13.03.2017
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Schritt für Schritt zum Erfolg

Zehn Tage lang lautete das Motto „Kitzbühel goes China“. Kitzbühel Tourismus und die Bergbahn AG Kitzbühel waren auf Werbetournee für die Gamsstadt im Land der Mitte.

Kitzbühel | China ist der aufstrebende Markt. Die Volksrepublik ist mittlerweile der wichtigste Handelspartner von Deutschland. Aber auch touristisch ist der Markt vielversprechend. Derzeit werden in China 15,1 Millionen Menschen mit dem Skisport in Verbindung gebracht. Bis zur Austragung der olympischen Winterspiele im Jahr 2022 will man in China die Zahl der Wintersportinteressierten auf 300 Millionen Menschen steigern.

Vom 14. bis 24. Februar bereiste eine Kitzbüheler Delegation das Reich der Mitte, um in China Werbung für die Gamsstadt als Urlaubsdestination zu machen. Neben der Hauptstadt Peking standen auch die Wintersportorte Genting, Jilin und Beidahu auf dem Reiseplan der Kitzbüheler. Während der zehn Tage wurden zahlreiche Gespräche mit Reiseveranstaltern und Verantwortlichen aus den diversen Skigebieten geführt.

Im Gespräch mit dem Kitzbüheler Anzeiger zieht Dr. Brigitte Schlögl, Direktorin von Kitzbühel Tourismus, Bilanz über die Reise.
 
Wie bekannt sind europäische Skiorte in China und welche Position nimmt Kitzbühel ein?
Hier müssen wir eindeutig umdenken, denn in China kennt man Kitzbühel nicht. So sehr Kitzbühel in Europa und Nordamerika eine Marke ist, sind es in China nur sehr wenige Menschen, die mit dem Namen Kitzbühel etwas anfangen können. Auch das Hahnenkammrennen ist in der Volksrepublik nicht bekannt. Wir müssen bei der Bewerbung des chinesischen Marktes ziemlich von vorne anfangen.
 
Welche Strategien wollen Sie einsetzen, um Kitzbühel in China bekannt zu machen?
Also riesige Werbekampagnen in den chinesischen Großstädten wie Peking, Shanghai oder Shenyang würden nicht viel bringen. Durch die tolle Arbeit der Bergbahn AG Kitzbühel und das Memorandum of Understanding zwischen Kitzski und der chinesischen Vanke Group, haben wir aber eine sehr gute Basis, um die Zusammenarbeit mit der Vanke Group zu intensivieren und für uns touristisch zu nutzen. Zudem wollen wir mit Reiseveranstaltern und Journalisten die Zusammenarbeit starten, um Kitzbühel in China bekannt zu machen. Dabei können wir auch auf die Hilfe und Unterstützung der Österreich Werbung in China zählen, die uns dabei helfen wird, weitere Reiseveranstalter kennenzulernen bzw. zu kontaktieren. Wir versuchen alle Kanäle anzuzapfen, um möglichst zielgerichtet und effektiv Werbung für Kitzbühel machen zu können. (Anm. die Vanke Group beschäftigt weltweit 100.000 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar).
 
Ähnlich wie in Europa sind auch in China die Wintersportler in Ski Clubs organisiert. Sehen Sie auch hier ein Potential für eine Bewerbung Kitzbühels?
Natürlich werden wir auch in dieser Richtung Kitzbühel aktiv bewerben. Der direkte Weg wird auch hier der unsere sein: Die Skiclubs werden direkt angesprochen. So hoffen wir, einen Teil der insgesamt 15,1 Millionen Skifahrer über die Clubs ansprechen zu können.
 
