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19.05.2019
News  
 

Trotz Behinderung mitten im Leben

Sie ist zwar erst an 18. Stelle auf der EU-Wahl-Liste der VP gereiht. Trotzdem stürzt sich Stephanie Pletzenauer mit Feuereifer in den Wahlkampf. Es sind aber nicht nur Sozialthemen, für die sich die Fieberbrunnerin einsetzt.

Fieberbrunn | „Ich will zeigen, dass die EU ganz nahe ist und sich nicht nur in Brüssel oder  Strassburg abspielt“, begründet Stephanie Pletzenauer, warum sie sich dazu entschieden hat, für die ÖVP auf der EU-Wahlliste zu kandidieren.

Die Politik bestimmt schon seit einigen Jahren das Leben der 27-jährigen Fieberbrunnerin, die sich nicht auf ihre Behinderung reduzieren lässt, sondern an vielem interessiert ist, wie beim Gespräch in ihrem Elternhaus im Fieberbrunner Lehen deutlich wird.

Bereits im Kleinkindalter werden Stephanie und ihre Eltern mit der Diagnose „Spinale Muskelatrophie“ konfrontiert. Es ist ein Leben im Rollstuhl, das auf das kleine Mädchen wartet. Doch davon ließ und lässt sich Stephanie nie bremsen. „Ich habe schon im Kindergarten gewusst, dass ich Richterin werden will.“ Und darauf hat sie  auch unermüdlich hingearbeitet. Ihre Eltern kämpfen dafür, dass Stephanie in der regulären Volksschule eingeschult wird und nicht die Sonderschule besuchen muss.

Die Matura hat sie an der Handelsakademie abgelegt, inzwischen hat sie ihr Jus-Studium fast abgeschlossen. „Ich habe von der Organisation „Selbstbestimmt Leben“ eine Assistenz, die mir hilft“, erzählt sie. Und auch ihr Rollstuhl, der alle Stückerln spielt, sorgt für ein großes Maß Selbstständigkeit.  

Weg in die Politik über Praktikum eingeschlagen

Der Weg in die Politik war eigentlich alles andere als vorgezeichnet. „Vor vier Jahren habe ich in der Gemeinde Fieberbrunn ein Praktikum absolviert. Ich habe zwar alle Abteilungen durchlaufen, es war aber vor allem das Bauamt, das mich besonders interessiert hat.“ Als sie  von Bürgermeister Walter Astner gefragt wird, ob sie im Gemeinderat mitarbeiten will, zögert sie nicht lange und nimmt an.

Sie ist zum einen Obfrau des Jugend- und Zukunftsausschusses, zum anderen arbeitet sie im Bau- und Raumordnungsausschuss mit. Und hier hat sie ihre Berufung gefunden, wie sie selbst sagt: „Ich nehme mir da auch kein Blatt vor den Mund. Ich ziehe meine klare Linie durch, auch wenn sie manchmal sehr umstritten ist!“  

Barrierefreiheit in Österreich noch ausbaufähig

Sie setze sich aber natürlich schon für die Behindertenarbeit auch ein.  „Aber ich glaube wir müssen ehrlich sein: Oft ist das bei uns ein Jammern auf hohem Niveau.“ Natürlich gäbe es vor allem im Bereich Barrierefreiheit Nachholbedarf. Das könne sie im Rahmen ihrer Arbeit in der Bezirksparteileitung aufzeigen, wenn diese z.B. in den jeweiligen Tagungsräumlichkeiten nicht gegeben ist. Doch es sei in anderen EU-Staaten oft weit schlechter als bei uns in Österreich. Pletzenauer besucht leidenschaftlich gerne Konzerte. „Und obwohl sogenannte Rollstuhlkarten verkauft werden, gibt es diese Plätze dann manchmal gar nicht“, ärgert sie sie sich. Hier müsse schon angesetzt werden. In der EU sind es eher die kleinen Dinge, die behinderten Menschen das Leben schwer machen. „Es hätte z.B. beim Verbot der Plastikstrohhalme ein Mitspracherecht gebraucht, die Alternativen sind z.B. für Menschen wie mich, völlig ungeeignet“, schildert die Fieberbrunnerin, die auch betont: „Ich bin ja kein Sozialfall. Zu leben wie alle anderen auch, ist mein Menschenrecht.“ Daher wolle sie sich in ihrer politischen Arbeit nicht nur auf die Behindertenfragen reduziert sehen.

Auch wenn Stephanie derzeit an ihrer Diplomarbeit schreibt, ist sie natürlich im Wahlkampf aktiv. Auch wenn sie nur an 18. Stelle gereiht ist, freut sie sich über jede Vorzugsstimme. Denn zutrauen würde sie sich diese Aufgabe sehr wohl. Noch wichtiger sei ihr aber, als Europagemeinderätin eine höhere Wahlbeteiligung im Bezirk, am 26. Mai 2019. Ihren Berufswunsch Richterin hat sie zugunsten der Politik zurück gestellt. „Dafür muss ich unparteiisch sein“, weiß Stephanie, die ihre nächsten Schritte definitiv in der Politik sieht. Vielleicht eines Tages wirklich in Brüssel. Margret Klausner

Bild: Derzeit schreibt Stephanie Pletzenauer ihre Diplomarbeit. Im Herbst will sie ihr Studium abgeschlossen haben. Ihre Zukunft sieht sie derzeit in der Politik. Vor allem die Raumordnung ist ihre große Leidenschaft. Foto: Klausner

Daten & Fakten

Stephanie Pletzenauer wurde am 16. März 1992 in Fieberbrunn geboren. Bereits im Kleinkind­alter wurde die Diagnose „Spinale Muskelatrophie“ gestellt. Nach dem Besuch der Volksschule sowie Hauptschule absolvierte Pletzenauer die Handelsakademie und begann nach der Matura an der Universität Innsbruck das Studium der Rechtswissenschaften, das sie im Herbst abschließt. Sie sitzt seit 2016 im Fieberbrunner Gemeinderat und ist überdies EU-Gemeinderätin. Außerdem ist sie u.a. Regionalobfrau der JVP im Pillerseetal sowie die Obfrau-Stellvertreterin der VP-Frauen und sitzt damit auch in der Bezirksparteileitung.

 
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