11.12.2017
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„Masern können tödlich enden“

Einige Eltern lassen ihre Kinder nicht gegen Masern impfen. Warum Masern gefährlich sind, wie eine Impfung funktioniert und zu welchen Nebenwirkungen es kommen kann, erklärt der Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz-Martin Fink, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im BKH St. Johann.

Warum sind Masern gefährlich?

In Industriestaaten stirbt etwa eines von 1.000 mit Masern infizierten und gemeldeten Kindern daran. Die Komplikationsrate beträgt in den Industrienationen 20 Prozent. Am häufigsten werden Durchfälle, Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen beobachtet, gefolgt von Krampfanfällen.

Gefürchtet ist die Masernenzephalitis, die bei etwa ein bis zwei pro 1.000 gemeldeten Maserninfektionen auftritt. Davon verlaufen 25 Prozent tödlich, ein Drittel der Überlebenden hat bleibende, schwere Folgeschäden.

Dazu kommt noch die - viele Jahre nach der Masernerkrankung - mit dem Tod endende subakut sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine schleichend voranschreitende Entzündung mit Zerstörung des Gehirns. Eines von 600 Kindern, welches im ersten Lebensjahr an Masern erkrankt, verstirbt im Volksschulalter daran. Das Risiko bei Kleinkindern liegt bei 1:2.000. Ist die Mutter nicht immun gegen Masern, erkrankt bereits das Neugeborene im Falle eines Masernkontakts (fehlender Nestschutz).

Zudem verursachen Masern durch Schwächung des Immunsystems ein mehrere Jahre anhaltendes erhöhtes Risiko, an anderen Infektionskrankheiten zu sterben.

In Österreich wird der Dreifachimpfstoff Masern-Mumps-Röteln ab dem zehnten Lebensmonat empfohlen. Gibt es Nebenwirkungen?

Die Verträglichkeit ist hervorragend, unerwünschte Wirkungen äußerst selten und selbst diese in der Regel völlig harmlos. Bei der Impfung wird eine kleine Menge abgeschwächter, lebender Viren verabreicht. Es läuft dann eine in der Regel nicht krankmachende Infektion mit diesen schwachen Impfviren ab. Das gesunde Immunsystem bildet innerhalb einer Woche Antikörper dagegen, die diese Infektion beenden. Diese Antikörper sind dann lebenslang vorhanden und wehren Masern-, Mumps- und Rötelnviren bei Kontakt mit Erkrankten ab.

Die meisten Geimpften haben nach der Masern-Mumps-Röteln-Impfung überhaupt keine Beschwerden. Wie bei jeder Virusinfektion sind jedoch gelegentlich geringe Beschwerden einer milden Viruserkrankung möglich – etwa wie bei einem „banalen“ Infekt, wie ihn wohl jeder Mensch mindestens einmal im Jahr durchmacht – möglich.

Ernsthafte Komplikation sind extrem selten und betreffen fast ausschließlich Menschen mit gravierenden Störungen des Immunsystems. Bei gravierender Immunschwäche darf der Impfstoff nicht angewendet werden, auch nicht in der Schwangerschaft.

Und was ist mit den Erwachsenen, die als Kind nicht geimpft wurden - muss man nachimpfen?

Ja, wer als Kind nicht geimpft wurde (und Masern nicht nachgewiesenermaßen durchgemacht hat) muss geimpft werden.

Was sagen Sie Menschen, die sich gegen eine Impfung aussprechen?

Ich rate ihnen, sich und ihre Kinder impfen zu lassen. Keine andere Maßnahme kann eine rechtzeitige Impfung ersetzen. Insbesondere gesunde Lebensweise, Homöopathie oder andere sogenannte alternativmedizinische Heilmethoden können nicht schützen.

Zumindest die kostenlos angebotenen Impfungen sollten den Kindern nicht vorenthalten oder erst verspätet verabreicht werden. Damit wird das Baby vor Infektionskrankheiten weitgehend geschützt, die bereits im 1. Lebensjahr möglich und gefährlich sind. Auch mütterliche Antikörper schützen Babys nur wenige Monate und inkomplett. Babys von Müttern ohne Impfschutz sind noch weniger geschützt.

Impfungen zählen zu den wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zur Prävention von Infektionskrankheiten. Sie verhindern weltweit Jahr für Jahr Millionen von Todesfälllen und Krankheitsfolgen nach Infektionskrankheiten.

Impfkritiker sagen auch, dass z.B. Masern wichtig für die Entwicklung des Kindes sind, da
das Immunsystem gestärkt wird. Was sagen Sie dazu?

Das halte ich für eine völlig unhaltbare Behauptung. Masern im Speziellen führen zu einer bekannten und nachweisbaren, längere Zeit anhaltenden relevanten Schwächung des Immunsystems. Kürzlich wurde auch nachgewiesen, dass bei Masernerkrankten eine zwei bis drei Jahre anhaltende Schwäche der Immunabwehr auftritt, die zu einer gesteigerten Sterblichkeit an anderen Infektionskrankheiten führen kann (Mina MJ et al., Science 348, 2015).

Was sagen Sie zu dem Argument von Impfkritikern, dass an Impfungen hauptsächlich die Pharmaindustrie profitiert?

Von einer wirksamen und verträglichen Impfung profitiert vor allem der Geimpfte und derjenige Ungeschützte, der vom Geimpften nicht mehr angesteckt werden kann. Dass sich gute Produkte für den Hersteller auch lohnen, ist für mich selbstverständlich.

Welche Gefahren sehen Sie, wenn Kinder und Erwachsene nicht geimpft werden?

Wie bereits mehrfach erwähnt, können Masern im schlimmsten Fall zum Tod führen. Es geht nicht ausschließlich um denjenigen, der eine Impfung ablehnt bzw. für den die Eltern eine Impfung ablehnen, sondern im Sinne einer sozialen Verantwortung auch um diejenigen, die selbst nicht geimpft werden können (z.B. bei Immunschwächeerkrankung oder Säuglingen) und durch eine Masernerkrankung in Lebensgefahr geraten.
Johanna  Monitzer

 
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