07.02.2018
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„Unbeirrbare Hoffnung fasziniert“

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte Christina Feiersinger ihren Debütroman „Die Stille, die im Schatten blüht“. Die junge Kitzbüheler Autorin hat darin den bewegenden Kampf von Simon Mayr gegen die Krankheit Morbus Still aufgeschrieben. Eine Geschichte, die auch Hoffnung schenkt.  

Wie sind Sie auf die Geschichte von Simon Mayr gestoßen?
Ich habe Simon schon vor Jahren über unsere gemeinsame Bekannte Sieglinde, die übrigens auch im Buch vorkommt, kennengelernt. Simon wollte seine Geschichte aufschreiben, um anderen Menschen Hoffnung zu geben, ihm fehlte jedoch das sprachliche Werkzeug dazu. Ich habe dann anhand seiner Notizen und durch zahlreiche Gespräche aus seinem bewegenden Schicksal einen Roman gemacht.

Anhand sehr einfühlsamer und bildgewaltiger Sprache erzählen Sie den Leidensweg von Simon Mayr. Was daran ist wahr, was wurde ein wenig ausgeschmückt?
Alles basiert auf den Fakten bzw. auf Simons Notizen. Ich habe seine Geschichte dann literarisch erzählt. Als ich Simon meine ersten Seiten gezeigt habe, war er begeistert. Er hat mir gesagt, genau so wie ich es beschreibe, habe er sich damals gefühlt.

Wie ist es Ihnen gelungen, sich so gut in einen anderen Menschen hineinzuversetzen?
Es war hilfreich, Simon bereits zu kennen, wodurch ich mich gut in ihn einfühlen konnte. Eine größere Herausforderung war die Beschreibung von Schmerz – dafür habe ich häufig auf Metaphern zurückgegriffen.

Was hat Sie an der Geschichte von Simon Mayr fasziniert?
Was mich fasziniert hat, war diese unbeirrbare Hoffnung von Simon. Aus medizinischer Sicht standen seine Chancen schlecht, aber er hat weitergekämpft und seinen Weg gefunden. Die Hoffnung sollte einen selbst in den bittersten Momenten nicht verlassen – das ist die Botschaft der Geschichte.    

Simon Mayr schämt sich seiner selbst. Ist Kranksein in der heutigen Zeit immer noch ein Tabuthema?
Vermutlich wird mit Krankheit heute ein wenig offener umgegangen. Generell werden solch belastende Themen, wie Tod oder Krankheit, aber wohl nach wie vor  lieber  ausgeblendet, anstatt sich aktiv mit ihnen auseinanderzusetzen. Doch Simon litt nicht nur an der gesellschaftlichen Tabuisierung, sondern auch daran, dass er Kranksein in so jungen Jahren als Gleichsetzung mit Schwäche empfand – dadurch war es gewissermaßen zum Teil eine selbstauferlegte Tabuisierung. Er wünschte sich oft, sein Leiden wäre auf einen Unfall zurückzuführen gewesen.
Erst später erkannte er, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und, dass sowohl Krankheiten als auch Unfälle zumeist unverschuldete Schicksalsschläge sind.

„Warum ich?“ – ist eine zentrale Frage, die sich Simon immer wieder stellt. Glauben Sie an eine gewisse Vorbestimmung im Leben?
Simon hat mir vermittelt, dass es im Leben Aufgaben gibt, Lernthemen, wenn man so will, die es zu meistern gilt bzw. an denen man wachsen kann. Ich glaube, es gibt keine Zufälle, vielleicht schicksalhafte Fügungen – aber am Ende zählt immer das, was man selber daraus macht.
Johanna Monitzer


 
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