07.05.2018
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Steinbruch durch die Hintertür?

Um eine Lagerhalle errichten zu können, muss ein Hang gesichert werden. Anrainer befürchten nun, dass mit dem Gesteinsabbau die Tür für einen Steinbruch geöffnet wird.

Erpfendorf | Die Bäume sind gerodet, der Hang ist bereits abgegraben – die Anrainer im Gebiet Unterrain/Wenger Straße sind verunsichert. Vor Jahren sei hier schon einmal ein Steinbruch geplant gewesen, auch sei schon einmal gesprengt worden, erzählen Manfred Demon, Barbara Monitzer und Alois Pacher dem Kitzbüheler Anzeiger. Nun fürchten die Anrainer, dass neue Pläne kurz vor der Umsetzung stehen, denn der Bauunternehmer Johann Oberleitner, der sich im Ort auch als Gemeinderat engagiert, möchte auf seinem Grundstück eine zweite Lagerhalle errichten.

Auf Drängen der Anrainer standen die Verantwortlichen im Rahmen einer Informationsveranstaltung Rede und Antwort. Mehr als dreißig verunsicherte Bürger fanden sich zu dem Lokalaugenschein ein.

Instabiles Kalkgestein gefährdet die Sicherheit

Die Behörde schreibt dem Bauunternehmer die Sicherung des an das Grundstück angrenzenden Hanges vor. „Der rechtsgültige Bescheid von 2015 besagt, dass es dort instabiles Kalkgestein gibt und als Voraussetzung für die Erweiterung des Lagerplatzes wird vorgeschrieben, dass 8.000 m3 Stein abgetragen werden“, zitiert Amtsleiter Christopher Innerkofler aus den Bescheiden der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel.

„Von Steinbruch kann keine Rede sein“

Fakt sei, so Bürgermeister Gerhard Obermüller, dass die Bescheide alle rechtens sind.„Es ist aber in keinster Weise von einem Steinbruch die Rede“, betont der Bürgermeister.

Den Bau der Lagerhalle neben der Ache ermöglicht eine Widmung aus dem Jahr 1994. Die Auflagen für den Bau der neuen Lagerhalle sowie den Gesteinsabbau schreibt die Bezirkshauptmannschaft vor. „Wir als Gemeinde können nur als Vermittler tätig sein“, weist Amtsleiter Innerkofler hin.

10.000 m3 an Stein werden abgebaut

Der bauverantwortliche Geologe Thomas Zwack, MJP Ziviltechniker Gmbh, veranschaulicht die Maßnahmen. Er berichtet von zumindest 10.000 m3 Gestein, das abgetragen werden soll. „Vielleicht könnten es auch 11.000 m3 werden, wenn es die lokalen Umstände ergeben“, erklärt der Geologe und betont, dass es seine Aufgabe sei, dass alles rechtlich einwandfrei abgebaut und auch renaturiert werde. Die Maßnahmen müssen lt. Bescheiden bis 2021 abgeschlossen sein.

Kommt auch eine Brechanlage?

Der Großteil der gewonnenen Steine soll auf eine Deponie nach Kitzbühel geliefert werden. Bis zu 25 Prozent des Materials kommt auf dem regionalen Markt und der Rest könnte mit einer Brechanlage direkt vor Ort verarbeitet werden. „Für eine Brechanlage braucht es allerdings noch eine Genehmigung“, klärt Amtsleiter Innerkofler auf.

LKW-Verkehr, Staub, Sprengungen und vielleicht noch eine Brechanlage – Ausblicke, welche die Anrainer wenig freudig stimmen. „Die Genehmigung für die Brechanlage wird dann wohl auch kein Problem mehr sein“, kann sich ein Anrainer nicht mehr zurückhalten, bevor er verärgert die Informationsveranstaltung verlässt.

Arbeiten dürfen um 6 Uhr früh starten

Arbeiten am Hang dürfen laut Bescheid  wochentags von 6 bis 18 Uhr und samstags von 6 bis 12 Uhr verrichtet werden. Eine Touristikerin fürchtet um ihre Einnahmen: „Wer will im Urlaub schon Lärm, Dreck und Staub ab sechs Uhr früh?“

Anrainerin Barbara Monitzer weist auf den großen Gastank einer benachbarten Firma in unmittelbarer Nähe hin: „Wenn da bei der Sprengung etwas schiefgeht...“

Ist das erst der Anfang?

Die Anrainer befürchten auch, dass es bei dem einmaligen Abbau nicht bleiben wird. „Ein Stück weiter drüben am Berg wurden ebenfalls schon Bäume gerodet. Wer weiß, ob sie dann nicht dort einfach weitermachen? “, fragt sich Manfred Demon. Auch die Frage, warum so ein großer Aufwand betrieben wird, nur um eine Lagerhalle zu errichten, beschäftigt die Bürger. „Ich muss die Hangsicherung machen, weil sie vorgeschrieben wird“, rechtfertigt sich dazu Bauunternehmer Oberleitner.

Bürgermeister Obermüller will nun eine weitere Gesprächsrunde zwischen den Parteien einberufen. Die Bürger bereiten indessen eine Unterschriftenaktion gegen das Projekt vor und baten den örtlichen Tourismusverband um Unterstützung.
Johanna Monitzer

 
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