30.07.2017
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Sportgeschichte geschrieben

Seine Erfolge als vielseitiger Leistungssportler machen ihn zu einem der großen Sportler Kitzbühels.
Kitzbühel  | Welcher heimische Sportler trug als Erster die österreichische Fahne bei einem internationalern Sportereignis?  Wer weiß noch, dass fünf Kitzbüheler Sportler aktiv bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina dabei waren?  Wer wurde 1966 als bester Skilehrer Amerikas ausgezeichnet?
Wer sich mit dem vor allem vom Sport geprägten Lebenslauf von Konrad Staudinger beschäftigt, erfährt Ungewöhnliches, das in der Kitzbüheler Sportgeschichtsschreibung und ihren endlosen Wiederholungen nicht aufgezeichnet ist. Das hängt aber auch mit der Bescheidenheit von Staudinger zusammen, der durch 50 Jahre  die Wintermonate als Skilehrer im Modewintersportort Sun Valley verbrachte, zuletzt lange als Stellvertreter des Kitzbühelers Siegfried Engel, der ihn 1958 dorthin geholt hat.

Die erste KinderTennisschule Österreichs

Im Jahr 1966 gründete Staudinger, im Sommer Tennislehrer in der Heimatstadt und zweimal in Wien, die erste Kinder-Tennisschule Österreichs in Kitzbühel, die er mit 70 Jahren abgab.

Staudinger war 1953 Stadtmeister im Tennis (Einzel und im Doppel mit Christian Pravda), herausragende Erfolge in dieser Sportart waren der 3. Platz mit dem Wiener Herzig bei der internationalen Tennislehrermeisterschaft in Bad Ems und  bei der österreichischen Meisterschaft in Wien – beides 1966 – mit dem 3. Rang im Einzel und dem zweiten Platz (mit Franz Maier) im Doppel. Mit Gustav Specht wurde er fünfmal Meister.

Erfolgreich im Eishockey ...

International erfolgreich war Staudinger als Eishockeyspieler. Er gehörte bei 33 Spielen der Nationalmannschaft an, war bei der Eröffnung der Weltmeisterschaft 1953 in Zürich Fahnenträger und 1957 in Moskau dabei. Damals erreichte auch der Kitzbüheler Eishockeyklub seine größten Erfolge – allein im Winter 1955/56 wurden in 21 Spielen 17 Siege errungen – und bot im Finale dem EK Engelmann  Paroli. Das Gesamttorverhältnis entschied für die Wiener.

Der zweite Kitzbüheler im Team war Wolfgang (Wof) Jöchl. Der Wiener Dr. Franz Potucek war einer der Gastspieler in Kitzbühel, der ebenfalls in Cortina einberufen wurde. Ein Unentschieden gegen Gastgeber Italien war der größte Erfolg.

Beim triumphalen Empfang von Toni Sailer in der Heimatstadt standen neben Anderl Molterer und Ernst Hinterseer auch Wof Jöchl und Konrad Staudinger auf der Tribüne, auch beim Empfang des Bundespräsidenten und beim Triumphzug in Wien waren sie dabei.

... im Fußball und Golf

Ungewöhnliche sportliche Erfolge  hatte der kleine Kitzbüheler vorher schon in der Tiroler Fußballauswahl und zuletzt im Golf als Mitglied der Seniorenauswahl in Portugal. Sein bestes Handicap war immerhin 8.

Immer verbunden blieb Staudinger dem Skisport. Seine Jugend fiel in die Kriegszeit, in der Skibewerbe wenig Bedeutung hatten und der Nachwuchs nur im lokalen Bereich eingesetzt werden konnte. Bald nach dem Krieg sattelte er auf das Skilehrwesen um. Sepp Sailer lud ihn in die Skischule ein, 1951 legte er die Prüfung ab, aber 1958 nahm er die Einladung von Siegi Engel an und wurde ein Tiroler Skibotschafter im Hollywood-Skiort Sun Valley. Mit dabei waren Hermann Primus, Peter Erler und Christian Pravda.

In der besten Zeit wirkten 16 Kitzbüheler in Sun Valley, allerdings nicht alle in der Skischule, sondern auch in den verschiedenen Betrieben, in denen sich Nathalie Wood, Robert Wagner, Johne Wayne oder Gene Kelly einfanden. Als die Verschwisterung von Kitzbühel und Sun Valley vor 50 Jahren gefeiert wurde, traten die Sun-Valley-Kitzbüheler als Cowboys auf. Stolz ist Staudinger darauf, dass er der sechsjährigen Mikaela Shiffrin, inzwischen ein Weltstar, den ersten Skiunterricht gab.

Der sportliche Weg Konrad Staudingers war nicht vorgezeichnet. Er kam als Sohn einer Kitzbühelerin und eines als Amateurfußballers beim FC Wacker tätigen Ellbögeners in Innsbruck zur Welt und übersiedelte mit einem halben Jahr zur Großmutter in die Knappengasse.

Kriegsheimkehrer mit fast 18 Jahren

Mitten im Krieg begann er eine Friseurlehre bei Viktor Dapont und musste sich bei anderen Betrieben durchschlagen, nachdem der Lehrherr politischer Willkür zum Opfer fiel. Im Jänner 1945 wurde er Soldat bei den Gebirgsjägern im damaligen Jugoslawien, kehrte – noch nicht 18 Jahre alt -  heil, aber gezeichnet vom Erlebten, im Frühsommer 1945 in die Heimat zurück. Er fand Verwendung als Friseur und Sportlehrer der Familien der französischen Besatzung, bis er in die Skischule berufen wurde.

Einige Zeit gehörte Konrad Staudinger auch zu den Schuhplattlern und Sängern der Kitzbüheler Nationalsänger und machte Tourneen mit.

Sportler auch im Alter

Mit Skifreunden in Amerika ist Staudinger noch immer verbunden, wenn auch die Aufenthalte kürzer werden. Freude hat er mit seinen drei Kindern aus der Ehe mit der früh verstorbenen Jutta geb. Semmelrock, betreut wird er von seiner umsichtigen Freundin Hanni. Mit nun 90 Jahren ist der „Konni“ ungewöhnlich fit, was er wesentlich darauf zurückführt, dass er nie geraucht hat, wenig Alkohol und viel Wasser trinkt und in den eisfreien Monaten – also vom Frühjahr bis in den  Herbst – täglich in der Früh im Schwarzsee schwimmt.

Selbstverständlich ist er in der Innenstadt täglich unterwegs und ein geschätzter Gesprächspartner, weil er sich Optimismus, Bescheidenheit und Zufriedenheit bewahrt hat. Das möge lange so bleiben. H.W.

Bild: Konrad Staudinger, ein sportliches Ausnahmetalent, schrieb Sportgeschichte. Foto: Nessizius

 
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