30.04.2020
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Perspektive für religiöses Leben

Ab 15. Mai dürfen Gottesdienste wieder besucht werden. Die Abstandsregeln sind streng. Wieviele Personen haben nun wirklich in der Kirche Platz, ist die große Frage. Die Religionsgemeinschaften versuchen nun Lösungen zu finden.

St. Johann i. T.  |  In den Pfarrgemeinden haben derzeit Meterstab und Tixo Hochkonjunktur. Grund dafür sind die neuen Regelungen für Gottesdienste, die die Bundesregierung am vergangenen Donnerstag vorgestellt haben. Seither warten die Pfarren auf genaue Anweisungen der Erzdiözese zur Umsetzung, die diese Woche noch ausgeschrieben werden. Fragen gibt es einige: Gilt pro Person der Mindestabstand von 2 Metern oder müssen doch die 20 m2 Platz für jeden einzelnen in der Kirche eingehalten werden?

Probleme für kleinere Gotteshäuser
Gültig sind die Ausführungen für alle 16 anerkannten Glaubensgemeinschaften in Österreich. Vor Problemen werden daher vor allem kleine Gotteshäuser stehen. Gundula Hendrich von der Evangelischen Glaubensgemeinschaft hat ihre Kirche schon am Wochenende vermessen. „Insgesamt haben wir zwischen 6-8  Personen Platz“, sagt Hendrich und ergänzt, dass sie keine Entscheidung treffen will, wer am Gottesdienst teilnehmen darf. Eine Option ist der Messbesuch im Freien, wobei dieser wetterabhängig ist. Die Pfarrerin hat auch schon beim Dekan in St. Johann ein Ansuchen gestellt, damit die Glaubensgemeinschaft die Dekantskirche benutzen darf. Gute Erfahrungen hat man bisher schon damit gemacht, da die Einzugsgemeinde der Gläubigen fast über den gesamten Bezirk verteilt ist. Ansonsten will Hendrich weitermachen wie bisher. Der Newsletter wird wöchentlich ausgeschickt, dort steht auch drinn wo die Gottesdienste im Fernsehen und Radio zu sehen und hören sind.

50 Personen in Dekanatskirche
Eine der größten Kirchen im Tiroler Unterland ist die Dekanatspfarrkirche St. Johann. Sie ist 48 Meter lang und 22 Meter breit. Geht es nach der Abstandsregel von 20 m2 Platz für eine Person, dann dürfen knapp 50 Menschen in die Kirche. Nicht berücksichtigt sind dabei Familien, die zusammensitzen dürfen. Für die Überprüfung der Maßnahmen sind die Glaubensgemeinschaften selbst verantwortlich.  Eine Herausforderung ist die derzeitige Lage auch für Pfarrbüro-Leiterin Rosi Hopfensperger aus St. Johann, denn die Richtlinien sind schwierig umzusetzen.  Außerdem gibt sie zu bedenken, dass in jeder Kirche genau geschaut werden muss, was möglich ist. Ein Vergleich dazu: „In St. Johann gibt es Seitengänge, in Oberndorf hingegen nicht“, erklärt Hopfensperger und ergänzt, dass es daher schon die Überlegung gibt, die Kommunion ans Ende zu stellen, sodass die Messbesucher durch die Sakrestei gleich hinausgehen können. Ebenso gibt es in St. Johann die Überlegung die kleine Kirche bei der Weitau überhaupt geschlossen zu halten, da aufgrund er Abstandsregel nur eine Handvoll Personen am Gottesdienst teilnehmen dürfen. Und auch hier stellt sich dann wieder die Frage: „Wie sag ich jemanden, dass er nicht in die Kirche gehen darf“, sagt Hopfensperger.
Nach Pressekonferenz warten auf Antworten
Auf die Schwierigkeiten hat Kardinal Christoph Schönborn bereits in der Pressekonferenz hingewiesen: Sicherlich sei auch viel Taktgefühl notwendig und er rate auch den Risiko- und Hochrisikopersonen dringend ab, jetzt gleich unter den ersten Gottesdienstbesuchern sein zu wollen. Erzbischof ‚Franz Lackner zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut über „einen ersten Schritt in Richtung Normalität“. Verena Mühlbacher

Foto: Die Dekanatskirche in St. Johann zählt zu den größten Kirchen im TIroler Unterland. Ab Mitte Mai finden auch dort wieder hl. Messen statt. Foto: servus

Aufgefallen - Größte Kirchen in Österreich
Wien| Die größte Kirche Österreichs ist der Linzer Mariendom mit 4.300 m2, dort dürfen zu Corona-Zeiten rund 215 Personen an der Messe ab 15. Mai teilnehmen. Der Stephansdom in Wien ist zwar höher, aber deutlich kleiner. Mit 3.000 m2 sind dort ab Mitte Mai 150 Messbesucher zugelassen.Ebenso groß ist der Salzburger Dom, auch dort können 150 Gläubige zur Messe kommen. Der Innsbrucker Jakobsdom hat mit rund 1.000 Quadratmetern Platz für 50 Personen und ist somit mit der Dekanatpfarrkirche in St. Johann vergleichbar. Ein wenig kleiner ist die Pfarrkirche in Hopfgarten.

 
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