06.08.2018
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Staatsgrenze wird neu vermessen

In den Gemeinden Waidring und Kössen sind derzeit die Techniker des Bundesamtes für Vermessungswesen unterwegs, um die Staatsgrenze zu Deutschland nachzumessen bzw. zu kontrollieren.

Kössen, Waidring | Dass Thema „Grenze“ bzw. die wieder aktuellen Grenzkontrollen nach Deutschland u.a. in Schleching und Reit im Winkl sind wieder in aller Munde. Doch nicht nur über Bundesstraßen oder Autobahnen überschreitet man die Grenzen  nach Bayern, diese verlaufen natürlich auch über die Berge, durch Wälder und durch Felder. So mancher Wanderer z.B. auf der Steinplatte marschiert oft, ohne es überhaupt zu bemerkend, bereits auf deutschem Boden.

Derzeit fallen dem einen oder anderem Bergfreund aber ganz besondere Wanderer auf – diese sind nicht nur mit Rucksack ausgestattet, sondern haben so manche Vermessungsutensilien mit dabei. Dabei handelt es sich um ein Team des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen aus Wien, die derzeit dabei sind, die Staatsgrenzen neu nach zu messen.

Im Bezirk Kitzbühel betrifft das die Gemeinden Kössen und Waidring, deren Gemeindegebiete an unsere Nachbarn in Bayern auf einer Länge von rund 25 Kilometern angrenzen.
 
Dass es den „kleinen Grenzverkehr“ schon immer gegeben hat, zeigt u.a. auch der Schmugglerweg zwischen Kössen und Schleching. Aus den einstigen Feinden sind natürlich schon längst Freunde geworden, auch wenn Kössener bzw. Schlechinger und Reit im Winkler in unterschiedlichen Staaten daheim sind. In Waidring ist es vor allem das Skigebiet, dass die Gemeinde mit dem bayerischen Reit im Winkl verbindet. So mancher Skifahrer ist sich auf der Steinplatte gar nicht bewusst, dass er über die eine oder andere bayerische Piste flitzt.

Grenze 1844 fixiert

Der leitende Techniker vor Ort ist Werner Gaber – sein Schreibtisch steht eigentlich im Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen in Wien. Doch während der Sommermonate ist er mit zwei weiteren Mitarbeitern entlang der Staatsgrenze unterwegs. „Wenn man gerne in der Natur ist, ist das eine tolle Aufgabe“, erklärt Gaber, der bereits zum dritten Mal bei der Vermessung dabei ist und natürlich auch die Hintergründe genau kennt.

Im Jahr 1844 wurde im Rahmen eines Vertrages die Grenze zwischen Bayern und Tirol erstmals genau festgelegt und hat sich trotz aller geschichtlichen Vorkommnisse, z.B. die beiden Weltkriege, nicht geändert.

Die Grenze zu Bayern sei aber eine sehr alte, weiß Gaber. Der älteste Grenzstein, den sie gefunden haben, stammt aus dem Jahr 1555. In den 1960-Jahren wurde die Grenze dann erstmals wieder nachgemessen, damals allerdings noch nicht in Meter und Kilometer, sondern in „Wiener Klaftern“ (ca. 1,896 Meter) auf österreichischer Seite bzw. in „Bayerischen Ruten“ (ca. 2,219 Meter). „Erst sehr viel später, nämlich in den 1980-Jahren, wurde die Maßeinheit dann metrisch“, erklärt der Vermessungstechniker.

Alle zehn Jahre beginnen die Messtechniker neu mit der Messung. „Es dauert sieben Saisonen, bis wir z.B. in Tirol zwischen Waidring und Reutte fertig sind“, schildert der Techniker, dem die Aufgabe viel Freude bereite.

Grenzsteine sichtbar

„Wir schauen u.a., dass die Grenzsteine wieder alle sichtbar sind“, schildert der Wiener, der heuer das letzte Mal mit dabei ist. Auch Bäume, Sträucher und sonstige Pflanzen, die die Sichtbarkeit der Staatsgrenzen behindern, müssen beseitigt bzw. gestutzt werden. Die Österreicher arbeiten natürlich auch mit den deutschen Nachbarn zusammen und tauschen die  Daten untereinander aus.

Die Vermesser müssen vor allem gut zu Fuß sein, geht es doch quer über Stock und Stein, und auch mal über Bergfelsen. Wird es ganz schwierig, kann es sein, dass auch das Bundesheer zu Hilfe gerufen wird. Noch bis Ende August sind jedenfalls die Vermesser noch in den Bergen unterwegs. Margret Klausner

Bild: Der älteste Grenzstein, den die Techniker gefunden und restauriert haben, stammt aus dem Jahr 1555. Foto: BEV/Gaber

 
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