05.12.2016
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„Skibetrieb ist Wohlstandsbringer“

Größer, moderner, komfortabler – die großen Skigebiete investieren jedes Jahr Millionen in ihre Infrastruktur. Davon können die kleinen Skigebiete nur träumen. Seit 1. Oktober leitet Harald Günther die Geschicke der Bergbahn Pillersee. Mit dem Kitzbüheler Anzeiger sprach er über die Herausforderung, ein kleines, aber feines Skigebiet zu betreiben.

St. Ulrich | Der Wettlauf um die ersten geöffneten Pisten fängt immer früher an. Vor allem die Kitzbüheler legen durch diverse Innovationen, wie Snowfarming, die Latte hoch. Kann und will man als kleines Skigebiet da noch mithalten?
Hier kann und muss man sicher nicht überall mithalten. Das Snowfarming ist z.B. aber auch für uns ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen, um den Saisonstart abzusichern. Der Kosten-Nutzen-Faktor, Schnee über den Sommer hinweg zu konservieren, würde für sich sprechen.

Welche Herausforderungen gilt es für die Bergbahn Pillersee in Zukunft zu meistern?
Die größte Herausforderung ist die Schneesicherheit zu gewährleisten. Der Ausbau der Beschneiungsanlage ist dringend notwendig, denn unser Speicherteich ist mit 11.000 Kubikmetern zu klein. Wir sprechen hier von einer Gesamtinvestitionssumme von mindestens drei Millionen Euro, um die Beschneiung abzusichern. Ein finanzielles Großprojekt für uns.

Viele Skigebiete bündeln ihre Kräfte und schließen sich zusammen. Wäre das auch ein denkbarer Weg für die Bergbahn Pillersee?
Schwieriges Thema. Es gibt viele Beispiele, wo ein Zusammenschluss funktioniert. Wo es pistentechnisch möglich ist, macht es auf alle Fälle Sinn und ist auch von Erfolg gekrönt. Bestes Beispiel ist der Zusammenschluss von Fieberbrunn mit dem Skicircus. Da die Buchensteinwand aber ein isolierter Berg ist, ist ein Zusammenschluss schwierig. Denkbar wäre aber vieles.

Die Zahlen der Bergbahn Pillersee sprechen eine deutliche Sprache. Der Sommer ist mittlerweile lukrativer, als der Winter. Will man hier gegensteuern?
Für uns ist der Winter entscheidend. Die Bergbahn Pillersee ist ein Familienunternehmen, das auch Sportgeschäfte und Gastronomiebetriebe betreibt, welche direkt vom Skibetrieb abhängig sind. Der ursprüngliche Gedanke meines Vaters war, als er die Mehrheit der Anteile bei der Bergbahn im Jahr 2001 nach wirtschaftlichen Problemen übernahm, den Skibetrieb abzusichern.

Als kleines Skigebiet hat man nur die Chance zu überleben, wenn man sich spezialisiert. Wir richten den Fokus auf Familien und Anfänger. Außerdem bieten wir Skiteams beste Möglichkeiten zum Trainieren an. Wir verfügen über eine ständige Rennstrecke und einen Slalomhang mit FIS-Homologation.

Hat man sich auch schon einmal darüber Gedanken gemacht, den Skibetrieb einzustellen?
Den Skibetrieb einzustellen wäre für mich die allerletzte Option. Über eine Verkleinerung haben wir uns Gedanken gemacht. Wir hoffen jedoch,  dass wir diesen Schritt nie setzen müssen. Ich hoffe diesbezüglich auch auf die Unterstützung der Gemeinden und des Tourismusverbandes, um den gewohnten Skibetrieb auf der Buchensteinwand aufrecht erhalten zu können.

In welchem Zusammenhang steht der Rückgang der Nächtigungen in St. Ulrich mit dem Erfolg bzw. Misserfolg der Bergbahn?
Wir sind noch „besser versteckt“ als das Fieberbrunner Skigebiet und aufgrund der Lage für den Tagesskigast nicht besonders attraktiv. Wir sind abhängig von den Vermietern rund um unseren Skiberg. Weniger Nächtigungen bedeutet für uns weniger Skigäste. Das lässt sich beinahe 1:1 umlegen.

Und die Einheimischen? Weiß der einheimische Skifahrer das kleine, aber feine Skigebiet direkt vor der Haustüre überhaupt noch zu schätzen?
Ja, die Einheimischen schätzen uns sehr. Wir machen rund 10 Prozent vom Umsatz mit den Saisonkarten. Der Anteil der einheimischen Skifahrer, vor allem bei den Kindern und Familien, ist sehr groß.

Sollte es kleine Skigebiete, wie die Buchensteinwand, nicht mehr geben, was bedeutet das für die Region und den Tourismus?
Am Skibetrieb direkt hängen 140 Arbeitsplätze. Statistiken sagen, dass indirekt aber die sechsfache Anzahl von Arbeitsplätzen an dem Skibetrieb hängt. Neben dem Wegfall der Arbeitsplätze, würde sich die Preisspirale bei den Übernachtungen weiter nach unten bewegen. Die Vermieter wären dann die „Reservebetten“ für Fieberbrunn oder St. Johann bzw. für den besonders preisbewussten Gast.

Ein Skibetrieb ist sicher das beste Mittel, das die Gemeinde und die Öffentlichkeit hat, um den Wohlstand, den wir uns erarbeitet haben, zu verteilen – so hat es Seilbahner-Obmann Franz Hörl einmal formuliert. Der Skitourismus ist nach wie vor der Wohlstandsbringer für die Region und sichert Arbeitsplätze.
Johanna Monitzer

 
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