Gibt es schon erste, konkrete Pläne für die Bewerbung Kitzbühels?
Ja, wir sind schon dabei, die erste Aktion zu starten. In Jilin (in Nordosten der Volksrepublik) haben wir die Möglichkeit, in einem Skiresort der Vanke Group Werbung für Kitzbühel zu machen. In der kommenden Wintersaison werden unsere neuen chinesischen Broschüren von Kitzbühel Tourismus in den Hotelzimmern aufgelegt. Zudem wird im hoteleigenen Fernsehkanal der Kitzbühel-Spot gezeigt. Außerdem planen wir, mit Plakaten im Hotelfoyer Werbung für Kitzbühel zu machen. Mittelfristig plant die Vanke Group den Bau eines neues Skiresorts im Hinblick auf die olympischen Spiele 2022. Bis dahin wollen wir natürlich auch unsere Kooperation verstärken, um auch bei den Winterspielen die Gamsstadt bewerben zu können. Aber das ist eindeutig Zukunftsmusik. Jetzt heißt es: ein Schritt nach dem anderen.
 
Nicht nur Kitzbühel wirbt um die Gunst des chinesischen Gastes. Wie wollen Sie die Gamsstadt als Urlaubsdestination schmackhaft machen?
Die Chinesen wollen sich bewegen und sportlich sein, aber nicht allzuweit weg von einer Stadt. Ihnen ist das Shopping-Erlebnis mindestens genauso wichtig. Hier kann Kitzbühel punkten. Das urbane Gebiet mit tollen Geschäften, dazu noch das große Skigebiet. Ein großes Plus für uns ist auch die lange Saison. Aber auch die leichte Erreichbarkeit spricht für Kitzbühel. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist auch die Qualität der Kitzbüheler Hotellerie. Mit einem Anteil von mehr als 43 Prozent im 4 und 5 Sterne Bereich sprechen wir genau jene chinesische Bevölkerungsschicht an, die aus Prestigegründen den Winter­urlaub in Europa verbringt.
 
Facebook, Instagram & Co sind in China nicht populär. Welche Plattform wollen Sie für die Kommunikation nutzen?
Wir werden in China auf das Format WeChat setzen. Das ist DIE Kommunikationsplattform in der Volksrepublik. Hier informieren sich die Chinesen, hier chatten sie, hier verschicken sie Bilder, Videos, schreiben Blogs. Zudem wird WeChat auch für den Datenaustausch genutzt. Mit dieser Plattform kann man aber auch bezahlen oder seinen Account für die Idendifikation nutzen.
 
Ist Kitzbühel für die Chinesen nur im Winter interessant?
Nein, ganz und gar nicht. Ich denke, dass wir auch sehr gute Chancen haben, den Kitzbüheler Sommer am chinesischen Markt optimal zu positionieren und Gäste zugewinnen.
 
Wie schätzen Sie die Mitbewerber am chinesischen Markt ein?
Unsere Mitbewerber zu beurteilen ist für mich schwer. Ich denke aber, dass der Boden bereits aufbereitet ist, denn zu den Top-Destinationen in Europa gehören Wien, Salzburg und Innsbruck. Man darf aber eines nicht vergessen: Die Schweiz mit Interlaken, Zermatt sowie z.B. das Skiresort Vail sind schon viel länger am chinesischen Markt aktiv und auch bekannt.
 
Wie groß ist das Markt­potential in China?
Es gibt 1,4 Milliarden Chinesen, davon haben im Jahr 2015 120 Millionen Menschen eine Auslandsreise gemacht. Hier sind auch die „kleineren“ Grenzübertritte eingerechnet. Für uns interessant ist, dass 13 Millionen der Reisen nach Europa gingen und hier ist der Trend stark steigend. Von 2014 und 2015 gab es eine Steigerung von 40 Prozent. Der chinesische Markt hat also großes Potential.
 
