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06.01.2019
News  
 

Wahrlich eine „runde Sache“

Fotografie, Malerei, Skulpturen und Installationen. In der Galerie Clemens Gunzer geben sich Künstler der verschiedensten Genres und Generationen ein kreatives Stell-dich-ein. Eine spannende Gegenüberstellung von Persönlichkeiten ganz im Zeichen des Andersartigen und einer ungewöhnlichen Formatwahl: „Das runde Etwas“.

Kitzbühel | Die Ikone der Pop-Fotografie Mick Rock (*1948) ist vielen durch seine schrillen und ausdrucksstarken Bilder bekannt. Mick Rock fing die Pop- und Rockmusiker der 1970er Jahre wie David Bowie, Lou Reed, Pink Floyd, Blondie und Queen mit seiner Kamera ein und begründete damit nicht nur sein künstlerisches Werk, sondern dokumentierte eindrucksvoll eine Zeit der Veränderung und des Aufbruchs sowie den Werdegang der bedeutenden Bands der 70er und 80er Jahre. Rocks Bilder, die ein Statement einer Unangepasstheit sind, stehen der Objektkunst aus ähnlichen Zeiten und der Gegenwart gegenüber: Allen voran die Lichtscheibe von Günther Uecker.

Dreidimensionale Kunstwerke

Günther Uecker (*1930) studierte zuerst in Wismar und an der Kunstakademie in Berlin Malerei. Aufgrund von Aufständen in der DDR musste er sein Studium unterbrechen und konnte es Jahre später an der Kunstakademie in Düsseldorf fortsetzen. Uecker besticht durch seine dreidimensional wirkenden Kunstwerke. Seine Installationen erscheinen eindrucksvoll als eine Wechselwirkung von Licht und Schatten. 1956/57 verwendete der Künstler erstmals Nägel als gestalterisches Mittel. Die für ihn typischen Nagelbilder (plastisch wirkungsvolle bemalte Reliefs) verkörpern eine rhythmische Dynamik. In den 1960er Jahren machte die Künstlergruppe ZERO – gegründet von Heinz Mack und Otto Piene – auf sich aufmerksam, der Uecker beitrat und dieser Gruppe bis 1966 angehörte.

Der Galerist Clemens Gunzer zeigt Ueckers Lichtscheibe (1967), eine Installation, die nicht nur durch die rhythmische Anordnung der Nägel überzeugt, sondern den Betrachter durch den kinetischen Moment in den Bann zieht. Die Objektinstallation von Uecker tritt mit den beeindruckenden großformatigen runden Gemälden von Clemens Wolf (*1981) in einen Dialog.

Farben und Pigmente auf Aluminium

Wolf studierte an der Universität für Kunst und Design in Linz. Nach dem Studium widmete er sich der Graffiti- und Street Art Szene und den architektonischen Strukturen von Gebäuden und öffentlichen Plätzen, die er in seinen Malprozess formal wie künstlerisch einfließen ließ. Dabei kamen Schablonen, Raster und Scherenschnitte auf unterschiedlichste Weise zum Einsatz.

In seinen neueren Arbeiten widmet er sich sichtlich der Oberfläche. Schichtweise und mit präzisen Pinselstrichen trägt er Farbe und Pigment auf Aluminium auf; mal pastos, mal als leichten Hauch. Die Bilder erscheinen dabei nicht als reine monochrome Malerei – das Wechselspiel an glänzenden und matten Stellen sowie der Rhythmus im Farbauftrag bringen eine besondere Qualität zum Ausdruck. Die Frage nach der Form klärt der Künstler schlicht mit der Wahl des runden Bildformats.

Lichtskulpturen

In diesen Dialog treten auch die optisch rund wirkenden Arbeiten des gebürtigen österreichischen Künstlers Johannes Girardoni (*1967). Sie faszinieren gleich auf mehrfache Weise. Seine Lichtskulpturen scheinen förmlich vor der Wand zu schweben. Die Objekte wirken von der Ferne als farbige Leuchtkörper, bei näherer Betrachtung allerdings eröffnet sich ein Spiel mit dem Betrachter, dessen Auge an pixelhaftes Sehen gewöhnt ist. Die farbigen Objekte aus Acrylharz präsentieren sich als analoger Ausdruck in unserer digital-dominierten Welt.

Metallischer Glitzer, Lacke und Polyester

Die aktuelle Schau der Galerie Clemens Gunzer wird vervollständigt mit dem Amerikaner Vincent Szarek (*1973), einem Künstler, der sich ebenfalls dem „Rund“ widmet. Szareks geheimnisvoll glitzernde Tondi lassen eine Assoziation zu den trashigen 1980er Jahre vermuten. Metallischer Glitzer, Lacke und Polyester verschmelzen in seinen Arbeiten zu perfekt glatten Oberflächen auf der runden Leinwand. Dabei erzielt er eine interessante Dynamik zwischen Materialität, Form und Reflexion, denn seine minimalistisch wirkenden Wandobjekte sind im Grunde einfache Kombinationen aus Bekanntem. Durch die Herauslösung der verwendeten Bestandteile aus ihrem gewohnten Kontext wirken sie vorerst befremdlich und werden zu Kult-Objekten.

Im wahrsten Sinne eine energiegeladene Gegenüberstellung von Kunstwerken, die sich um den Galeristen Clemens Gunzer zu zitieren, zu einer „Runden Sache“ zusammenfügen. Die Ausstellung ist bis 10. Februar geöffnet.

Bild: Clemens Wolf „EMPP Tondo °1“ (2018. Öl, Pigment auf Aluminium) Foto: Dorner-Bauer/Bildrechte: Galerie Clemens Gunzer

Aus der Reihe "KunstBlicke" - Mag. Martina Dorner-Bauer ist Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin, Autorin, Betreuerin div. Kunstsammlungen und Gründerin der Agentur DieKunstagenten. martina@diekunstagenten.at     

 
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