27.11.2020
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„Sind komplett ausgebrannt“

Mit einem verzweifelten Appell wenden sich Kitzbühels Betriebsrätinnen und -räte aus dem Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich an die Politik: Die psychischen Belastungen sind nicht mehr tragbar, die Corona-Krise hat die Situation deutlich verschärft, das stundenlange Tragen der MNS-Masken hinterlässt deutliche Spuren.

Bezirk | Gefordert werden unter anderem Masken-Pausen sowie eine Neuauflage der Corona-Zulage. Übergeordnete Ziele bleiben die Attraktivierung des Berufs, die längst überfällige Aufstockung des Personals sowie eine Arbeitszeitverkürzung.
Margit Luxner, Betriebsratsvorsitzende in einem Kitzbüheler Altenpflegeheim und Vorsitzende des Wirtschaftsbereichs Gesundheit und Soziales in der GPA-djp Tirol, gibt einen Einblick in den derzeit herrschenden Arbeitsalltag: „Das durchgehende Tragen des Mund-Nasen-Schutzes während neun oder zehn Stunden ist ein Horror. Wir haben offene Stellen hinter den Ohren und an der Nase, wir wollen endlich atmen können!“ Sie will für ihre Kolleg­Innen die Sicherheit erreichen, dass „jede/r kurz durchatmen gehen darf, wenn es eben notwendig ist.“

Schutz der zu Pflegenden als enorme Verantwortung
Noch schlimmer seien allerdings die psychischen Belastungen: „Wir alle haben große Angst, das Virus in‘s Heim zu tragen. Wir haben Familien, eine hundertprozentige Sicherheit kann niemand der Beschäftigten garantieren. Mit dieser riesigen Verantwortung werden wir komplett allein gelassen. Dienstbesprechungen und Supervisionen werden aus Sicherheitsgründen abgesagt, allerdings wäre der Austausch für uns gerade jetzt sehr wichtig. Auch die Freizeitgestaltung als so wesentlicher Ausgleich zum psychisch herausfordernden Arbeitsalltag fehlt komplett. Wir wissen nicht mehr, wie wir mit unseren Emotionen umgehen sollen!“ Sie geht davon aus, dass die Auswirkungen der jetzigen Situation in vollem Ausmaß erst nach überstandener Krise offenbar werden: „Ich befürchte, dass danach viele den Job hinschmeißen, in Frühpension gehen oder Stunden reduzieren. Wir alle machen unsere Arbeit eigentlich gerne, aber wenn man so ausgebrannt ist wie jetzt, geht eigentlich nichts mehr.“

Betriebsräte als Krisenmanager
Gewerkschaftssekretär Ralf Wiestner (GPA-djp Tirol) betont die derzeitige Doppelbelastung für BelegschaftsvertreterInnen: „Die BetriebsrätInnen gehen nicht nur ihrer täglichen Arbeit nach, sondern kümmern sich zusätzlich um ihre KollegInnen, sind ihr Sprachrohr zur Geschäftsleitung und lösen Probleme bravourös. Damit beweisen sie sich einmal mehr als erstklassige KrisenmanagerInnen. Wir können uns als Gewerkschaft auf die BetriebsrätInnen verlassen, das gilt selbstverständlich auch umgekehrt. Ein großes Danke an sie für ihren unermüdlichen Einsatz!“

Bild: Margit Luxner. Foto: ÖGB

 
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