02.11.2020
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Niemand stellt Gastronomen Fallen

Die Meldung im Internet, dass sich Beamte als Gäste tarnen, um dann bei Missachtung der Corona-Vorschriften abzukassieren, sorgte im Bezirk für Aufsehen. Der Vorfall, der sich in St. Johann zugetragen haben soll, war frei erfunden.

Bezirk, St. Johann | Über 3.400 mal wurde vergangene Woche im sozialen Internetnetzwerk Facebook dieser Beitrag geteilt: „Zwei Männer tauchten auf und informierten den Kellner, dass sie ihre Masken vergessen hätten. Sie fragten, ob sie trotzdem schnell zum Tisch gehen können. Sie würden auch sicher nicht mehr aufstehen. Der Kellner dachte wohl an seinen Arbeitsplatz und zeigte Herz für seine Kunden und gestattete es ausnahmsweise. Just in diesem Moment zeigten die Kontrolleure ihre Ausweise und kassierten die Strafe. Es wird also nicht mehr kontrolliert, es werden Fallen aufgestellt.“

Quelle: Ein Bekannter
Der Beitrag wurde von einem  Einheimischen (Name der Redaktion bekannt) verfasst. Auch den Namen des Restaurants, wo sich der Vorfall ereignet haben soll, nannte der Verfasser. Er gab zwar umgehend an, nicht selbst dabei gewesen zu sein, aber wüsste dies von einem Bekannten, dem er dies auch glaube.

Restaurant dementierte
Zahlreiche Nutzer erbosten sich über die vermeintlichen Kontrollen, der Beitrag ging viral. Die Hasswelle im Internet nahm ihren Lauf. Bis das Restaurant in  St. Johann darauf aufmerksam wurde, denn diesen Vorfall gab es gar nie: „Weder waren Kontrolleure bei uns vor Ort, noch haben wir diese Unwahrheit erzählt.“

Wie wird kontrolliert?
Beim Land Tirol kennt man solche Falschmeldungen. Maximilian Brandhuber erklärt, dass die Kontrollen in der Gastronomie durch die Polizei im Auftrag der Gesundheitsbehörde erfolgen - in Polizeiuniform, nicht in Zivilkleidung.

Es sollte eine Mahnung zur Einhaltung sein
Der Einheimische, der den Beitrag ins Netz stellte, war erstaunt, dass es solche Wellen schlägt, wie er dem Kitzbüheler Anzeiger im Facebook-Chat mitteilt. „Ich war selber überrascht, wie oft das geteilt wurde. Zumal der Sinn dahinter eigentlich war, befreundete Wirte, Gastrobetreiber und Angestellte zur Vorsicht und zur Einhaltung der Maßnahmen zu mahnen.“
Der Beitrag wurde von Facebook gelöscht, erst danach erfuhr der Verfasser, dass er damit Fake-News verbreitet hat. „Einen Tag nachdem mein Beitrag verschwunden war, wurde mir das Mail des Restaurants, in dem der Vorfall dementiert wird, übermittelt.“
Dass er Fake-News verbreitet hat, sieht der Verfasser differenziert. Einen Namen will er in solchen Beiträgen in Zukunft nicht mehr nennen, wie er dem Kitzbüheler Anzeiger erklärt: „Aber wie schon erwähnt war die Absicht dahinter eine ganz andere. Denn man hört im Moment sehr viel, und den meisten Leuten sind die Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Maßnahmen nicht bewusst - darauf wollte ich aufmerksam machen.“

Fünf Strafen wegen Verstößen anhängig
Auf Nachfrage teilt man beim Land Tirol mit, dass im Bezirk Kitzbühel bis dato noch keine Strafen aufgrund Nicht-Einhaltung der Corona-Maßnahmen verhängt wurden, es sind jedoch fünf Verfahren wegen Überschreitung der Sperrstunde anhängig. Für`s länger offen halten als erlaubt können Gäste mit bis zu 1.450 Euro und Betriebe mit bis zu 30.000 Euro zur Kasse gebeten werden. Johanna Monitzer

Bild: Der Beitrag eines Einheimischen ging viral. Besagten Vorfall gab es aber gar nie. Fotos: Pixabay, Anzeiger

Aufgefallen - ...und noch mehr Unsinn
Ein Corona-Reim, der mit den Worten „trag immer Schutz für Nas und Mund, sonst bist du tot nach dieser Stund!“ endet kursiert seit Schulbeginn immer wieder durch‘s Netz. Der makabere Reim soll an Schulen ausgehängt sein. Eine Falschmeldung, wie auch viele Internet-Nutzer immer wieder melden. Er wird gelöscht und taucht wieder auf. Der Oberndorfer Volksschuldirektor, Vize-Bgm.  Hannes Nothdurfter machte den Kitzbüheler Anzeiger darauf aufmerksam. jomo

 
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