01.03.2019
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St. Johann kommt auf den Hund

Mit Information allein sieht die Gemeindeführung kein Weiterkommen mehr. Nun wird an einem Hunde-Gesamtkonzept gearbeitet, das mehr Leinenzwang, aber auch Hundefreilaufflächen enthalten soll.

St. Johann | „Wir haben Verordnungen und Regelungen, an die sich viele Hundehalter nicht halten. Die Situation ist letztes Jahr nach vielen Versuchen der Aufklärung und Aufrufen eskaliert. Landwirte und Betroffene sagen, so kann es nicht weitergehen“, veranschaulicht Bürgermeister Stefan Seiwald (VP) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Dorfchef spricht von lebensbedrohlichen Situationen und katastrophalen Zuständen auf den Feldern.
Im St. Johanner Gemeinderat erfolgte nun der Startschuss für ein Hunde-Gesamtkonzept, welches für alle Betroffenen Maßnahmen enthalten soll. Als erster Schritt wurde Anfang des Jahres die örtliche Bergwacht mit Kontrollen des Leinenzwangs beauftragt (siehe „Daten & Fakten“). „Wenn man mit den Hundehaltern spricht, sind es immer die anderen. Ich bin froh und dankbar, dass sich die Bergwacht dazu bereit erklärt, nun zu kontrollieren“, betont der Bürgermeister. Die Kontrollen lässt sich die Gemeinde 1.000 Euro im Monat kosten.

Leinenzwang entlang der Reither Ache

Mit der Ausweitung des Leinenzwangs auf das Gebiet entlang der Reither Ache setzte die Gemeindeführung in der jüngsten Sitzung den nächsten Schritt. Und es sollen auch noch weitere Leinenzwang-Zonen dazukommen: „Es handelt sich hier um Bereiche, wo verantwortungsbewusste Hundebesitzer ihren Vierbeiner sowieso an die Leine nehmen würden, da viele Spaziergänger mit Kindern unterwegs sind“, erklärt der Bürgermeister. Dass das gesamte Gemeindegebiet einem Leinenzwang unterworfen werden kann, ist seit 2006 rechtlich übrigens nicht mehr möglich. „Wegen ein paar wenigen schwarzen Schafen müssen alle Hundebesitzer wieder büßen. Wenn man im Dorf wohnt, dann braucht man eine halbe Stunde bis man irgendwo hinkommt, wo man Hunde laufen lassen kann“, sieht FPÖ GR Robert Wurzenrainer als einziger die Ausweitung des Leinenzwangs skeptisch. Der FPÖ Gemeinderat enthielt sich bei der Abstimmung.

Infrastruktur für Hundehalter geplant

Im Rahmen des Konzeptes soll für die Hundebesitzer aber auch Infrastruktur geschaffen werden. „Es muss Flächen geben, wo Hunde artgerecht auslaufen können. Mein Wunsch wäre, dass wir bis zum Frühjahr ein stimmiges Gesamtkonzept haben“, so der Bürgermeister.
Alle Ideen (und davon gibt es sehr viele, wie die erste Diskussion zeigte) zum Thema Hunde werden nun im Gemeindevorstand behandelt, bevor sie dem Gemeinderat erneut zur Abstimmung und Diskussion vorgelegt werden. Auch ein Grundstück für eine Hundefreilaufwiese hat die Gemeinde schon ins Auge gefasst. Johanna Monitzer

DATEN & FAKTEN

„Großteil führt Hund an Leine“

St. Johann | Seit 15. Jänner kontrolliert die St. Johanner Bergwacht an 50 Stunden im Monat den Leinenzwang in St. Johann. „Klar, treffen wir immer wieder Hundehalter an, die ihren Hund laufen lassen, aber das ist nicht die Masse. Der Großteil führt ihren Hund an der Leine“, zieht Josef Schwenter, Einsatzleiter der St. Johanner Bergwacht ein erstes Resümee über die Kontrollen. Besonders im Dorf werde die Leinenpflicht fast zu 100 Prozent umgesetzt.  

Anzeige an die BH

Die Mitglieder der Bergwacht sind nach dem Landespolizeigesetz autorisiert, bei Nicht-einhaltung des Leinenzwangs die Identität des Hundeführers festzustellen und Anzeige an die Bezirkshauptmannschaft zu erstatten. Die Strafen können sich bis auf 360 Euro belaufen. Wie viele Anzeigen bereits erfolgt sind, dazu möchte sich Schwenter nicht äußern. „Wir haben von der Gemeinde den Auftrag erhalten, zunächst ein wenig human zu sein“, veranschaulicht Schwenter.

Schwarze Schafe: nicht vorwiegend Touristen

Die Vermutung, dass vorwiegend Touristen ihre Vierbeiner nicht anleinen, kann Schwenter nicht bestätigen: „Nein, diese Theorie hat sich bislang nicht bestätigt, meist halten wir Einheimische an. Viele Touristen sind es von zu Hause aus gewohnt, ihre Hunde anzuleinen, da vielerorts strengere Vorschriften gelten als bei uns. Außerdem haben die Touristen Bedenken, dass ihr Hund in der fremden Umgebung davonlaufen könnte.“
Auch die Einhaltung der Kotentfernungspflicht obliegt der Kontrolle der Bergwacht. „Bislang haben wir noch keinen Hundebesitzer auf frischer Tat ertappt – aber dafür bräuchte man wahrscheinlich 100 Mann die rund um die Uhr im Einsatz sind.“

Die Hundehalter reagieren freundlich

Generell reagieren die Hundehalter auf die Kontrollen der Bergwacht freundlich, wie Schwenter berichtet:  „Wir machen höflich auf den Leinenzwang aufmerksam. Die Hundehalter begegneten uns bislang allesamt verständnisvoll.“ jomo

Bild: Unter den Hundehaltern gibt es immer wieder schwarze Schafe, die sich nicht an die Verordnungen der Gemeinde halten. St. Johann geht nun in die offensive und plant Maßnahme für alle Betroffenen.  Symbolfoto: Holzknecht/Pixelio.de

 
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