23.04.2018
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Welche Rolle Kopftücher spielen

Unsere Bundesregierung plant das Verbot von Kopftüchern für Mädchen an Kindergärten und Volksschulen. Welche Rolle spielen Kopftücher in den örtlichen Schulen?

Bezirk | Wir haben versucht, zu eruieren, welche und ob Kopftücher in unseren Volksschulen eine Rolle spielen. Die größten Volksschulen im Bezirk – Brixen, Fieberbrunn, Going, Hopfgarten, Kirchberg, Kitzbühel, Kössen, St. Johann und Westendorf haben wir um ihre Ansichten und Einschätzungen zu dem Thema gebeten. Knapp die Hälfte der Schulen wollte zu unseren Fragen (teilweise) Stellung nehmen. Eines haben alle Volksschulen gemeinsam: Es gab bzw. gibt keine Mädchen mit Kopftüchern.

„Die Probleme machen die Eltern“

Lediglich in Fieberbrunn berichtet Direktorin Johanna Scheidl von Schülerinnen mit Kopftuch als es noch Sprachklassen gab. „Diese Kinder waren allerdings alle älter als zehn Jahre und es gab auch keine Probleme.“ In Fieberbrunn hat man seit jeher schon alleine aufgrund des Asylheimes Erfahrung mit verschiedenen Nationalitäten und Kulturen. „Es kommt auf den Einzelfall an, viele Kinder integrieren sich ohne Problem. Probleme machen die Eltern, die nicht an Bildung interessiert sind und damit auch die Kinder nicht unterstützen. Hier wäre es notwendig, dass vom Gesetzgeber etwas geschieht“, veranschaulicht Direktorin Scheidl.

Integration spielt keine große Rolle

Heidi Soretz, Schulleiterin der Volksschule in Brixen, erzählt, dass einheimische Mädchen manchmal Kopftuch oder ähnliches tragen. „Weil es eben gerade modern ist oder war. Ich wüsste nicht, warum man das an Schulen verbieten sollte.“ Integration spiele an ihrer Schule keine große Rolle. „Dort, wo es um das Erlernen der deutschen Sprach geht, nutzen wir die schulischen Möglichkeiten und holen uns Hilfe von außen z.B. bei Pensionisten oder Eltern“, erklärt Soretz.

Auch Direktor Stefan Wieser von der VS Kössen sagt, dass der Anteil von Schülern anderer Nationalitäten an seiner Schule sehr gering ist. „Deshalb halte ich es nicht für notwendig, dass weitere Maßnahmen oder Hilfestellungen in Sachen Integration von außen erfolgen sollten. An Brennpunktschulen sieht dies natürlich anders aus“, erklärt Wieser.

In der VS Kitzbühel war bzw. sind kopftuchtragende Mädchen noch nie Thema. „Sollte der Fall eintreten, werden wir uns an die Vorgaben des Landesschulrates halten“, sagt Direktorin Barbara Jenewein.

Das Kapperl muss aber oftmals draußen bleiben

Übrigens muss aber in den meisten Schulen das Kapperl in der Garderobe bleiben. Die Volksschulen in St. Johann, Going, Hopfgarten und Kirchberg wollten zu diesem Thema überhaupt keine Stellung beziehen.

Gegen Diskriminierung

Die Bundesregierung sieht in einem Verbot für Kopftücher an Kindergärten und Volksschulen vor allem eine Beseitigung von Diskriminierung „Österreich ist ein Land der Freiheit und nicht der Unterdrückung. Das Kopftuch ist jedenfalls im Kindesalter nicht religiös begründet, daher setzen wir diese Maßnahme für die jungen Mädchen und schaffen damit mehr Chancengleichheit“, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz in den Medien mehrfach. Die Bundesregierung plant, das Gesetz in den nächsten Wochen zu beschließen.
Johanna Monitzer

Aus meiner Sicht

Wir geben keine Auskunft
Bezirk | Gab oder gibt es Schülerinnen mit Kopftuch? Halten Sie das Kopftuchverbot für notwendig? Gibt es an der Schule andere Kleidungsvorschriften? Welche Maßnahmen, Hilfestellung seitens der Regierung würden Sie sich in Sachen Integration wünschen? Diese Fragen waren vielen Direktoren offenbar zu viel. Mailanfragen wurden ignoriert.  „Wir geben dazu keine Auskunft, wir haben sonst schon viel zu tun, damit müssten wir uns erst beschäftigen“, war zu hören, sofern man die Direktoren dann dennoch am Telefon erwischte.

Im Paragraph zwei des Bildungsauftrages der Schulen heißt es „jungen Menschen sollen zu einem selbstständigen Urteil geführt werden“. Und wer könnte besser beurteilen, was es braucht, um ein Miteinander zwischen den verschiedenen Religionen im Schulunterricht herzustellen, als die Schulleiter vor Ort? Welche Werkzeuge müssen bereitgestellt werden, um allen Kindern einen bestmöglichen  und gleichwertigen Start ins Leben zu ermöglichen? Das sind wichtige Fragen für die Zukunft, mit welchen sich jede Schule auseinandersetzen sollte. Um gehört zu werden, muss man aber auch etwas sagen. Schade.
Johanna Monitzer
monitzer@kitzanzeiger.at

 
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