30.04.2018
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„Was zählt, ist nur der Mensch“

Nur der Mensch zählt für die Barmherzigen Schwestern in Haifa: In ihrem Hospiz kümmern sie sich um 56 schwerstbehinderte Kinder aus ganz Israel – aus verschiedenen Völkern und Religionen.

Hopfgarten, Haifa  | Das regelmäßige Zischen der Beatmungsmaschinen erfüllt das Zimmer. Wäre dieses Geräusch nicht – die vier Betten mit ihren bunten Kissen und Decken und Stofftieren, die Wände mit den Zeichnungen und Fotos, sie könnten auch in einem Internat stehen. 56 Kinder und junge Erwachsene haben im Maison du Sacre Coeur, dem Hospiz der Barmherzigen Schwestern im nordisraelischen Haifa, ein neues Zuhause gefunden, etliche davon seit ihren ersten Lebensmonaten. Die meisten von ihnen haben eine schwere geistige Behinderung, sind auf den Rollstuhl angewiesen und in einem schlechten Gesundheitszustand. An die 20 Kinder werden künstlich ernährt.

Bei alldem ist das Heim kein klinischer Ort, sondern eine Oase der Ruhe und Geborgenheit. Dass dem so ist, dazu tragen die vier Schwestern im Haus mit dem richtigen Geist bei. Sie kommen aus den USA, Israel, dem Libanon – und aus Hopfgarten.

„Ein Auge für Bedürfnisse der Kinder“

Lächelnd geht Sr. Kathrin Fuchs durch die Zimmer, zupft hier eine Decke zurecht, streicht da einem Kind über die Wange. Die Gesichter der Kleinen leuchten, wenn man ihnen vorliest, sie berührt. „Wir wecken sie auf“, sagt Sr. Kathrin, die sich freut, wenn eines der Kinder merkliche Fortschritte macht. „Auch wenn die Eltern wissen, dass ihr Kind anders ist als seine Brüder und Schwestern, so haben sie doch Erwartungen, sind enttäuscht, überfordert. Die besonderen Bedürfnisse der Kinder gehen oft unter. Wir nehmen sie so an, wie sie sind. Und das spüren sie.“

Im Haus der Barmherzigen Schwestern wird jedes Kind nach seinen Möglichkeiten gefördert: durch die liebevolle Betreuung, die richtige Pflege und Therapie und den speziellen Unterricht an der angeschlossenen Sonderschule, die 20 weitere Kinder mit schweren Behinderungen und 30 autistische Kinder aus der Gegend besuchen. Den Schwestern stehen dabei 160 Fachkräfte zur Seite. „Eigentlich sind wir eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche, aber manche bleiben über das 21. Lebensjahr hinaus.“ Ein Kindergarten für 175 gesunde Kinder ist ebenfalls hier untergebracht.

Die Pflege von Schwerstbehinderten erfordert nicht nur einen unermesslichen menschlichen Einsatz, sondern ist auch kostenintensiv. Die Subventionen durch den Staat reichen – wie auch in den fünf weiteren Werken der Barmherzigen Schwestern im Heiligen Land – bei weitem nicht aus. Es gibt immer neue Therapiemittel anzuschaffen oder ungenützte Ecken des mehr als 100 Jahre alten Hauses in Therapieräume oder in Wohneinheiten für Kleingruppen zu verwandeln. „Es gibt uns noch, und das ist gut so: Wir verstehen uns als Leuchtturm der Kirche im Heiligen Land“, sagt Sr. Kathrin.

Die Sehnsucht nach Frieden

Die Hopfgartnerin hat ihr ganzes Leben den Kindern gewidmet, zunächst sieben Jahre lang als Lehrerin in Bramberg, bevor sie in den Nahen Osten in die Mission ging. Seit 47 Jahren ist sie nun hier, zunächst 17 Jahre im Libanon, wo sie mit Flüchtlingskindern arbeitete, seit 30 Jahren in Israel.

Resolut, aber mit viel Freundlichkeit und Wärme leitet sie das Maison du Sacre Coeur. Leichter sei es in den vergangenen 30 Jahren nicht geworden, im Gegenteil: Die Mauern in der Region sind gewachsen, zwischen den Ländern und zwischen den Menschen. „Es ist ein Pulverfass. In Israel scheint nach wie vor keine Lösung in Sicht, aber die Hoffnung stirbt nie.“

Mit wem man auch redet – Taxifahrern, Schneidern, jungen Menschen in Bars – der Wunsch nach einer Einigung ist groß, bei Juden wie Arabern. „Frieden wollen sie alle, natürlich“, sagt Sr. Kathrin, „aber sie sind auch stur: Jeder will den Frieden auf seine Art. Und auf beiden Seiten gibt es Fanatiker.“ Zurück nach Österreich? Diese Frage habe sich nie gestellt. „Ich bin für die Kinder da. Politik überlasse ich anderen.“

„Das ist ein jüdisches Kind, das ist ein muslimisches, das dort ein christliches“, sagt Sr. Kathrin und deutet auf die Kinder im Therapieraum und betont: „Aber wir sehen hier nur den Menschen.“ Nicht nur bei den Kindern, genauso bei den Mitarbeitern ist das Miteinander verschiedener Völker und Religionen selbstverständlich. Überhaupt ist Haifa bekannt für die friedliche Koexistenz. Für Sr. Kathrin ist das Miteinander nur logisch: „Ein Arzt, der unsere Kinder untersucht hat, hat mir einmal gesagt: ‚Sie haben den gleichen Genpool. Im Grunde sind sie Geschwister – Juden und Araber.‘“

Bild: Die gute Seele aus Hopfgarten: Sr. Kathrin Fuchs hat ihr Leben den Kindern gewidmet. Foto: EDS/ Alexander Koller

 
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