23.04.2016
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Nicht wirklich ein offenes Ohr

Kitzbühels Wohnungsreferent Thomas Nothegger will sich künftig nicht mehr persönlich um die Anliegen der Bürger kümmern. Die Aufgabe sollten, geht es nach Nothegger, die Bediensteten im Rathaus übernehmen. Die Vergabe der Wohnungen würde dann nach einem Punktesystem durch den Ausschuss erfolgen.

Kitzbühel | Der Job des Wohnungsreferenten ist kein leichter, das wissen die ehemaligen Referentinnen Gertraud Rief und Hedi Haidegger aus eigener Erfahrung. Beide Damen und auch deren Vorgänger hatten zu jeder Tageszeit und an jedem Wochentag ein offenes Ohr für die persönlichen Härtefälle der Gemeindebürger und standen helfend zur Seite.

Mit dem neuen Obmann des Ausschusses für Wohnung, Thomas Nothegger (Liste UK) scheint die schnelle, unbürokratische Hilfe für in Not geratene Bürger aber passe zu sein. In der Gemeinderatssitzung am Montag klagte Nothegger sein Leid. Er habe weder ein Büro noch die Akten, da kann er sich nicht um die Anliegen der Bürger kümmern, schilderte er die Situation.

Zudem sei ihm die Zahl der Anrufe zu viel: „In den letzten Tage hatte ich 20 bis 30 Anrufe.“ Geht es nach Nothegger, sollen künftig im Stadtamt die Anliegen der Bürger entgegengenommen und dann in den Ausschuss-Sitzungen die Wohnungen nach einem Punktesystem vergeben werden. „Es gibt schließlich Bedienstete im Rathaus, die sollen doch die Arbeit machen und wenn es zu viel wird, muss halt eine Unterstützung angestellt werden“, polterte Nothegger. Zudem kritisierte er, dass er noch nicht die Ausschuss-Protokolle der letzten Jahre erhalten hat und aufgrund der fehlenden Informatio­nen keine Ausschuss-Sitzung abhalten kann.

Kaum Verständnis von den Gemeinderäten

Mit der Klage über den übermäßigen Arbeitsaufwand in seinem Ressort handelt sich Nothegger bei Stadträtin Ellen Sieberer nur Kritik ein. „Es gehört zum Tagesgeschäft für einen Gemeinderat jeden Tag mit den Bürgern zu sprechen und sich ihre Sorgen anzuhören“, konterte Sieberer. Peter Hechenberger (ÖVP) sprach das Servicebedürfnis der Bürger an und klärte Nothegger darüber auf, dass auch in den anderen Referaten die Bürger auf die zuständigen Gemeinderäte zukommen und ihnen ihre Anliegen mitteilen. „Der Straßenreferent muss sich auch jedes Schlagloch anschauen und danach über die Vorgangsweise entscheiden“, erklärte Hechenberger. Bürgermeister Klaus Winkler will die bisherige Handhabe beibehalten. Der Referent soll mit den Bürgern sprechen, sich ihre Sorgen anhören und auch mit ihnen die Wohnungen besichtigen.

Unverständnis kam auch von Vizebürgermeister Walter Zimmermann: „So etwas gehört zuerst im Ausschuss diskutiert und nicht im Gemeinderat.“ Auf Anfrage von Andrea Watzl versicherte Nothegger, dass in den nächsten Wochen eine Ausschuss-Sitzung einberufen wird.

Um die Anliegen der Bürger kümmert man sich natürlich auch im Stadtamt. In den letzten Wochen kamen nicht nur Bürger in das Büro, sondern auch erboste Anrufe, dass der Referent nicht erreichbar sei. Gemeinderat Thomas Noth­egger war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Elisabeth M. Pöll

 
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