25.04.2020
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Welche Strategie hat St. Johann?

Die Tourismusregion St. Johann zählt im Sommer nahezu gleich viele Gäste wie im Winter. TVB-GF Gernot Riedel rechnet in diesem Sommer mit einem Nächtigungsrückgang von bis zu zwei Dritteln. Aber dennoch gilt für ihn : „Nix ist fix.“ Riedel sieht auch Chancen für die Region.

St. Johann | Die Strukturen des Tourismusverbandes St. Johann, zu denen auch die Ortschaften Oberndorf, Kirchdorf und Erpfendorf gehören, wurden heruntergefahren. Nicht dringende Investitionen bei Wanderwegen und Ausflugszielen werden aufgeschoben. Werbekampagnen vorerst ausgesetzt, bis Klarheit herrscht, wann und wie der Tourismus wieder öffnen darf. „Ein Teil der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit. Dies geschah nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Vorsorge. In strategischen Bereichen der Verwaltung, des Marketings sowie  im Bauhof werden aber weiterhin Maßnahmen vorbereitet, um die kommenden schwierigen Monate zu bewältigen“, veranschaulicht TVB-GF Gernot Riedel.

Riedel: „Wir müssen die Qualität halten“
Und gut überlegte Maßnahmen wird es in diesem Sommer der Ausnahmesituation brauchen. „Der österreichische Markt wird, selbst bei größtem Optimismus, nur einen Bruchteil der Nächtigungs- und Umsatzverluste kompensieren können. Wir werden sicher auf unsere Rücklagen zurückgreifen müssen, denn eines ist klar: gerade in schwierigen Zeiten müssen wir die Qualität halten und auch Marketingmaßnahmen setzen“, betont Riedel.

Deutschland, Schweiz, Holland, Großbritannien
Neben Österreichern, verbringen vor allem Deutsche, Schweizer, Holländer und Briten gerne ihren Sommerurlaub in der Region St. Johann. Der Tourismusverband rechnet mit einem Nächtigungsrückgang von bis zu zwei Dritteln (370.000 Nächtigungen).
Welche Strategie verfolgt man? „Solange wir nicht wissen, wer wann wie wieder reisen darf, können wir nur in Szenarien denken und dann frühestmöglich die richtigen Maßnahmen ergreifen. Einen Bergsommer wird es sicher geben, wohl aber in einer stilleren Form. Wir hoffen, dass Angebote wie Bergbahn, Mountaincart, Hornpark aber auch Hütten bald öffnen dürfen.“

Touristiker zwischen Hoffen und Bangen
Die Stimmung unter den Touristikern beschreibt Riedel zwischen Bangen und Hoffen: „Das Schlimmste ist derzeit die Planungsunsicherheit.Wir müssen aber jedenfalls davon ausgehen, dass der kommende Sommer der herausfordernste der letzten Jahrzehnte werden wird.“ Gut aufgestellte Betriebe werden diese Herausforderung bewältigen können, ist Riedel überzeugt, aber für den ein oder anderen, der vielleicht schon vor der Krise in Nöten war, könnte es eng werden. „Von einem nachhaltigen Bettenverlust in der Region gehe ich derzeit aber nicht aus“, sagt Riedel.

Ausblick auf eine „andere“ Wintersaison
Dass „Normalität“ in der kommenden Wintersaison anders ausschauen wird, prognostiziert der TVB-Geschäftsführer: „Das Social Distancing wird seine Spuren hinterlassen.“ Riedel sieht aber für die Region St. Johann durchaus Chancen: „Vor allem da wir schon bisher kein Hot-spot der Massen oder des intensiven Après Ski waren, könnten wir hier im Vorteil sein. Wir setzen am Berg, im Ort und in den Unterkünften auf gediegene Qualität.“
Generell sieht Riedel eine mögliche Änderung im Urlaubsverhalten nach der Corona-Pandemie. „Im globalen Tourismus bin ich davon überzeugt, dass es ein Umdenken geben wird – denn wer möchte schon in absehbarer Zeit in ferne Länder fliegen oder mit einem Kreuzfahrtsschiff in Quarantäne gehen müssen? Die Überkapazitäten an Betten im Mittelmeer- oder im asiatischen Raum werden massiv betroffen sein. Die ein oder andere Fluglinie wird nicht mehr abheben. Mittelfristig bin ich daher absolut überzeugt, dass wir in den Alpen profitieren können. Argumente wie Erreichbarkeit, Sicherheit, Naturverbundenheit, qualitätsvolle Unterkünfte sowie authentische und regionale Kulinarik könnten an Bedeutung gewinnen. In machen Bereichen muss auch ich als Touristiker mir sogar wünschen, dass manches nicht mehr so wird, wie es war.“

Tourismusangebot ist für Einheimische wichtig
Eine Erkenntnis sei bei vielen Menschen jetzt erst durchgedrungen, sagt Riedel: „Die Krise hat gezeigt, wie abhängig und vernetzt die gesamte Wirtschaft mit dem Tourismus ist und welche Bedeutung ein funktionierendes und verfügbares touristisches Angebot auch für die Einheimischen hat. Tourismus ist nicht Fremdenverkehr, sondern es geht um Emotionen und Kommunikation zwischen Menschen – die uns jetzt allen fehlt.“ Johanna Monitzer

In der Region St. Johann wird derzeit in alle Richtungen gedacht, um trotz Corona ein Sommererlebnis bieten zu können.  Überlegungen gibt es auch, wie Lang & Klang (im Bild) eventuell in angepasster Form stattfinden könnte.  Foto: Gerdl

 
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