21.08.2017
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Muskelkater anstatt Internetsurfen

Jugendliche arbeiten eine Woche unentgeltlich auf der Rechensaualm und helfen mit, die Almflächen zu erhalten.

St. Ulrich | Um 8 Uhr morgens geht‘s los für die neun Jugendlichen auf der Rechensaualm. Ausgerüstet mit leichtem Werkzeug helfen sie mit, die Alm auf 1.300 Metern Höhe zu erhalten. „Wir entfernen Springkraut, Disteln, Himbeeren, Brombeeren und viele andere Pflanzen, die die Almfläche langsam zu überwuchern drohen“, erklärt die Projektleiterin der Umweltbaustelle, Lisa Payreder. Muskelkater inklusive. „Die Arbeit ist schon anstrengend, aber auch wichtig“, so Payreder.

Almobfrau Martina Diechtler wurde im letzten Jahr auf das Projekt „Umweltbaustelle“ der Alpenvereinsjugend aufmerksam. „Unsere Alm umfasst eine Gesamtfläche von rund 40 Hektar. Eine Bewirtschaftung ist alleine fast nicht zu schaffen. Durch die Tochter meiner Cousine wurde der Kontakt zum Alpenverein hergestellt“, erzählt Diechtler.

„Abends spielen wir gemütlich Karten“

Die Jugendlichen unterstützen die Besitzerfamilien nun eine Woche beim Bearbeiten der Flächen. Untergebracht auf der Almhütte, wo es zwar fließendes Wasser gibt, aber keine einzige Steckdose, ist es für die Jugendlichen aus Oberösterreich, Graz und Wien eine ganz neue Erfahrung. „Es gibt nur Strom für das Licht. Kein Internet und auch keine Steckdosen, um das Handy aufzuladen – aber das ist schön, da man sozusagen fast gezwungen ist, sich abends zu unterhalten und gemütlich Karten zu spielen“, erzählt Karl Scheifinger. Der 20-jährige Student aus Graz arbeitet das erste Mal auf einer Umweltbaustelle mit. „Ich wollte in den Ferien etwas Sinnvolles machen und bin im Internet auf das Angebot der Alpenvereinsjugend gestoßen. Es macht großen Spaß, denn jeder Handgriff wird wertgeschätzt“, so Scheifinger.

Der Arbeitstag dauert bis 16 Uhr

Die Jugendlichen müssen lediglich die An- und Abreise selbst bezahlen, den Rest übernimmt der Alpenverein und seine Sponsoren. „Die Rechensaualm ist glücklicherweise mit dem Auto erreichbar, so können wir nach der harten Arbeit auch mal ins Tal fahren, um schwimmen zu gehen“, erzählt Projektleiterin Payreder. Der Arbeitstag dauert für die Jugendlichen bis 16 Uhr. Zu Mittag stärken sie sich mit einer kleinen Jause. Dann wird in der Hütte mit einem kleinen Gaskocher gekocht.

Eine Woche ohne Handy, Fernsehen und Internet – gibt es viele Bewerber für die Mitarbeit an Umweltbaustellen? „Ja, schon. Für die Arbeiten auf der Rechensaualm hatten wir sogar eine Warteliste“, informiert Payreder.

Almobfrau Martina Diechtler ist froh über die tatkräftige Unterstützung der Jugendlichen im Almgebiet. „Vor einiger Zeit war ich auf einer Alm, die war total verwildert. Durch die Hütte ist ein Baum gewachsen. Das darf nicht passieren, unsere Almflächen sind sehr wichtig“, betont Diechtler.

Projekt soll fortgesetzt werden

Knapp 20 Tiere verbringen den Sommer auf der Rechensaualm. Die Almwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Alpen und haben einen hohen ökologischen Stellenwert. Gemeinderat Manfred Bacher, der seit Ende Juni auch für die Bereiche Klima und Umwelt in der Gemeinde St. Ulrich zuständig ist, zeigt sich begeistert von der Initiative der Alpenvereinsjugend. „Wir möchten solche Projekte in Zukunft auch unterstützen“, so Bacher.

Eine Gelegenheit für eine Unterstützung gibt es vielleicht schon im nächsten Jahr, denn die Umweltbaustelle soll im nächsten Sommer weitergeführt werden. „Die meisten Umweltbaustellen betreuen wir über einen längeren Zeitraum und wenn es gewünscht wird, stellen wir gerne wieder einen Trupp zusammen“, schickt Projektleiterin Lisa Payreder schon einmal voraus. Almobfrau Martina Diechtler würde sich sicher wieder über ein paar helfende Hände freuen.
Johanna Monitzer 

Bild: Keine leichte Arbeit: Die Jugendlichen machen die Rechensaualm frei von Gestrüpp. Foto: Wintereder

 
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