25.10.2018
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Nahversorgung ist gut aufgestellt

91 Prozent der Bevölkerung im Regio3-Gebiet erfreuen sich einer gut funktionierenden Nahversorgung. Das ist nur eines der vielen Ergebnisse der jüngsten Nahversorgungs- und Wertschöpfungsstudie.

Bezirk  | Wie ist es um die Nahversorgung und um die Wertschöpfung in der Region bestellt? Das ist die zentrale Frage, die sich die beiden Leader-Regionen Regio3 sowie KUUSK gestellt haben. Die Antworten lieferte eine umfangreiche Studie vom Beratungsunternehmen CIMA. Von Februar bis September wurden 3.880 Interviews geführt, eine Branchenmixanalyse und ein Qualitätscheck der Ortskerne rundeten das Bild ab.

Nachdem die teilnehmenden Brixental-Gemeinden Kirchberg, Westendorf und Brixen wie berichtet ihre Ergebnisse bereits im Rahmen des Kaufleute-Jubiläums erfahren haben, wurden nun weitere Kennzahlen für den Bezirk vorgestellt.

Onlinehandel als großer Absauger

„Im Handel bleibt kein Stein auf dem anderen“, prophezeite Roland Murauer von der CIMA. Denn der größte „Konkurrent“ des Einzelhandels im Regio3-Gebiet sitzt nicht in einer anderen Region – es ist der Onlinehandel. 15,7 Millionen Euro Kaufkraftabfluss saugen die großen Internethändler für sich ab. Erst an zweiter Stelle folgt das Salzburger Nahgebiet, das 12,5 Millionen Euro aus dem Bezirk bezieht. Die Einkaufsstadt Wörgl sichert sich immerhin noch 5,1 Millionen Euro aus den Fleischtöpfen der Regio3.  Die gesamte Eigenkaufkraft im Untersuchungs-Gebiet liegt übrigens bei 200 Millionen Euro.

Während also in der Abgrenzung zum Onlinehandel noch Aufholbedarf besteht, dürfen sich die untersuchten Gemeinden durchaus auf die Schulter klopfen, was die Qualität der Nahversorgung betrifft. Um die ist es sehr gut bestellt. Drei Viertel aller Regio3-Gemeinden – das entspricht einem Bevölkerungsanteil von etwa 91 Prozent – erfreuen sich einer zufriedenstellenden Nahversorgung in ihrem Ort, die auch mittel- und langfristig noch Bestand haben wird. Dennoch weist die Studie darauf hin, dass sich die Nahversorgung im Lebensmittelhandwerk – z.B. Metzger und Bäcker – in den vergangenen Jahren stark ausgedünnt hat. Die Konsumenten in den untersuchten Gemeinden sind dennoch sehr zufrieden mit dem Angebot. Die heimischen Anbieter erhalten bei der Zufriedenheit Bestnoten (1,5 im Regio3-Gebiet und 1,4 in den drei untersuchten Brixental-Gemeinden). In diesem Zusammenhang ist den Befragten vor allem ein gutes Preis-Leistungsverhältnis sowie eine breite Auswahl wichtig. Auch die gute Erreichbarkeit mit dem Pkw spielt eine Rolle.

Die Anzahl der Verkaufsflächen beurteilt die CIMA-Studie als angemessen und keineswegs „überhitzt“. Die untersuchten Gemeinden verfügen über insgesamt 108.250 Quadratmeter Handelsfläche – naturgemäß haben St. Johann (41.750 Quadratmeter) und Kitzbühel (33.950) den größten Anteil daran.

