04.02.2019
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Notfütterungen sind eingerichtet

Der heurige harte Winter fordert dem Wild alles ab. Bezirksjägermeister Martin Antretter appelliert an die Wintersportler, Rücksicht zu nehmen.

Kitzbühel | Es ist ein Winter, der zwar die Wintersportler jubeln lässt, für das heimische Wild allerdings zum Überlebenskampf wird. Auch im Bezirk Kitzbühel ist die Jägerschaft in den letzten Wochen massiv gefordert. Immer wieder gilt es bis zum Hals im Schnee steckende  Hirsche, Rehe oder Gämsen auszugraben. Kitzbühels Waldaufseher Alois Erber hat dieser Tage u.a. im Bereich des Hahnenkamms, genauer gesagt im Hausbergtal, ein Gamskitz gefunden.

Doch das Hauptaugenmerk liegt derzeit vor allem auch auf der Fütterung der Wildtiere. Obwohl aufgrund des hohen Schnees viele Rotwild- und Rehfütterungen mehr als schlecht erreichbar sind, ist die Jägerschaft bemüht, diese zu bestücken. Und besonders heuer gehen die Emotionen besonders hoch, weil vor allem die Bundesforste immer wieder Rot- und Rehwildfütterungen einstellen, wie auch Bezirksjägermeister Martin Antretter kritisiert. „Wir haben im Bezirk Kitzbühel etwa über 30 Rotwildfütterungen, in den letzten drei Jahren wurden aber insgesamt vier Fütterungen eingestellt“, so Antretter, „Tatsache ist ja, dass über die Hälfte des Rotwildes sowieso nicht gefüttert wird.“

Hermann Schmiderer, Leiter des ÖBF-Forstbetriebes Unterinntal, kann diese Kritik jedenfalls nicht nachvollziehen: „Wir betreuen im Bezirk rund 25 Prozent der Jagdfläche mit insgesamt zwölf Rotwildfütterungen!“

Inzwischen wurde zumindest in der Aschau von den Bundesforsten eine Notfütterung installiert. Das sei, so Antretter, der Intervention der Jägerschaft zu danken. Derzeit wird auch über weitere Notfütterungen in Jochberg diskutiert. In  einigen weiteren Revieren wird ebenfalls inzwischen gefüttert, um das Leiden der Tiere zu minimieren.

Mit einer hohen Fallwildquote, auch auf der Straße, ist in jedem Fall zu rechnen, ist Antretter überzeugt, der „seine“ Jägerinnen und Jäger in Schutz nimmt. „Unsere Abschussquote beim Rotwild liegt im ganzen Bezirk bei rund 83 Prozent. Da liegen wir tirolweit gut im Rennen“, betont der Bezirksjägermeister.

Keine Chance auf natürliche Überwinterung

Dass viele Reviere im Bezirk Kitzbühel von Großskiräumen umgeben sind, sorgt beim Bezirksjägermeister überdies für Sorgenfalten. „Das Wild hat bei uns keine Chance auf eine natürliche Überwinterung.“ Das Füttern ist mehr als notwendig, auch um Schälschäden zu verhindern. Es ist im Übrigen auch im Tiroler Jagdgesetz verankert – darin ist klar festgelegt, dass das Rehwild längstens von 1. Oktober bis 15. Mai und das Rotwild vom 16. November bis 15. Mai zu füttern ist.

Doch nicht nur der hohe Schnee ist für das heimische Wild ein Problem. Es sind vor allem auch jene Skifahrer, die sich abseits der Piste tummeln, aber auch Tourengeher und Schneeschuhwanderer, denen oft gar nicht bewusst ist, unter welchen Stress sie die Tiere bringen. Das Wild übersteht den Winter dadurch, dass es den Stoffwechsel komplett herunterfährt. Wird es jedoch von Wintersportlern aufgeschreckt und flüchtet, wird es zusätzlich geschwächt. Das bestätigt auch Schmiderer. Er und  Martin Antretter appellieren daher eindringlich an die Tourengeher, Variantenfahrer und Schneeschuhwanderer, die ausgewiesenen Routen zu nutzen und vor allem die Wildfütterungen weiträumig zu umgehen, damit das Wild eine Chance hat, den Winter zu überstehen.

Absperrungen & Schilder ernst nehmen

„Wichtig ist es auch, die Absperrungen bzw. Hinweistafeln, die auf die Wildpopulation hinweisen, ernst zu nehmen und nachzudenken, bevor man in einen Graben hinein- oder über einen Hang abfährt“, betont Antretter. Vor allem richtet sich der Appell Schmiderers an die einheimischen Skifahrer, die meist als erste ihre Spuren ziehen. Margret Klausner

 
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