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03.05.2019
News  
 

„Stehe zu meiner Vergangenheit“

Die Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin Erika Pluhar  kommt am Mittwoch, 8. Mai, zu einer Lesung nach St. Johann. Im Interview erzählt die Romy-Preisträgerin, warum sie ein Buch über die unglückliche Kindheit ihrer Tochter schrieb, mit welchen Wort sie Lebensmühen überwunden hat und, dass sie Anti Aging für Unfug hält.

Frau Pluhar, warum haben Sie sich dazu entschieden, über die Kindheit Ihrer Tochter zu schreiben?
Es wurde viele Jahre nach ihrem Tod – meine Tochter starb vor 20 Jahren, 37-jährig – für mich eine plötzliche innere Notwendigkeit, diese Kindheit aus der Sicht des Kindes, des kleinen Mädchens zu beschreiben – wohl auch, um mich als Mutter, von ihr gesehen, genauer wahrzunehmen.
 
Es erfordert viel Selbstreflexion und Mut als Mutter zu sagen, meine Tochter hatte keine glückliche Kindheit – gab es auch negative Stimmen zum Buch?
Eigentlich nein. Eher schreiben mir Mütter über ihr eigenes Muttersein, und viele über ihre eigene Kindheit, wie die verlief. Diese Allgemein-Gültigkeit des persönlichen Erlebens nehme ich sehr gern zur Kenntnis.
 
Ich habe gelesen, dass Sie bei jedem Fest, bei jedem Konzert oder sonstigen Veranstaltung auf ihre Tochter anstoßen. Glauben Sie an ein Wiedersehen nach dem Tod?
In einem Lied von Herbert Grönemeier heißt es am Ende – er schrieb es nach dem Tod seiner Frau – : „Ich halte dich fest in meiner Seele – ich trag dich bei mir – bis der Vorhang fällt.“ So sehe und lebe ich das auch.
 
Sie wurden vor Kurzem mit dem Romy für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Wie blicken Sie zurück – würden Sie, wenn Sie könnten, einiges anders machen?
Ich stehe letztlich zu meiner Vergangenheit – privat und beruflich.
 
Man glaubt es kaum, Sie sind heuer 80 Jahre alt geworden. Was hält Sie jung?
Jugend ist keine Frage des Alters – das ist ein Zitat von mir selbst. Also wenn man einigermaßen bei Gesundheit ist – was da jung bleiben muss, ist das Nachdenken und die Neugier. Nicht vor dem Fernseher verkommen, sondern geistig wach bleiben. Alles, was Anti- Aging betrifft halte ich für Unfug.

Im Buch wird deutlich, dass auch eine viel bewunderte Frau wie Sie kein „Bilderbuch-Leben“ führt. Haben Sie einen Rat für Frauen, die auch in schwierigen Situationen sind?
Ich habe natürlich keinen „Rat“, denn jedes Leben folgt seinen eigenen unverwechselbaren Spuren – aber ich konnte mit dem Wort, mit dem Begriff “TROTZDEM” Lebenshürden überwinden.
Johanna Monitzer

Auf Einladung des Literaturvereins St. Johann liest Erika Pluhar aus „Anna. Eine Kindheit“ am Mittwoch, 8. Mai, um 19.30 Uhr in der Alten Gerberei in St. Johann. Informationen unter
www.literaturverein.at.

 
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