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22.06.2019
News  
 

Schließung des Heimes am Bürglkopf gefordert

Seit letzter Woche überschlagen sich die Ereignisse rund um das Rückkehrerzentrum am Bürglkopf in Fieberbrunn: Hungerstreik, Demonstrationen und Unterschriftenaktionen. Auch lokale Politiker fordern die Schließung.

Fieberbrunn | „Abschiebung ist Mord, schließt das Heim am Bürglkopf sofort“ – rund 100 Menschen sprachen sich am Samstagnachmittag im Rahmen einer Kundgebung lautstark für die Schließung der Rückkehrereinrichtung aus. Darunter auch die Kirchberger LA Claudia Hagsteiner  (SPÖ) und Vertreter der Grünen aus dem Bezirk. „Die Zustände, welche am Bürglkopf nun herrschen sind nicht menschlich. Die Menschen sind isoliert, werden nicht betreut und werden krank. Es sind auch Kinder betroffen“, so Hagsteiner. Zusammen mit den Grünen hat die SPÖ einen Brief an das Innenministerium und an den Bundespräsidenten verfasst. Eine Antwort blieb bis dato aus.

Organisiert wurde die Kundgebung von „Innsbruck gegen Faschismus“. Es wurde auch ein Protestzelt am Landesmuseum in Innsbruck aufgestellt. Aktivisten begaben sich solidarisch mit den Bewohnern in den Hungerstreik. „Wir machen solange weiter, bis das Heim geschlossen wird“, erklärt Elias, der bei der Kundgebung auch die Forderungen der Bewohner verlas.

„Das ist kein Leben“

Die Bewohner wollen in eine gewöhnliche Unterkunft mit standardmäßiger Grundversorgung verlegt werden. Zudem plädieren sie für eine Prüfung der Asylentscheide. Ein Iraker, der seit vier Jahren in Österreich und nun seit acht Monaten am Bürglkopf lebt, vergleicht die Einrichtung mit einem Gefängnis: „Viele Leute nehmen Tabletten, um ruhig zu bleiben. Viele sind krank. Das ist kein Leben.“
Eine Mutter aus der Ukraine, die seit fünf Jahren in Österreich lebt, berichtet, dass ihr 15-jähriger Sohn nicht die Schule besuchen darf. Täglich verkehre nur ein Shuttlebus mit acht Plätzen nach Fieberbrunn. Es komme immer wieder zu Konflikten, wer in den Shuttlebus darf, schildern die Bewohner. Einige, die sich trauen zu sprechen, haben Tränen in den Augen und bedanken sich für die Unterstützung. Vor Redaktionsschluss befanden sich, wie das BMI bestätigte noch sieben Personen im Hungerstreik, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Lokalaugenschein

Der Grüne Bezirkssprecher Helmut Deutinger war vor Kurzem  zusammen mit anderen lokalen Politikern für einen unangekündigten Lokalaugenschein am Bürglkopf. „Viele Menschen bräuchten psychologische Betreuung, weil sie mit der Situation, dass sie abgeschoben werden, nicht fertig werden. Diese Menschen sind keine Kriminelle“, betont Deutinger. Er möchte aber darauf hinweisen, dass das Heim von den Beamten gut geführt wird. „Die Beamten waren sehr kooperativ und tun, was ihnen möglich ist.“

Die Tiroler SPÖ Integrationsbeauftragte Elisabeth Fleischhanderl, war ebenfalls beim Lokalaugenschein dabei und schildert die Situation: „Unserer Meinung nach werden die humanitären und menschenrechtlichen Standards am Bürglkopf nicht eingehalten. Es braucht andere Rahmenbedingungen.“

Petition gestartet

„Fluchtpunkt Hilfe“, „Plattform Bleiberecht“ und „Plattform Asyl“ starteten eine Online Petition auf avaaz.org. Vor Redaktionsschluss hatten sich rund 3.100 Menschen für die Schließung der Rückkehrereinrichtung ausgesprochen.

Rückblick: Land wollte Heim 2015 schließen

Seit 1992 werden am Bürglkopf in Fieberbrunn Flüchtlinge untergebracht. Das Heim liegt auf rund 1.500 Metern Seehöhe. Bis 2015 wurde es unter der Obhut des Landes Tirol geführt. Nachdem LRin Gabriele Fischer (Grüne) die Einrichtung aufgrund der Abgeschiedenheit schließen wollte, übernahm der Bund unter Führung von Rot-Schwarz das Heim. Seitdem wurden dort ausschließlich Aslywerber mit negativem Asylbescheid untergebracht. 2017 machte die türkis-blaue Regierung aus dem Heim offiziell eine Rückkehrereinrichtung. Neben dem Haus Bürglkopf befindet sich in Schwechat eine weitere Rückkehrereinrichtung. Johanna Monitzer

Fotos: Rund 70 Aktivisten, einige Heimbewohner sowie Vertreter der SPÖ und der Grünen nahmen Samstagnachmittag an der Kundgebung teil. 

Seit über 25 Jahren werden am Bürglkopf Flüchtlinge untergebracht. Fotos: Monitzer, Archiv

 
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