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01.06.2019
News  
 

Weltmilchtag: Hohes Level bei den Produkten

Westendorf | Die Milch- und Almwirtschaft prägen den Bezirk Kitzbühel. 621 Milchbauern produzieren an ihren Höfen 63,5 Millionen Liter Milch im Jahr. „188 Bauern im Bezirk beliefern ‚Zurück zum Ursprung‘. 20 Bauern sind im letzten Jahr aus diesem Modell ausgestiegen“, erzählt Helga Brunschmid, Vizepräsidentin der LK Tirol, die auch die Gründe dafür kennt: „Der geforderte tägliche Auslauf ist für die Nebenerwerbsbauern eine große Herausforderung, jedoch ist ZzU ein gewaltiges Projekt, bei dem ein super Preis für die Milch bezahlt wird“.
Brunschmid gibt auch zu Bedenken, dass der Laufstall für Rinder nicht das Maß aller Dinge ist. „Die Anbindehaltung mit Auslassen und die Almwirtschaft stehen dem Laufstall um nichts nach“, sagt Brunschmid, die eine große Herausforderung in dieser Angelegenheit auch bei den Interessensvertretern sieht, denn bei 80 Prozent der heimischen Bauern gibt es keine Alternative zur Anbindehaltung. Es gilt, Kriterien zu finden, die nicht nur die Stallform beinhalten, sondern sich auch um das Tierwohl kümmern, wobei auch die Weide- und Almhaltung berücksichtigt werden müssen.

Selbstbewusstsein der Bauern stärken
„Wir haben ein sehr hohes Level bei unseren Produkten, daher ist es auch wichtig, dass die Bauern darüber reden“, sagt Helga Brunschmid. Damit die Landwirte auch argumentieren können, werden sie im zweiwöchigen Rhythmus über Fakten und Zahlen zu den unterschiedlichen Themen informiert. „Wir wollen unsere Bauern zukunftsfit machen“, sagt die LK-Vizepräsidentin Brunschmid.

Die Besonderheit der Kleinsennereien
„Am Beispiel der Sennerei in Westendorf sieht man, wie es gehen könnte“, sagt LAbg. und Bezirksbauernobmann Josef Edenhauser, der aber auch betont, dass es viel an Durchhaltevermögen bedarf, um sich am Markt durchzusetzen.
Die Sennerei gibt es nun seit ca. 100 Jahren und auch sie erlebte ihre Höhen und Tiefen. Der Genossenschaft gehören 101 Mitglieder an, 56 davon liefern Milch. „Diese wird aber nicht an die Westendorfer Sennerei geliefert, sondern an die Tirol Milch“, erzählt Johann Krall. Seit 2009 bezieht die Sennerei ihren „Rohstoff“ von der Tirol Milch und kann somit die unterschiedlichen Spitzen in der Milchproduktion umgehen. „Milchmengen zwischen 20.000 kg und 5.000 kg erschweren die Vermarktung“, weiß Sebastian Ehrensberger, der Pächter der Sennerei, der diese seit 1996 betreibt. In dem Betrieb wird neben Butter und verschiedenen Käsesorten auch der beliebte „Broda“ hergestellt. „Zu Beginn machten wir den ‚Broda‘ nur auf Anfrage, mittlerweile sind es im Jahr ca. zwölf Tonnen der Brixentaler Spezialität, die wir herstellen“, sagt Sebastian Ehrensberger. Damit ist der „Broda“ zu einem Standbein der Sennerei geworden. Aber nicht nur die eigenen Produkte werden in der Sennerei Westendorf verkauft, sondern auch von anderen Kasern der Region sind Produkte im Sortiment enthalten. „Das sind alles Spezialitäten, die es im Lebensmittelhandel sonst nicht gibt“, erzählt Sebastian Ehrensberger.
„Die Schwankungen in der Milchproduktion waren früher für die kleinen Sennereien ein großes Problem, durch den Bezug über die Tirol Milch trägt der große Betrieb das Risiko und die kleine Sennerei verbucht das positive Image. Es ist ein wichtiges Zusammenspiel der Betriebe“, erklärt Helga Brunschmid.

Gute Zusammenarbeit mit Tourismus
Besonders erfreut zeigt sich Ehrensberger, dass die heimischen Produkte auch in den touristischen Betrieben immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Die Zahl der Betriebe, die bei uns einkaufen ist gestiegen“, sagt Ehrensberger. Aber nicht nur bei der Vermarktung der Produkte arbeiten Landwirtschaft und Tourismus zusammen, denn die Almwirtschaft ist auch für den Tourismus wichtig. „Wir hatten im vergangenen Jahr einen Anlassfall. Ein Bauer wurde von einem Mountainbiker nach einem Radunfall verklagt. Wir haben gleich beschlossen, dass wir dem Bauern einen Anwalt bereitstellen. Die Klage wurde dann auch zurückgezogen“, berichtet TVB Brixental GF Max Salcher, der auch bei weiteren derartigen Fällen so vorgehen will. „Wir müssen zusammenstehen und daher ist es wichtig, dass wir uns schnell und unkompliziert gegenseitig helfen“, sagt Max Salcher.  Elisabeth M. Pöll

Johann Krall, Sebastian Ehrensberger, Josef Edenhauser, Helga Brunschmid, Johann Bachler und Max Salcher (v.l.) machten in der Sennerei Westendorf Werbung für die landwirtschaftlichen Produkte. 

 
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