aber die Tränen flossen nicht wegen der Schmerzen, sondern aus Freude über die großzügige Hilfe, die ihr zu Teil wurde. Tamara Pöll und Katrin Koidl stellten den Kontakt zum VST her, der ihr ein behindertengerechtes Auto kauft. Der VST kommt auch noch für den automatischen Türöffner und eine Schubtüre auf. Claudia Schermer fuhr sie zur Therapie nach Innsbruck.
Alice Hartmann erklärte sich sofort bereit, die Kosten für den Umbau der Küche zu übernehmen und Roman Janka baut im Bad eine Schiebetür ein. Wöchentlich schickte Gerlinde Dietrich (Salon Hauptsache) eine Mitarbeiterin vorbei, die Marion bei der Haarpflege unterstützt. Schnell gehandelt hat auch Toni Hetzenauer, der Marion auf der Terrasse eine Rampe baute und Halterungen im Bad und in der Toilette einbaute und eine Kleiderstange montierte.  Sofort zur Stelle war auch „Holzwurm“ Bernhard Bacher und kam Marion zu Hilfe.

Finanzielle Unterstützung
Durch Dietmar Strobl bekam die Kirchbergerin den Erlös des Billa-Glühweinausschankes und auch der Golfclub Kirchberg unter Max Styblo unterstützte sie finanziell sowie die Kirchberger Kaufmannschaft.
„Jetzt steht nur noch der Umbau des Bades an, dann ist meine Wohnung behindertengerecht“, erzählt Marion, die hier noch mit einer ordentlichen finanziellen Belastung rechnet.
Dankbar zeigt sich Marion aber auch gegenüber ihres ehemaligen Arbeitgebers, der Gemeinde Kirchberg. „Ich war 13 Jahre im Kindergarten tätig, danach war die Arbeit nicht mehr möglich. Die Gemeinde hat für mich einen geringfügigen Job geschaffen, den ich sieben Jahre lang ausüben konnte“, erzählt Marion. „Ohne meine Freundinnen – sie haben echt Unwahrscheinliches geleistet, Katrin Koidl und der tollen Unterstützung, die ich von den Firmen, Vereinen und Personen bekommen habe, wäre ein selbstständiges Leben für mich nicht möglich“, ist Marion Terler überzeugt. Elisabeth M. Pöll

Der Rollstuhl ist aus dem Leben von Marion nicht mehr wegzudenken. Mobilität bekommt sie nun durch ein behindertengerechtes Auto vom VST. Symbolfoto

 
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