Der Trend für Wintersport ist in China stark am Wachsen. Wie schauen die generellen Entwicklungen hier aus?
Die Zahl der Skiresorts wächst stetig. Allein im Jahr 2016 wurden 78 neue Skiresorts eröffnet. China verfügt jetzt über 646 Skigebiete, wobei man diese mit den europäischen nicht vergleichen kann. Die Resorts sind relativ klein, vier bis acht Liftanlagen werden in einem Skigebiet angeboten. Es gibt aber auch einige, die nur über einen Lift verfügen. Mehr als die Hälfte der chinesischen Wintersportler bevorzugen das Snowboard. Grundsätzlich sind die Wachstumsraten im Wintersportbereich  überall im zweistelligen Prozentbereich.
 
Wann darf man in Kitzbühel mit den ersten Gästen aus der Volksrepublik rechnen?
Wir haben ja bereits Gäste aus China. Von November bis Jänner konnten wir in diesem Winter 635 Nächtigungen verbuchen. Damit liegt China vor Bulgarien, Lettland, Litauen, Finnland oder Japan. Aber man darf sich die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Wir müssen den chinesischen Markt Schritt für Schritt erobern.  Dafür haben wir ein attraktives Angebot mit einem tollen Skigebiet, einer leicht erreichbaren Lage und einer sehr guten Qualität.
 
Andere Länder, andere Sitten. Werden die heimischen Tourismusbetriebe seitens Kitzbühel Tourismus auf die neuen Gäste vorbereitet?
Das ist einer unserer nächsten Schritte. Wir werden bei den Betrieben nachfragen, wer sich auf diesen Markt spezialisieren will. Ich habe den Eindruck, dass der chinesische Gast aber auch für alles offen ist. Das hat sich uns gezeigt, mit welchem Genuss im Paulaner in Peking die Schweinsstelze verspeist wurde. Aber es wird auch Bereiche geben, wo sich die Vermieter bemühen müssen. So trinken die Chinesen vor und zum Teil auch zum Essen heißes Wasser.
 
In China ist es üblich, dass im Resort alles vereint ist. Wie wird der Gast auf die Gegebenheiten in Kitzbühel informiert?
Meinen Empfindungen nach muss in erster Linie die Qualität stimmen und der Gast muss sich wohlfühlen. Es zählt, dass der Gast die Gegebenheiten genießen kann und hier ist auch gutes Essen wichtig. Wie überhaupt für Chinesen das Essen eine wichtige Rolle spielt. Sollte der chinesische Gast ein Dienstleistungsangebot (also all inklusive) wie in China wünschen, werden sich unsere Betriebe darauf einstellen und auch entsprechende Pakete schnüren.
 
Sie haben während Ihres Aufenthaltes in China auch Gespräche mit Journalisten geführt. Woran waren diese besonders interessiert?
Grundsätzlich wollte man wissen, wie sich Kitzbühel von anderen Skigebieten unterscheidet und was der USP (Anm. Alleinstellungsmerkmal) ist. Das Interesse war aber auch auf die Seilbahnen gerichtet und hier konnten wir mit den Bildern der 3S punkten.
 
Für die China-Reise wurde ja eine eigene Broschüre auf Chinesisch produziert. Wie gut kam der Imagefolder an?
Damit haben wir eine Punktlandung hingelegt. Vor allem die Bilder von unserer weißen Winterlandschaft, dem Hahnenkammrennen und den Einkaufsmöglichkeiten kamen sehr gut an. Die Hingucker schlechthin sind die 3S und ein Bild vom Zielgelände während des Hahnenkammrennens. Denn alles, was außergewöhnlich ist, erregt in China große Aufmerksamkeit.
 
Was hat Ihnen am besten an China gefallen und auf welches Erlebnis könnten Sie verzichten?
Besonders gut gefallen hat mir die herzliche und große Gastfreundschaft. Natürlich war es auch beeindruckend, auf der chinesischen Mauer zu stehen. Verzichten könnte ich auf die teilweise unsicheren Verkehrsmittel und die Staus. Aber gut, in einer Stadt wie Peking, wo 23 Millionen Menschen leben, ist dies wohl unvermeidlich.

Das Gespräch führte
Elisabeth M. Pöll

 
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