15.01.2019
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Malerei und Poesie handeln

„Abstrakte Kunst ist Handschrift, Farbe, Tanz, Spiel, Zeichen, Einfall, Rede, Wort, Überfluß, Bewegung, Geschwindigkeit“ – so formuliert Hans Staudacher in einem Manifest von 1960 sein Kunstcredo. Am 14. Jänner feiert der Kreative seinen 96. Geburtstag.

Wien, Kitzbühel | Der Kärntner Künstler Hans Staudacher (*1923) ist in der internationalen Kunstabteilung allseits bekannt, seine Bilder sind in zahlreichen Sammlungen und bei Auktionen vertreten. Seine künstlerischen Anfänge machte Staudacher in der gegenständlichen Malerei als Autodidakt. In der Malschule von Arnold Clementschitsch verfeinerte er seine Kunst, zog dann nach Wien und widmete sich ab 1950 schließlich der Abstraktion.

Während längerer Auslandsaufenthalte in Paris zwischen 1954 und 1962 entdeckte Staudacher den französischen Tachismus (la tache bedeutet „Farbfleck“ und ist eine besondere Form der abstrakten Malerei). Der Künstler ließ sich auf diese emotionsgesteuerte Art des Malens ein und entwickelte eine ganz persönliche Handschrift. Staudachers künstlerischer Ausdruck wurde zu einer besonderen Form der informellen Malerei, eine Kunstrichtung, die sich ausgehend von Paris dem „Prinzip der Formlosigkeit“ (ab 1940) widmete.

Der kinetische Einsatz des Körpers

Staudachers künstlerisches Schaffen bedeutet Aktion. Der Rhythmus der Hand, der kinetische Einsatz des Körpers während des Malprozesses, innere Gestik und abstrakte Begrifflichkeiten bestimmen Staudachers Werke. Sie präsentieren sich als eine einzigartige Verschmelzung der Kunstrichtungen des lyrisch inspirierten Informel und des expressiven Action Paintings.Seine Themen schöpft er immer wieder aus seiner aktuellen Lebenswelt. Dabei lässt er sich ganz auf sein Erlebtes ein, durchlebt mit seinen Emotionen den Schaffensprozess. Es entstehen Bilder, die immer in Beziehung zu seiner Umwelt stehen und das ausdrücken, was ihn beschäftigt und bewegt.

Hans Staudacher und Kitzbühel

1974 kam Staudacher auf Einladung des Gründers der Zeitkunstgalerie Ferdinand Maier nach Kitzbühel. Maier hatte Staudacher bei einer Ausstellungseröffnung seines Freundes Ernst Insam kennengelernt. Staudacher, der hungrig nach neuen und inspirierenden Inhalten war, bezog für ein paar Wochen eine kleine Wohnung in der Hammerschmiedstraße. Die Annehmlichkeiten durch das Leben im Familienverband der Maiers spielten Staudacher frei für seine Kunst und so konnte er sich ganz auf die Stadt, die Bergkulisse und das Tiroler Volk einlassen.

Hans Staudachers Blick auf die Gamsstadt

Ein Ergebnis dieses inspirierenden Arbeitsaufenthaltes ist das Bild Kitzbühel 1974. Der eindeutig wahrnehmbare Bildinhalt – der Blick auf die Dächerlandschaft von Kitzbühel erscheint als pulsierender Moment und entspricht, bis auf die Abänderung der Bergkulisse, dem Blick von Staudachers zeitweiligem Quartier – „der Kulturblick von Ferd. Maier aus“, wie der Künstler handschriftlich vermerkt und mit anderen Bildelementen verwebt. Die Kirche und die schematisch angedeuteten Gebäude werden mit bewusst gesetzten Achsen verbunden. Im Hintergrund erscheint die beeindruckende Bergwelt, die als rhythmischer Ausdruck mit der Wolkenstimmung zu verschmelzen scheint. Staudachers Interpretation beschränkt sich nicht nur auf ein erzählerisches Moment – er tritt als Künstler in eine Phase einer temperamentvollen Gestikulation.

Bild mit Botschaften

Form, Farbe und Schrift treten gleichwertig in Erscheinung. Bei genauerer Betrachtung werden skripturale Elemente erkennbar, die sich manchmal als trockene Bezeichnung, oftmals aber als humorvolle, zeitkritische oder verschlüsselte Kommentare zeigen. So fügt er zur rhythmisch-gestalteten Wolkenkulisse eine verbale Beschreibung „Engelsloch Nr. 1“ oder „Petrusloch“ hinzu oder kommentiert im linken unteren Bildbereich die Kitzbüheler Kultur mit „hm-tata, hm-tata, hm-tata.“

Staudacher beschränkt sich nicht nur auf eine künstlerische Gestaltung, er durchlebt seine Kunst, indem er sich ausschließlich von seinem sensiblen Gespür, seinem Instinkt und seiner Spontanität und vor allem von seinem doppeldeutigen Humor leiten lässt.

Staudacher wurde mehrfach ausgezeichnet. Die wichtigste Auszeichnung für einen Künstler ist allerdings, dass sein Werk den Betrachter berührt, erfreut, aufregt, fesselt und beschäftigt. Staudachers Kunst geht ans Herz – ganz im Sinne des Künstlers, der mit Herz und allen Sinnen in seinen kreativen Schaffensprozess eintaucht.

Bild: Hans Staudacher „Kitzbühel“ (1974, Öl/Tusche auf Hartfaser, 97 x 67 cm).
Foto: Dorner-Bauer, Bildrechte: Zeitkunstgalerie

KunstBlicke: Mag. Martina Dorner-Bauer ist Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin, Autorin, Betreuerin div. Kunstsammlungen und Gründerin der Agentur DieKunstagenten.
martina@diekunstagenten.at     

 
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