79 Prozent Kaufkraft-Eigenbindung

Die Kaufkrafteigenbindung aller Gemeinden in der Regio3 beträgt im kurzfristigen Bedarf (also Lebensmittel und dergleichen) satte 92 Prozent. Waren des mittelfristigen Bedarfs wie etwa Kleidung werden von der Bevölkerung zu 64 Prozent im eigenen Gebiet abgedeckt. Waren des langfristigen Bedarfs werden zu 71 Prozent in der Region gekauft. Das ergibt eine Gesamt-Kaufkrafteigenbindung von 79 Prozent. Zum Vergleich: Die KUUSK-Region hat eine Eigenbindung von 71 Prozent, die Brixental-Gemeinden kommen auf 51 Prozent.

St. Johann hält die Kaufkraft im Ort

Ein Blick auf die jeweiligen Gemeinden zeigt indessen deutliche Unterschiede in der Kaufkrafteigenbindung. Unangefochten an der Spitze steht im Regio3-Gebiet die Marktgemeinde St. Johann. Von 100 Euro werden 73 im Ort ausgegeben. Ein Spitzenwert, auch im Vergleich mit den Nachbargemeinden. Kitzbühel landet in der Eigenbindungsbilanz auf Platz 2 – kann allerdings „nur“ 57 Prozent halten. Murauer kommentiert dazu: „Für eine Bezirksstadt dieser Größe ist das eher unüblich. Regionale Konsumenten fahren eher nach St. Johann als nach Kitzbühel.“ Eine stattliche Eigenbindung kann außerdem Fieberbrunn mit 53 Prozent aufweisen. Kirchberg hält mit 51 Prozent ebenfalls über die Hälfte der eigenen Kaufkraft innerhalb der Grenzen der Gemeinde. Ein großes Lob wurde Kössen zuteil: Mit 48 Prozent Kaufkrafteigenbindung kann der Ort die Früchte seiner konsequenten Standortpolitik ernten.

Die größten Einzugsgebiete aus dem Umland haben St. Johann und für die KUUSK-Region die Stadt Kufstein. Im Einzugsgebiet der Marktgemeinde leben 45.830 Personen, in der Marktrandzone St. Johanns sogar 59.610 Personen. Den „Seinehonsern“ gelingt es, bei Waren des mittelfristigen Bedarfs eine 24-prozentige Abschöpfung zu generieren. Die gesamten Kaufkraftzuflüsse in diesem Segment betragen 17 Millionen Euro.

Die Kaufkraftzuflüsse der Stadt Kitzbühel machen in Summe acht Millionen Euro aus. „Kitzbühel punktet ganz woanders, aber nicht bei den regionalen Kunden“, ergänzt Murauer. Die Gamsstadt hat aber tatsächlich in einem Bereich ganz deutlich die Nase vorne – nämlich bei den generierten Umsätzen aus dem Einzelhandel.

Tourismus zündet den Turbo

140,6 Millionen Euro  sahnt die Gamsstadt ab. Der große Turbo hierbei ist der Tourismus: „Kitzbühel ist Weltmeister beim Absaugen der Kaufkraft von Touristen und Zweitwohnsitzlern“, kommentiert Murauer. Kitzbühel kann dabei, im Gegensatz zu vielen anderen österreichischen Städten, mit 57 Prozent mehr als die Hälfte des Umsatzes im Stadtkern erwirtschaften. St. Johann folgt bei den Umsätzen auf Platz 2 mit 117,7 Millionen Euro. Kirchberg kommt auf 32,4 Millionen Euro im Einzelhandelsumsatz, Fieberbrunn auf 28,6 Millionen und Kössen auf 25,4 Millionen Euro.

Der gesamte Einzelhandel in der Regio3 erwirtschaftet 345,3 Millionen Euro Umsatz. Studienautor Murauer unterstrich mehrfach die Bedeutung des Tourismus für die gesamte Handels- und Nahversorgungsstruktur der Regio3. „44 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes – also über 151 Millionen Euro, setzen sich aus Ausgaben von Tages- und Nächtigungstouristen zusammen.“ Der tourismusreleveante Umsatz ist wie bereits erwähnt in Kitzbühel am höchsten und beträgt dort 63 Prozent. In Fieberbrunn liegt dieser Anteil bei 32 Prozent.

