25.10.2017
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Vorausplanen, wohin der Apfel fällt

„Es bleibt in der Familie“ ist an sich ein schöner Vorsatz und auch im Unternehmertum erstrebenswert. Die Übergabe an die nächste Generation kann jedoch knifflig werden. Tipps gab es im Rahmen eines Vortragabends der Wirtschaftskammer sowie der Sparkasse.

Going  | In den nächsten 15 Jahren stehen 11.500 Betriebsübergaben in ganz Tirol bzw. rund 1.300 im Bezirk Kitzbühel an. Allein im Jahr 2016 waren es 78 in der Region. „Also ein sehr brisantes Thema, wie man an den Zahlen sieht“, brachte es WK-Obmann Klaus Lackner auf den Punkt.
Wo genau die Hürden lauern können bzw. welche Faktoren den Erfolg in der Weitergabe des Betriebs ausmachen, skizzierte der Unternehmensberater Bernhard Baumgartner. Der Experte in Sachen Firmenübergabe nahm sich kein Blatt vor den Mund und wies mit Direktheit, aber auch viel Humor, auf die vielen typischen Fallen hin, die auf dem gemeinsamen Weg auftauchen. Denn natürlich ist der Wechsel kein nüchterner Ablauf nach Schema F, bei dem diverse Checklisten abgehakt werden können, sondern ein langwieriger Prozess, bei dem es vor allem auf Kommunikation, Konfliktbereitschaft und das passende Konzept ankommt.
„Klare Zieldefinitionen sind unbedingt erforderlich: Was will ich? Wofür stehe ich?“, erläuterte Baumgartner. Das müssen zunächst die jeweiligen Firmenchefs für sich selbst abklären, bevor gemeinsam mit der gesamten Familie an der neuen Vision gearbeitet werden kann. Der Übergang ist keinesfalls in einer Ho-Ruck-Aktion zu bewältigen, sondern will mehrere Jahre sorgfältig begleitet sein.
In der täglichen Arbeit stellte sich für Baumgartner klar heraus: es menschelt. Die Emotion ist ein großer Hemmschuh in Sachen erfolgreiche Übergabe.  Das Loslassen fällt dem Gründer oft schwer, die Führung abzugeben erst recht. Zudem werden oft viele für einen Betrieb wesentliche Themen in der Familie aus Angst vor Konflikten nicht angesprochen. Aber gerade das sei „eine Kunst, die man erlernen kann“, sagt Baumgartner.
Er präsentierte ein Vier-Stufen-Modell, das Struktur in den Ablauf der erfolgreichen Betriebsübergabe bringt. Welche Schwerpunkte in Planungs-, Entscheidungs-, Übergabephase sowie Übernehmerphase gesetzt werden müssen, wurde den zahlreichen Teilnehmern des Abends präsentiert.
Zwar gilt „es gibt keine Generalprobe einer Nachfolge“, allerdings gibt es durchaus Hilfestellungen. Baumgartner verwies unter anderem auf entsprechende Angebote am MCI.

Vorbild für die junge Generation sein

Den Weg erfolgreich gegangen sind Josef Stöckl senior und junior. Sie berichteten am Podium von ihren Erfahrungen.
Die Übergabe-Phase dauerte vier Jahre. Doch eigentlich begann die Einführung in die Materie schon sehr früh, wie Stöckl senior ausführte. „Es ist wichtig, schon die kleinen Kinder einzubinden und ein Vorbild zu sein.“ So könne das Interesse am Betrieb der Eltern geweckt bzw. gefördert werden.
Wie der Einstieg für ihn in den elterlichen Sportartikel-Fachhandel ablief, schilderte Josef Stöckl junior: „Die ersten zwei Jahre liefen für mich wie für einen normalen Mitarbeiter ab. Danach habe ich gewisse Agenden übernommen, wurde immer mehr eingebunden.“
Hand in Hand meisterten die beiden den Prozess, so gelang die Betriebsübergabe.
Elisabeth Galehr

 
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