11.02.2019
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Mit Freude, Liebe und Leidenschaft

Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgensteins herausragende Eigenschaft ist das enorme Interesse für Menschen, eine unvoreingenommene Liebe und Hingabe für den Augenblick und eine unstillbare Lust und Freude am Leben. Im Jahr 2019 zählt sie beachtliche hundert Lenze.  Die Schau im KCC wurde von Susanne Lanz (Lanz GmbH), einer Vertrauten der Familie, und Anja Hübner initiiert.

Reith | Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein ist Salzburgerin. Sie wurde 1919 als älteste Tochter von insgesamt neun Kindern des Baron Fritz Mayr-Melnhof und dessen Gattin Maria-Anna, eine geborene Gräfin von Meran, geboren.

Die Liebe zur Fotografie stiftete die Baronin Marie Mayr-Melnhof, eine Tante der Familie. Sie war eine Cosmopolitin, reiste viel und gern und dokumentierte ihre Erlebnisse in Fotoalben. Die damals achtjährige Marianne kann sich an den besonderen Moment und an das aufregende Gefühl erinnern, als sie die ledergebundenen Alben durchblättern durfte, die die Bilder einer fernen indischen Welt enthielten und auf denen die Baronin mit Elefanten, Tigern und mit Maharadschas in Palästen zu sehen war.

Mit knapp zehn Jahren die erste Kamera

Ab diesem Moment war der Wunsch entfacht, Fotografin zu werden. Nach langem Bitten erfüllten ihr ihre Eltern diesen Herzenswunsch. 1930 – mit knapp 10 Jahren bekam sie zu Ostern ihre erste Kamera. In hingebungsvollem Selbststudium erarbeitete sie sich alles selbst. Kein leichtes Unterfangen – die Filme und deren Entwicklung kosteten damals viel Geld, das in einer kinderreichen, wenn auch adeligen Familie, genau eingeteilt werden musste.

1941 ermöglichten die Eltern der damals 21-jährigen Marianne in München ein Studium an der „Blocherer Schule“ – eine Ausbildungsstätte für Innenarchitektur und Kommunikationsdesign. Bei ihrer Gastfamilie lernte sie ihren zukünftigen Mann Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein kennen, den sie 1942 in Glanegg bei Salzburg heiratete.

Die Fürstin mit der Kamera

Die Entbehrungen des Krieges schürten in der Fürstin und ihrem Mann ein unstillbares Verlangen nach einem Leben voller Leidenschaft und mit Kriegsende begann man alles nachzuholen, was dieser jungen aufstrebenden Generation für viele Jahre genommen wurde. Man unternahm Reisen nach Italien, besuchte Feste in Botschaften und verbrachte viel Zeit bei den Autorennen am nahegelegenen Nürburgring. Und so nutzte man auch die Gelegenheit bei jedem Rennen dabei zu sein, die Fürstin immer mit ihrer Kamera, in Erwartung auf den besten Bildmoment. Die Nähe zur Rennstrecke, eine Entfernung von einer halben Autostunde zum Schloss Sayn und die spärlichen Übernachtungsmöglichkeiten ermöglichten es, dass viele Rennfahrer häufig zu Besuch kamen und schließlich zu Freunden der Familie wurden.

1962 war die Fürstin durch einen tragischen Unglücksfall plötzlich auf sich selbst gestellt. Ihr Mann ist bei einem Verkehrsunfall – er wurde vor dem Haus von einem Lastwagenfahrer niedergefahren – tödlich verunglückt. Als Mutter von fünf Kindern musste sie nun das Leben ihrer Familie alleine organisieren, ihre Kinder erziehen und den Lebensunterhalt als Fotografin verdienen.

Caroline von Monaco nennt sie „Mamaraza“

Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein wird gerne auch salopp „Mamaraza“ genannt, ein Kosename, den ihr Caroline von Monaco gegeben hatte, der aber eigentlich gar nicht zu ihr passt. Die Fürstin war zwar mit der Kamera immer auf der Suche nach dem perfekten Bild, doch war sie nie eine Fotografin, die wahllos oder mit Hintergedanken auf den Auslöser gedrückt hatte. Jedes ihrer Bilder entstand mit Achtsamkeit, bewusst und vor allem gezielt. Die Manier der heutigen Digitalfotografie mit Bilderserien eines einzigen Moments sind ihr fremd, ja sogar zuwider. Sie sieht darin eine Vergeudung der Ressourcen. Sinnloses Befüllen von Speicherplatten und das Schaffen von Datenfriedhöfen im digitalen Nirvana kann sie nicht verstehen.

