07.12.2019
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Scharfe Verträge gegen Bauwut

Mit fast 16 Prozent Zweitwohnsitzen gehört St. Ulrich zu den Spitzenreitern im Bezirk. Jetzt greifen die Pillerseetaler durch.

St. Ulrich | Von einem Häuschen oder einer schönen Ferienwohnung an den Ufern des Pillersees träumen viele Urlauber. In St. Ulrich war dieser Wunsch lange Zeit auch finanzierbar. Doch in den letzten Jahren sind die Grundstückspreise am Pillersee explodiert, das spüren auch die Einheimischen deutlich.
Die St. Ulricher wollen daher ebenfalls Raumordnungsverträge einführen. Sie hoffen, damit den Bauspekulanten den Riegel vorschieben zu können. Derzeit wird noch an den Kriterien getüftelt. „Wir lehnen uns an jenen Vertrag, den auch die Kirchdorfer bereits anwenden, an“, erklärt der Obmann des Bauausschusses,Vbgm. Christoph Würtl. Der Vertrag soll in Nuarach aber noch schärfer ausfallen.
Rund 16 Prozent der St. Ulricher Wohnsitze sind bereits Freizeitwohnsitze, wie auch Bürgermeisterin Brigitte Lackner beklagt. Die Gemeinde verfügt laut Raumordnungskonzept über 17 Hektar Bau- bzw. Bauerwartungsland. Lackner und Würtl sind sich im Klaren darüber, dass die Gemeinde bei den bereits gewidmeten Flächen keinen Einfluss mehr hat. Lackner weiß, dass St. Ulrich über überdurchschnittlich viele Grundstücke verfügt, die zwischen den 1960er und 1990er Jahren verkauft und von den damaligen Käufern gehortet wurden und werden. Und es sei auffallend, dass diese günstig gekauften Gründe heute sehr hochpreisig am Immobilienmarkt zu finden sind.

Preis darf 200 Euro nicht übersteigen
Bei den anstehenden Widmungen soll daher künftig der neue Raumordnungsvertrag als strenges Instrument angewandt werden. Unter anderem dürfen die Eigentümer die gewidmeten unbebauten Grundstücke nur noch zu einem Höchstpreis von 200 Euro pro Quadratmeter verkaufen. Auch ein Vorkaufsrecht für die Gemeinde ist geplant. „Es geht uns darum, Spekulanten auszusperren. Natürlich werden wir zum Beispiel bei einem Härtefall, also wenn jemand aus finanziellen Gründen verkaufen muss, individuell entscheiden“, betont Würtl. Freizeitwohnsitze gibt es übrigens keine mehr, alles was zukünftig gewidmet wird, muss erstens rasch bebaut werden und ist vor allem nur als Hauptwohnsitz zu nutzen. In einer der nächsten Sitzungen des Gemeinderates muss der Vertrag aber noch abgesegnet werden.

Time-Sharing-Projekt bereits abgesegnet
Dem gegenüber steht allerdings die umstrittene Widmung eines Grundstücks neben dem Parkplatz der Bergbahn Buchensteinwand. Dort widmete der Gemeinderat erst vor kurzem mit drei Gegenstimmen, darunter jener Würtls, ein rund 3.000 Quadratmeter großes Grundstück für touristische Zwecke. Ein St. Ulricher will den Grund an einen Investor verkaufen, der dort ein Time-Sharing-Projekt mit 130 Betten errichten will.  Die Gemeinde hat zwar strikte Auflagen erlassen, z.B. dürfen sich die Gäste nicht länger als 21 Tage in den geplanten Appartements aufhalten, dennoch befürchtet der Vize-Dorfchef, dass versteckte Freizeitwohnsitze entstehen. Derzeit ist in dieser Causa noch das Land Tirol am Zug. Margret Klausner

Rund 16 Prozent der Wohnsitze in St. Ulrich sind bereits Freizeitwohnsitze. Gerade in den vergangenen Jahren mauserte sich das Dorf am Pillersee immer mehr zur beliebten Wohngemeinde. Foto: TVB/Rolart-Images

 
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