07.01.2019
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Vom Winter und vom Schnee

Eine aktuelle Studie des Kitzbüheler Winterforschers Günther Aigner, des Meteorologen Christian Zenkl und des ehemaligen Leiters des Hydrographischen Dienstes Tirol, Hofrat Wolfgang Gattermayr, erfreut die Seilbahnwirtschaft.

Kitzbühel, Innsbruck   |  Das Ergebnis: Über die vergangenen 50 Jahre sind die Wintertemperaturen in Tirols Bergen statistisch unverändert geblieben, auch ein späterer Beginn des Einschneiens gegenüber früheren Jahrzehnten lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. Tirols Seilbahnvertreter Franz Hörl und Reinhard Klier bezeichnen die Analyse als „sachlichen und unaufgeregten Beitrag in einer emotionalen Diskussion“ und ziehen dabei zugleich Rückschlüsse für die eigene Arbeit.

Wolfgang Gattermayr, Meteorologe und Hydrologe sowie langjähriger Leiter des Hydrographischen Dienstes Tirol, erklärt dazu: „In Tirol werden Schneedaten seit 1893 statistisch erfasst. Jede Aussage über die Zeit davor ist somit reine Spekulation.“ Auf diese wollten sich Skitourismusforscher und Schneehistoriker Günther Aigner sowie Meteorologe Christian Zenkl nicht einlassen und haben daher die vorhandenen Daten des Hydrographischen Dienstes Tirol (HD Tirol), der Österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Lawinenwarndienstes Salzburg und von MeteoSchweiz ausgewertet.

„Über die letzten 50 Jahre sind die Wintertemperaturen auf  Tirols Bergen statistisch unverändert. Betrachtet man lediglich die letzten 30 Jahre, so sind die Winter in diesem Zeitraum sogar deutlich kälter geworden – um 1,3 Grad Celsius“, so Günther Aigner. Im Mittel von zehn Tiroler Skigebieten konnte man innerhalb der letzten 25 Jahre an durchschnittlich 141 Tagen pro Saison Ski fahren. Der lineare Trend ist leicht ansteigend, die positive Entwicklung wird auch durch die technische Beschneiung gefördert.

Blickt man auf die vergangenen 30 Jahre, so sind die Winter auf den Bergen Tirols im Mittel von sieben amtlichen Bergwetterstationen deutlich kälter geworden. Im linearen Trend sank die Temperatur von minus 3,4 auf minus 4,7 Grad Celsius – das heißt um 1,3 Grad. Seit der Pionierzeit des alpinen Skisports Mitte der 1890er-Jahre sind die Wintertemperaturen auf den Bergen Tirols im linearen Trend um 1,4 Grad Celsius gestiegen. Bei Diskussionen über den Verlauf der Wintertemperaturen in Tirol ist also die Festlegung des Zeitraumes von großer Bedeutung.

„Schneit es päter?“

Auch bei der Frage „Schneit es immer später?“ machten sich die Forscher auf die Suche nach Antworten. Dafür wurden aufgrund der verfügbaren Daten die drei Wintersportorte Waidring, Ladis und Lech am Arlberg ausgewertet. „Der Beginn der Winterdecke zeigt vor allem eine Gemeinsamkeit: Die jährliche Variabilität kann durchaus als extrem bezeichnet werden. Die Spannweite kann bis zu 91 Tage betragen. Das heißt, dass der Beginn der Winterdecke um bis zu drei Monate variieren kann“, analysiert Aigner, und: „nein, die Daten zeigen keinen Trend zu veränderten Einschneizeitpunkten. Diese über die Jahrzehnte kaum erkennbaren Veränderungen werden von der sehr hohen Variabilität der Einzeljahre überlagert“, so Aigner. Dennoch wird festgehalten, dass die Bergsommer seit Anfang der 1980er-Jahre einen markanten Temperaturanstieg zeigen.

Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen, erläutert:  „Niemand leugnet den Klimawandel. Uns geht es vielmehr darum, das Maß der Auswirkungen möglichst exakt zu eruieren. Und alle, die uns vor 20 Jahren prophezeit haben, dass wir zusperren müssen, sind de facto falsch gelegen.“

Studie der ZAMG

Die ZAMG Tirol hat übrigens bereits vergangenes Jahr eine Studie über den Winter in Österreich präsentiert. Ihr Fazit damals lautete: „Die Resultate zeigen, dass langfristig eine statistisch hochsignifikante Zunahme der Wintertemperaturen im Hochgebirge nachweisbar ist (innerhalb der letzten 90 Jahre im Mittel um etwa +0.25 Grad Celsius pro Jahrzehnt).“

Bild: Günther Aigner gehört zu den Autoren der jüngst erschienenen Studie über die Wintertemperaturen in Tirol. Foto: WKT

 
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