19.03.2020
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Spital ist auf Corona vorbereitet

Nicht nur in den Bezirkskrankenhäuser hält der Coronavirus Ärzte und Pflegepersonal auf Trab. Das Land Tirol schnürt täglich neue Maßnahmenpakete.

St. Johann | Alles zu tun, um zu verhindern, dass das System an seine Grenzen gerät oder zusammenbricht – im Bezirkskrankenhaus St. Johann kämpft das gesamte Team seit Tagen darum, dass zu jeder Zeit nicht nur die Corona-Patienten die perfekte Betreuung erhalten, sondern auch Notfallpatienten die beste Behandlung bekommen. Wie in anderen Krankenhäusern in Tirol haben auch die Verantwortlichen in St. Johann zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor dem Virus gesetzt.

Bereits seit Ende vergangener Woche gilt im Haus ein generelles Besuchsverbot. „Es geht dabei nicht nur um die Gesundheit aller Patienten, sondern um die Sicherheit der Mitarbeiter im Krankenhaus, die dringend für die Versorgung der Patienten gebraucht werden”, bittet der Ärztliche Direktor Primar Norbert Kaiser um Verständnis. Ein eigens installiertes Zugangs-Leitsystem hilft über die Maßnahmen zu informieren und Zutritte in das Spital auf das nötigste Maß zu reduzieren. Der Zugang ist nur mehr über den Haupteingang möglich. „Jeder vermeidbare Kontakt kann zu einer Entspannung der Situation beitragen, vor allem aber dient er zum Schutz aller Personen im Krankenhaus”, erklären Oberärztin Margareth Kettner und Lucas Thummer von der Hygiene­abteilung. Als weitere Vorsichtsmaßnahme werden nur noch dringliche Operationen durchgeführt, planbare und nicht notwendige Operationen bis auf Weiteres verschoben. Für den Fall von bestätigten Erkrankungen ist das Haus ebenfalls vorbereitet: einzelne Zimmer können isoliert werden, eine eigene Isolierstation wurde eingerichtet.
„So wie in den Spitälern müssen auch in den Ordinationen alle nicht zwingend notwendigen Patientenkontakte soweit wie möglich reduziert werden“, klärt Artur Wechselberger, Präsident der Ärztekammer für Tirol auf. Er appelliert daher an die Patienten nicht dringende Termine zu verschieben.

100 Betten in der Pflegeschule vorbereitet
Auch das Land Tirol schnürt derzeit nahezu täglich neue Maßnahmenkataloge. Über 1.300 Betten stehen für dringliche Fälle an Tirols Spitälern ab sofort zur Verfügung. „Diese zusätzliche Versorgungsstruktur dient als Ergänzung zu den bestehenden Spitälern und soll jene aufnehmen, die am Corona­virus erkrankt sind, aber keiner Spitalsbetreuung bedürfen“, erklärte LR Bernhard Tilg. Das Krankenhaus St. Johann bereitete in der Krankenpflegeschule 100 Plätze vor, überdies stehen für den Bezirk Kitzbühel weitere 120 Plätze einer Gesundheitseinrichtung zur Verfügung.
Seit inzwischen acht Jahren betreibt Hannes Lechner seine Hausarztpraxis in St. Ulrich. Auch für ihn und seine Mitarbeiter ist der Corona-Ausbruch eine große Herausforderung. „In den Warteraum lassen wir nur noch acht Personen rein“, schildert der Arzt. Überdies gibt es ein dreiteiliges Schleusensystem. Die Türen der Praxis sind verschlossen, die Patienten müssen läuten und werden nur noch einzeln eingelassen.

Arzt kritisiert fehlende Info in Fremdsprachen
„Beim geringstem Verdacht einer Corona-Infektion bitten wir die Patienten unsere Praxis nicht zu betreten und die Hotlines anzurufen. Sie werden dann von einem Spezialteam zu Hause besucht und getestet. Ein diesbezügliches Schreiben klebt vor dem Eingangsbereich. Nicht jeder liest es, obwohl es mit einem roten Stopp betitelt“,  betont Lechner.
Er kritisiert jedoch, dass es das Informationsmaterial leider nur in deutscher Sprache gibt. „Bei uns leben ja auch viele Slowaken oder auch Ungarn, die nicht sehr gut Deutsch können und das daher auch nicht verstehen“, wünscht sich Lechner die Informationen in mehreren Sprachen.
In seiner Praxis werden derzeit übrigens nur Notfälle behandelt, alles andere wird bis nach Ostern verschoben. Natürlich sei die Stimmung auch unter seinen Patienten panisch, er selber versucht sich so gut als möglich zu schützen, um für seine Patienten da sein zu können.

Blumen für das AWH
Ein Besuchsverbot gibt es in den Altenwohnheimen des Bezirks. In Kitzbühel wurde auch das Tagesseniorenzentrum geschlossen, wie Geschäftsführer Wolfgang Zeileis informiert: Das Besuchsverbot werde von allen sehr gut akzeptiert, Bewohnern wie Angehörigen. Die Kurz- und Übergangspflege laufe natürlich weiter, betont er. Besonders danken will Zeileis übrigens auch der Kitzbüheler Wirtschaft: „Wir haben u.a. Blumen von jenen bekommen, die derzeit ihre Geschäfte schließen müssen.“ Margret Klausner

Im Bezirkskrankenhaus St. Johann wurde ein eigenes  Zugangs-Leitsystem installiert. Foto: BKH/Hygiene

 
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