Über 200.000 Fotografien im Archiv

Ihr Bilderarchiv, das von ihrer Familie verwaltet und betreut wird, umfasst über 200.000 Bilder. Sie alle sind fein-säuberlich katalogisiert, beschriftet und geordnet. Diese akribisch genau dokumentierte Sammlung in 300 Alben wurde nicht von Kunsthistorikern oder Sammlungsbeauftragten sortiert, es ist das Werk der Fürstin selbst. Seit ihrem ersten Foto 1930 hatte sie mit eiserner Disziplin alle Namen der Personen, alle Orte und Ereignisse zu jedem Bild notiert.

Der Virus für Autoschwärmerei dürfte in der Familie liegen. Die Fürstin zu Sayn-Wittgenstein hat diese Begeisterung an ihre Kinder weitergegeben, vor allem an ihren Sohn Peter.

Die „Mamaraza“ im Kitzbüheler Country Club

Bei einer Führung von Prinz Peter zu Sayn-Wittgenstein durch die beachtliche Ausstellung im KCC Kitzbühel, die einen außergewöhnlichen Abriss eines halben Jahrhunderts Renngeschichte zeigt, bekommt man regelrecht das Gefühl, mit einem wandelnden Lexikon unterwegs zu sein. Er kennt alle Daten und Namen sowie Hintergrundinformationen zu Situationen und Ereignissen, die sich vor oder nach einer Aufnahme ereignet haben.

Bei den Bildern der legendären Autorennen der „Milla Miglia“ (ital. „1000 Meilen“) auf öffentlichen Straßen von 1927 – 1957 kommt Prinz Peter zu Sayn-Wittgenstein förmlich ins Schwärmen. Zu jedem Bild seiner Mutter weiß er etwas zu berichten, kennt Geschichten und Anekdoten zu den abgebildeten Personen und lässt regelrecht eine längst vergangene Zeit für ein paar Momente auferstehen.

Legenden des Ski- und Rennsports

Legenden des Skisports, wie der Franzose Jean-Claude Killy, der 1967 die Kombination des Hahnenkamm-Rennens (Abfahrt und Slalom) gewann und auch dem Rennsport verfallen war, ist in einem Bild der Fürstin zu erkennen. Auch zeigen sie historisch bedeutungsvolle Momente beim Großen Preis von Deutschland in Hockenheim, wo Jochen Rindt seinen letzten Formel 1 Sieg heimfuhr, bevor er tödlich verunglückte.

Was man in ihrer Bildersammlung sicherlich nicht finden wird, sind indiskrete Bilder, eine Qualität, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Diskretion und ein hohes Berufsethos sicherten der Fürstin nicht nur ihren Erfolg, sondern auch die persönliche, wertschätzende und lebenslange Verbindung zu vielen Staatsmännern, Schauspielern, Sportlern und Rennfahrern.

Was trieb und treibt auch heute noch diese beeindruckende Frau an? Wer oder was motiviert sie in all ihrem Tun?

Es war sicherlich ihre positive Grundeinstellung und ein großer Wissensdurst. Sie war „neugierig auf jeden neuen Tag, auf jede neue Begegnung“, wie sie selbst von sich sagt.

Einblicke in die Welt der Fürstin

Eine einzigartige Gelegenheit, den Geschichten und Erzählungen aus erster Hand zu lauschen, bietet sich für Kitzbüheler Anzeiger Leser am Sonntag, 24. Februar, um 15 Uhr. Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein wird im KCC zu Gast sein, Autogramme signieren und mit ihrem Sohn Prinz Peter zu Sayn-Wittgenstein die Ausstellung vorstellen.

Anmeldung unter info@kitzanzeiger.at oder Tel. 05356 6976-10 bis Montag, 18. Februar.
Eine Teilnahme ist nur mit Anmeldung möglich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

KunstBlicke / Mag. Martina Dorner-Bauer ist Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin, Autorin, Betreuerin div. Kunstsammlungen und Gründerin der Agentur DieKunstagenten.
martina@diekunstagenten.at    

 
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