28.03.2020
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Mit dem Auto zum Corona-Test

Die niedergelassenen Ärzte sind weiterhin unermüdlich im Dienste ihrer Patienten im Einsatz. Beim Bezirkskrankenhaus wurde eine „Srceening Station“ eingerichtet.

Bezirk | Am Montag stand fest – der Coronavirus hat sein erstes Todesopfer im Bezirk gefordert. Eine 86-jährige Einheimische war bereits mit einer bestätigten Infektion von der Intensivstation in St. Johann an die Intensivstation Klinik Innsbruck überstellt worden. Aufgrund ihrer Vorerkrankungen galt die jetzt verstorbene Frau als Hochrisikopatientin.
Im Bezirkskrankenhaus St. Johann wird auf Hochtouren gearbeitet. In ganz Tirol wurden inzwischen sechs stationäre Screening-Stationen eingerichtet, auch beim Bezirksspital gibt es inzwischen eine solche. Diese sind jedoch nur dann aufzusuchen, wenn eine von der Leitstelle in Form von SMS ausgestellte „Überweisung“ vorhanden ist. Konkret fahren die Fahrzeuge in die „Screening-straße“ ein, wo die Personen von Ärzten befragt und getestet werden. In St. Johann werden jeweils um 10.30 Uhr sowie um 16 Uhr die Tests durchgeführt.

Hausärzte behandeln derzeit nur Notfälle
Doch nicht nur im Spital arbeiten die Ärzte- und Pflegeteams Tag und Nacht, auch die niedergelassenen Ärzte sind im Einsatz und versorgen Notfälle.
„Unsere Patientinnen und Patienten gehen sehr vernünftig mit der Situation um. Sie erkundigen sich telefonisch, ob wir offen haben und lassen sich einen Termin geben“, schildert Elisabeth Krainz, die in St. Johann eine Hausarztpraxis betreibt. So hält sich im Wartezimmer nie mehr als ein Patient auf. „Besteht der Verdacht eines Infektes, dann isolieren wir den Patienten sofort und behandeln in einem eigenen Raum“, erklärt Krainz die Vorgehensweise. Sie kläre jeden Fall genauestens ab, sollte ein Verdacht auf Corona bestehen, „dann verweise ich den Patienten sofort an die Notrufnummer.“ Routineuntersuchungen wie Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen oder Routineüberweisungen an Fachärzte seien derzeit sowieso gestrichen, betont Krainz.
Aufatmen kann vorerst Michael Plattner. Der praktische Arzt betreibt eine Hausarztpraxis in Jochberg und betreut neben den Jochbergern auch die Auracher. Nach einem Fall in seinem Umfeld musste Plattner seine Praxis schließen. Am Montag gab es dann grünes Licht vom Land – die Tests u.a. bei ihm waren negativ. Seit Dienstag hat die Ordination wieder geöffnet. „Allerdings nur vormittags und nach telefonischer Voranmeldung“, informiert er.
Auch der Hopfgartner Hausarzt Hannes Müller musste seine Praxis wegen eines Verdachtsfalles schließen. Auch hier fielen die Tests glücklicherweise negativ aus, er konnte ebenfalls am Dienstag wieder öffnen.
Die Fachärzte praktizieren ebenfalls weiter. Axel Schidlbauer, Augenarzt in Kitzbühel, hält die Ordination aufrecht, wenn auch mit deutlich reduzierten Betrieb. Rund 60 Prozent seiner Patienten hätten jedoch ihre Termine abgesagt. Allerdings würden Notfälle behandelt und auch postoperative Kontrollen durchgeführt. Im Warte­zimmer sei jeder zweite Stuhl entfernt worden, außerdem arbeiten er und seine Mitarbeiter mit Masken und Handschuhen.

Patienten nicht im Regen stehen lassen
Auch die meisten Zahnärzte haben weiterhin geöffnet, um Notfälle zu behandeln. Es sei ein schwieriger Abwägungsprozess, wie man mit der derzeitigen Situation umgehen soll, sagt etwa der Kitzbüheler Zahnarzt Robert Bauder: „Wir wollen unsere Patienten nicht im Regen stehen lassen. Ein verantwortungsloses Verschleppen von zahnmedizinischen Problemen ist auf zu lange Dauer nicht die Lösung!“ Gesunde Zähne hätten sehr viel allgemein medizinische Relevanz. Alle unwichtigen Behandlungen werden jedoch bis auf Weiteres verschoben. Eine Terminvereinbarung ist übrigens nicht nur bei ihm unabdingbar notwendig. Im Idealfall, träfen die Patienten gar nicht aufeinander und werden sofort in einen desinfizierten Behandlungsraum gesetzt, ist auch Bauder vorsichtig.
Aufatmen kann die St. Johanner Physiotherapeutin Karina Plattner. Sie hat derzeit wie viele ihre Kolleginnen auch ihre Praxis geschlossen. „Wir arbeiten sehr nahe am Patienten und es wäre auch schwierig mit Handschuhen dies zu tun“, sagt sie und betont: „Wir können es uns auch nicht leisten, einfach zwei Monate nicht zu arbeiten.“ Bis vergangene Woche wären solche Freiberufler im Gesundheitsbereich durch den Rost gefallen, doch auch hier gibt es jetzt Unterstützung. Margret Klausner

Zahnarzt Robert Bauder und seine Mitarbeiter schützen sich ebenfalls, behandeln aber unvermindert weiter. Foto: Bauder

 
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