24.01.2021
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Medizin kommt mit dem Helikopter

Die St. Johannerin Lisa Finger ist mit Leib und Seele Ärztin – ihren ersten Einsatz bei „Ärzte ohne Grenzen“ war eine große Herausforderung, aber auch sehr sinnstiftend, wie sie betont.

St. Johann | Kurz vor Weihnachten kehrte Lisa Finger von ihrem ersten Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“ aus dem afrikanischen Kongo zurück. Sechs Monate hat die 31-Jährige dort in einem Krankenhaus mitten im Busch gearbeitet. Die Herausforderung mit einfachsten Mitteln Menschen zu behandeln, hat die St. Johannerin nach diesem halben Jahr sehr geprägt: „In unserer Wohlstandswelt kann man sich ja kaum vorstellen, was es heißt ohne Strom und fließendes Wasser zu leben. Dass schwangere Frauen oft tagelang unterwegs sind, bis sie im Krankenhaus behandelt werden können, ist für uns nahezu unvorstellbar“, erzählt sie.

Bereits während ihrer Schulzeit interessierte sie sich für „Ärzte ohne Grenzen“. Nach der Matura zog es sie zum Medizinstudium nach Wien. Schon während der Studienzeit verbrachte Finger für ein Projekt drei Monate im Kongo. Nach ihrer Promotion absolvierte sie ihren Turnus in St. Pölten und entschied sich Allgemeinmedizinerin zu werden.
Der Wunsch als Ärztin in Afrika zu arbeiten, verstärkte sich immer mehr. Finger absolvierte einen dreimonatigen Diplomkurs für Tropenmedizin und bewarb sich dann bei den „Ärzten ohne Grenzen“. Nach einem Vorbereitungskurs in der Schweiz hätte es im März des Vorjahres bereits losgehen sollen, doch aufgrund der Corona-Pandemie saß sie letztendlich erst im Juni im Flieger.

„Ich wurde dem Projekt „Kalehe“ in der Provinz Südkivu zugeteilt“, erzählt Finger. Dort hat die Organisation mitten im Busch das Krankenhaus „Kusisa“ errichtet.
„Es führt keine Straße dorthin. Medikamente werden per Helikopter angeliefert oder Träger bringen sie“, erzählt Finger. Als Fortbewegungsmittel stehen den Ärzten Motocrossmaschinen zur Verfügung. Die Tiroler Ärztin war unter anderem für die Gesundheit des Teams – zehn internationale, sowie 60 lokale Mitarbeiter zuständig.

Im Busch gibt es kaum Geräte oder Tests
Eine der großen Herausforderungen für das Ärzteteam sind die wenigen Geräte, die zur Verfügung stehen. Alles was in Mitteleuropa völlig normal ist – von der Blutuntersuchung bis  hin zum Röntgenbild - ist dort nur eingeschränkt möglich. Man müsse sich da auf seine eigenen Fähigkeiten und sein Können verlassen, sagt die Ärztin. „Wenn es auch ein sehr anstrengender Arbeitsalltag ist, ist es auch sehr positiv“, sagt Finger. Malaria ist die häufigste Krankheit, ansonsten sind Durchfallerkrankungen und Atemwegserkrankungen, aber auch gehäuft Mangelernährung, HIV und Tuberkulose zu behandeln. Oft sei das Feststellen einer Diagnose eine riesige Herausforderung. Da fehle es oft an den notwendigen Tests. Um ins Spital zu gelangen, sind die Menschen oft stundenlang über Stock und Stein unterwegs, bevor sie Hilfe bekommen. „Das war bei uns vielleicht ganz, ganz früher bei den Bergbauern so“, veranschaulicht die Ärztin die Situation.  

In besonderer Erinnerung blieb ihr die kleine Dorika. Das Kind wurde mit Husten und Bauchschmerzen eingeliefert, war schwer mangelernährt und sehr schlecht entwickelt. Sie erhielt eine Magensonde und wurde im Spital liebevoll betreut und behandelt. „War das Mädchen bei ihrer Einlieferung noch depressiv, traurig und apathisch, hat sie bei ihrem Abschied gelacht“, war das für Finger ein tolles Erfolgserlebnis.
„Patienten zu helfen, die ohne uns keine Chance zum Überleben haben, ist eine besondere Befriedigung“, erklärt die Ärztin. Das Team sei sehr wichtig gewesen, hier habe sie auch den notwendigen Rückhalt gefunden. Auch wenn die medizinische Betreuung im Vordergrund stand, engagierte sich das Team auch in der kargen Freizeit. So sei zum Beispiel ein Frauenfußballteam gegründet worden.  

Die Entscheidung gerade für  „Ärzte ohne Grenzen“ zu arbeiten, sei für sie eine ganz klare gewesen. Auch ihr Freund Stephan – er ist derzeit im Südsudan im Einsatz – arbeitet für die Organisation. „Seit 40 Jahren ist die Organisation im Kongo aktiv. Das schafft eine gewisse Sicherheit“, sagt Finger, die auch versichert, „dass dank der vielen Kontrollmechanismen das Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird.“ Infos: www.aerzte-ohne-grenzen.at. Margret Klausner

Bild: Im von den „Ärzte ohne Grenzen“ erbauten Spital Kusisa behandelte  Lisa Finger ein halbes Jahr liebevoll ihre Patienten. Fotos: Finger

 
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