05.02.2020
News  
 

Pistengeher spalten die Gemüter

Braucht es mehr Lenkung? SkiStar St. Johann hebt als erste Bergbahn im Bezirk ein Entgelt von Pisten­gehern ein.

Bezirk | Immer mehr Sportler wollen die Pisten nicht nur runterfahren, sondern auch raufgehen. Mit Tourenski im sicheren, präparierten Gelände unterwegs sein boomt – was in manchen Skigebieten auch zu Konflikten führt. Die Eskalation am Rangger-Köpfl vor Kurzem, wo ein Pistengeher einen Pistenraupenfahrer angegriffen hat, schlug hohe Wellen. Das Video ging viral und löste eine landesweite Debatte aus.

St. Johann versucht, die Tourengeher zu lenken
Dass Pistengeher aggressiv reagieren, wenn man sie auf Verbote aufmerksam macht, kennt SkiStar St. Johann Geschäftsführer Peter Grander: „Es gibt immer wieder Einzelfälle, wo das Aggressionspotential hoch ist.“ Während auf Landesebene noch diskutiert wird, hat man sich in St. Johann seit diesem Winter als erste Bergbahn im Bezirk dazu entschlossen, für das Pistengehen einen Beitrag einzuheben. GF Grander zieht ein erstes Resümee: „Insgesamt hat sich die Situation zu unserer Zufriedenheit entwickelt. Die Zahlungsmoral ist gut. Der Großteil der Pistengeher hält sich an die Routen und die vorgegebenen abendlichen Aufstiegszeiten.“
An einem starken Abend sind bis zu 300 Skitourengeher im St. Johanner Skigebiet unterwegs. Es gibt aber nach wie vor Unbelehrbare, wie Grander berichtet: „Unser Personal trifft immer wieder auf gesperrten Pisten Pistengeher an - was gefährlich ist, denn die Pisten werden ja nicht zum Spaß gesperrt. Hier wird präpariert.“

Welche Erfahrungen haben die Skigebiete?
In den anderen Skigebieten im Bezirk gibt es so gut wie keine Probleme mit Pistengehern, wie ein Rundruf zeigt. Die Einführung eines Skitourengeher-Tickets, wie in St. Johann, ist andernorts im Bezirk derzeit kein Thema. „Wir bieten Tourengeher-Abende an. Zudem gibt es einige Forstwege im Skigebiet, welche die Skitourengeher nützen – vielleicht trägt das bei uns auch zur Entschärfung bei. Wir denken im Moment nicht darüber nach, die Tourengeher zur Kasse zu bitten“, sagt etwa Toni Niederwieser, Geschäftsführer der Bergbahn Fieberbrunn.
Auch in Kitzbühel sieht man die Lage entspannt: „Wir haben gewisse Routen für die Skitourengeher geöffnet. Es gibt ein gutes Miteinander am Berg. Für eigene Gebühren sehen wir  derzeit keinen Anlass“, erklärt Bergbahn-Vorstandsvorsitzender Josef Burger.

Runder Tisch zum Thema Pistengehen
Bei einem runden Tisch, zu dem letzte Woche Sportlandesrat LH-Stv. Josef Geisler Vertreter aus der Seilbahnwirtschaft, alpine Vereine sowie Sport- und Forstfachleute geladen hatte, kam man zu dem Ergebnis, dass keine neuen gesetzlichen Maßnahmen von Nöten sind. Es soll jedoch unter der Führung des Landes eine ständige Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die sich mit der Entwicklung im Pistentourengehen befasst. „Wir setzen in Tirol auf attraktive Angebote für Pistengeher, auf gezielte Lenkungsmaßnahmen sowie auf Information und Bewusstseinsbildung. Wir wollen das Pistentourengehen, das vor allem von der heimischen Bevölkerung ausgeübt wird, verstärkt als Chance und Teil der Lebensqualität in Tirol sehen“, fasst LHStv Geisler die Ergebnisse der Besprechung zusammen.
Der Sportlandesrat sieht einen Kostenbeitrag für Pistengeher durchaus als gerechtfertigt - überlässt die Entscheidung aber den Seilbahnbetreibern. Johanna Monitzer

Aus meiner Sicht - Eine Piste ist eine Sportstätte
Früher war Skitourengehen nur sehr guten Skifahrern mit Kenntnissen im freien Gelände vorbehalten. Heute schnauft gefühlt jeder, unabhängig vom Können, mit Fellen die Pisten hinauf. Skitourengehen wird zunehmend zu einem Massensport. Was den Reiz ausmacht, die Piste hochzugehen, während die Skifahrer an einem vorbeizischen, wird manchem Bergfex wohl immer ein Rätsel bleiben. Die Bergbahnen im Bezirk haben aber auf den Trend reagiert, versuchen die Pistengeher zu lenken und öffnen ihre Infrastruktur auch abends.
Dass St. Johann als erste Bergbahn den Vorstoß wagt, für Pistengeher ein eigenes Ticket einzuführen, sorgte teilweise für heftige Diskussionen – unverständlich. Eine präparierte Piste ist eine Sportstätte, wer sie nutzt sollte etwas dafür bezahlen. Man geht ja auch nicht in ein Schwimmbad und erwartet, dass man kostenlos ins Wasser springen darf. Johanna Monitzer, monitzer@kitzanzeiger.at

Skitourengehen im freien Gelände ist ein Erlebnis. Immer mehr Sportler zieht es aber auch auf die Pisten – was zu Konflikten führt. Symbolfoto: Kitzbüheler Alpen Brixental

 
Kontakt
Tel.: +43 (0) 5356 6976
Fax: +43 (0) 5356 6976 22
E-Mail: info@kitzanzeiger.at
Virtuelle Tour
Rundblick - Virtual Reality
Werbung
 
Zurück Aktuelle Gemeinde Archiv Suchen