06.08.2020
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Liebe ist, wenn der Hummer tanzt

Das Sommertheater Kitzbühel vertauscht in seiner 19. Auflage französischen Humor mit schottischem Esprit und bringt mit „Midsummer“ allen äußeren Umständen zum Trotz auch heuer ein Stück auf die Bühne des K3. Am Donnerstag konnte sogar dank umfangreichem Sicherheitskonzept Gala-Premiere gefeiert werden.

Kitzbühel  | Frau trifft Mann in einer Bar. Sie machen daraufhin etwas, das dank Corona ja beinahe schon verboten ist: sie kommen sich näher. Dazu gibt es ein paar Takte Musik und ... doch Halt! Wenn Sie jetzt glauben, sie hätten schon alles über das neueste Stück des Sommertheaters gehört, täuschen Sie sich gewaltig. Autor David Greig durchbricht in „Midsummer“ die klassische Erzählebene in Form von „Er-sagt-Sie-sagt“ und lässt seine Figuren stattdessen das Geschehen auf der Bühne kommentieren, während sie es noch durchleben. Das Publikum wird dadurch gleichsam zum Mitverschwörer, fühlt sich allwissend über das Innenleben der Hauptdarsteller und ist dennoch nicht im mindesten vorbereitet auf die Absurditäten, welche das Skript noch bereit hält. Sie werden tanzende Hummer erleben, kriminelle Gartenzwerge mit einem verdammt harten rechten Haken und Fesselspiele im nächtlichen Edinburgh. Falls irgendwelche Zweifel aufkommen sollten: Wir befinden uns dennoch inmitten einer eigentlich ganz klassischen Liebesgeschichte. Scheidungsanwältin Helena trifft dabei auf Bob, der sich immer sehr hart an der Grenze der Legalität (und zwar auf der anderen Seite der Linie) bewegt. Sie will durch eine Nacht mit ihm zunächst nur vergessen, dass sie von ihrem verheirateten Liebhaber versetzt worden ist und muss sich – genauso wie Bob – sehr bald die Frage stellen, welche Wendung sie ihrem Leben geben soll, jetzt da die magische Grenze der 40 erreicht ist.

Eine Wundertüte an Showelementen
„Midsummer“ bedient gleichzeitig mehrere Ebenen und spielt zudem noch gewaltig auf der Klaviatur der Stilrichtungen. Das Stück ist eine Wundertüte aus Slapstick, Musical, Liebesgeschichte, Roadmovie und Gaunerkomödie.
Die beiden Hauptdarsteller Sandra Cirolini und Leopold Dallinger müssen daher sehr schnell „umschalten“ können von klassischen, emotional tiefgängigen Szenen bis hin zu aberwitzigen Hau-Drauf-Momenten. Schauspielerisch gesehen also das Äquivalent zu einem Weltrekordversuch im Dauer-Ping-Pong. Alistair Reid bietet im Laufe des Reigens immer wieder seine hilfreiche Hand bzw. seine Stimme aus dem Off – und vergessen wir nicht, dass er auch noch ein toller Musiker ist.  Sind die Zeiten hart, wollen die Menschen gerne lachen. „Midsummer“ bietet dazu eine reizende Gelegenheit. Lassen Sie sich gerne auf das etwas andere Bühnenerlebnis ein, wenn Sie mögen. Elisabeth Galehr

Foto: Helena (Sandra Cirolini) und Bob (Leopold Dallinger) verstricken sich in die Ereignisse eines Wochenendes. Foto: Galehr

 
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