Empfehlungen zur Weiterentwicklung

Auf Basis der vorliegenden Daten gibt die Studie auch einige Empfehlungen ab. So sollten die einzelnen Regio3-Gemeinden ihre Raumordnungs- und Standortpolitik vernetzen und stärker aufeinander abstimmen. Die Ortskerne sollten noch weiter gestärkt werden – einerseits für den Nahversorgungsnutzen der Einheimischen, aber auch als Attraktion für die Touristen.  Die heimischen Klein- und Mittelbetriebe sollten sich angesichts der starken Online-Konkurrenz im Bereich Digitalisierung aufrüsten.

Viele Initiativen gibt es bereits im Bezirk, dennoch empfiehlt die CIMA noch verstärkte Maßnahmen zur gesamtregionalen Kundenbindung. Außerdem werden den größeren Gemeinden des Bezirks, wie z.B. Fieberbrunn oder Kirchdorf, aber auch Kitzbühel, eigene professionelle Stadt- bzw. Ortsmarketings ans Herz gelegt.

Weiterentwicklung war auch der Grund, die Studie überhaupt in Auftrag zu geben, wie Stefan Niedermoser, Regionalentwicklungs-GF, erläutert: „Das soll Grundlage für weitere Schritte sein.“ Elisabeth Galehr

Bild: Melanie Steinbacher (KUUSK-Region), Bäckerin Birgit Pristauz, CIMA-GF Roland Murauer und Stefan Niedermoser (Regio 3) präsentierten einen Überblick über die vielfältigen Studienergebnisse. Foto: Galehr

Daten & Fakten
Eigenbindung der Gemeinden
Bezirk  | Die Kaufkrafteigenbindung der untersuchten Gemeinden im Bezirk Kitzbühel fällt je nach vorhandener Infrastruktur sehr unterschiedlich aus und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine genaue Analyse der jeweiligen Ortsdaten wird den Gemeinden separat zugänglich gemacht.

Hier eine Übersicht über die Kaufkrafteigenbindung und den Einzelhandelsumsatz – St. Johann: 73 Prozent, 117,7 Mio. Euro Einzelhandelsumsatz; Kitzbühel: 57 Prozent, 140,6 Mio. Euro Umsatz; Fieberbrunn: 53 Prozent, 28,6 Mio. Euro Umsatz; Kirchberg: 51 Prozent, 32,4 Mio. Euro Umsatz; Kössen: 48 Prozent, 25,4 Mio. Euro Umsatz; Westendorf: 18,5 Mio. Euro Umsatz; Brixen: 37 Prozent, 14,2 Mio. Euro Umsatz; Waidring: 32 Prozent, 8,8 Mio. Euro Umsatz; St. Ulrich: 29 Prozent, 5,1 Millionen Euro Umsatz; Jochberg: 27 Prozent, 4,4 Mio. Euro; Kirchdorf: 25 Prozent, 10,4 Mio. Euro; Oberndorf: 24 Prozent, 8,2 Mio. Euro; Reith: 21 Prozent, 6,7 Mio. Euro; Hochfilzen: 19 Prozent, 1,7 Mio. Euro; Schwendt: 15 Prozent, unter eine Million Euro Umsatz; St. Jakob: 5 Prozent, unter eine Million Euro Umsatz; Aurach: 4 Prozent, 2 Mio. Euro Umsatz.

Starke Umsätze im Ortskern

Der Gesamtumsatz der Regio3- Gemeinden beträgt 345,3 Millionen Euro, 44 Prozent dieser Umsätze werden in den Ortskernen generiert. Das gesamte Brixental erwirtschaftet einen Einzelhandelsumsatz von 65,1 Millionen Euro, 42 Prozent in den Ortskernen. Der touristisch generierte Anteil der Umsätze beträgt im Falle von Regio3 44 Prozent, in den Brixental-Gemeinden 40 Prozent.

 
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