29.03.2020
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Rezepte kommen per Fax und Mail

Alle Hände voll zu tun haben die Apotheker im ganzen Bezirk. Der Coronavirus-Ausbruch stellt auch sie vor völlig neue Herausforderungen.

Bezirk | Von normalen Arbeitszeiten können die Apotheker des Bezirkes in diesen Zeiten nur träumen – zwar sind die Pharmazeuten Nacht- und Wochenenddienste gewöhnt, doch jetzt wurden die Apotheken regelrecht gestürmt.
Und auch die Apotheker und ihre Mitarbeiter schützen sich so gut es geht vor COVID-19 – in den meisten Apotheken wurden bereits zur Sicherheit entlang der Ladentheken Plexiglasscheiben – ähnlich jenen bei Fahrkartenschaltern – installiert, überdies arbeiten viele von ihnen mit Schutzmasken und Handschuhen. Außerdem werden in den meisten Geschäften nur zwei bis drei Kunden eingelassen und diese aufgefordert, einen notwendigen Sicherheitsabstand einzuhalten.
Katharina Schreder-Wörter führt in St. Johann die Johannes-Apotheke. „Es ist schon eine große Herausforderung derzeit, weil natürlich auch die Verunsicherung groß ist“, erklärt Schreder-Wörter, deren Vater Kaspar die Apotheke gegründet hat und der derzeit ebenfalls viel im Einsatz ist. Die ungewöhnliche Situation verlangt auch im bürokratischen Bereich einiges ab. „Über Nacht wurde das elektronische Rezept eingeführt“, so die Apothekerin. Der Arzt gibt das Rezept nicht mehr dem Patienten mit – der dieses inzwischen auch telefonisch in der Ordination anfordern kann – sondern schickt es per Fax oder Mail direkt in die Apotheke. Der Aufwand sei da jetzt schon um einiges größer, so die Apothekerin, doch die  Zusammenarbeit mit den Ärzten sei gut.

Nicht neu hingegen ist das Problem mit dem Medikamentennachschub. Medikamente dürften hierzulande nur wenig kosten und kommen daher oft nicht aus Europa. Mit der Anlieferung ist es schwierig, räumt sie ein. Es sei aber alles Notwendige vorhanden, beruhigt Schreder-Wörter.
Was der Apothekerin überdies aufgefallen ist: dass die Leute sich mit Medikamenten für vier bis fünf Monate eingedeckt haben, und nicht wie bisher für einen Monat. Eines der erfolgreichsten Produkte, wie soll es anders sein, ist natürlich Desinfektionsmittel. „Das produzieren wir auch ständig nach“, betont Schreder-Wörter.
Auch Martin Seelos, der Besitzer der Pillersee-Apotheke in Fieberbrunn, weiß davon ein Lied zu singen. So habe sich das Finanzministerium sowie das Zollamt lange gewehrt, dass Apotheker aus „unversteuertem Alkohol“ Desinfektionsmittel herstellen dürfen.

Desinfektionsmittel wegen Steuer teuer
Normalerweise bleibt der Alkohol nur unversteuert, wenn ein Arzt diesen im Rahmen eines Medikaments auf Rezept verschreibt. Der von den Apothekern für verschiedene Mittel benutzte Alkohol musste versteuert werden. Daher hat sich das Desinfektionsmittel aus der Apotheke um bis zu 60 Prozent verteuert. Nach mehrmaligen Verhandlungen durch die Apothekerkammer hat das Ministerium jetzt doch noch nachgegeben, da ja gerade bei einer solchen Virenkrise wie dieser besonders viel Desinfektionsmittel u.a. auch in Arztpraxen gebraucht werde, betont Seelos.  Es sei schon deutlich mehr los, in der ersten Woche seien die Leute auch sehr diszipliniert gewesen. „Aber der Lagerkoller kommt noch“, glaubt Martin Seelos.
„Es geht uns gut, mittlerweile gewöhnen wir uns an die Situation“, sagt Verena Tomaselli von der Sonnbergapotheke in Kirchberg. Maximal zwei Kunden dürfen derzeit gleichzeitig in der Apotheke sein. „Die Leute sind sehr diszipliniert“, betont Tomaselli. Medikamente aus Deutschland kämen derzeit übrigens gar nicht mehr, aber es gibt glücklicherweise österreichische Alternativen.

„Wir haben schon relativ früh angefangen, Strategien zu erarbeiten, um mit dem Ansturm fertig zu werden“ sagt Kirsten Müller-Fajt, die die Brixental Apotheke in Hopfgarten betreibt. Bodenmarkierungen sorgen dafür, dass die Leute den notwendigen Abstand halten.  E-Medikation ist in Hopfgarten noch kein großes Thema. Die Rezepte werden von den Verantwortlichen der Arztpraxen vorbeigebracht und vom Apotheker-Team zur Abholung vorbereitet. „Ich appelliere an die Kunden, ihre Medikamente auch telefonisch oder per Mail vorzubestellen“, bittet Müller-Fajt. Margret Klausner

Auch in der Johannesapotheke wurden Plexiglaswände zum Schutz der Mitarbeiter aufgestellt.  Foto: Klausner

 
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