31.01.2017
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Licht und Schatten in Hotelbranche

Siegfried Egger, der Obmann des österreichischen Fachverbands für Hotellerie, bewertet im Interview mit dem Kitzbüheler Anzeiger die aktuelle Lage der Branche.

Bezirk  | Kürzlich nahm der bundesweite Koordinierungsausschuss Tourismus Österreich (KAT) seine Tätigkeit auf. Was kann sich die Hotellerie davon versprechen?

In diesem Gremium sitzen die wichtigsten Vertreter der Touristiker sowie die Top-Praktiker. Das hat den Hintergrund, dass wir gemeinsam ein Netzwerk schaffen, das die gemeinsame Meinung des Tourismus abbildet. Das gab‘s bereits in Tirol, nun auch auf Bundesebene. Es soll kein Weg am KAT vorbeiführen. Wir wollen dabei unsere Vorschläge überbringen, damit die Politik handeln kann.

Das Thema Fachkräftemangel war ja ein drängendes in der vergangenen Zeit. Gibt es hier Lösungsansätze?

Wir müssen bei einem anderen Punkt anfangen. In Tirol haben wir von 2001 bis jetzt in der Hotellerie um 50 Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Wir hatten eine zeitlang viele deutsche Arbeitskräfte und auch welche aus anderen Ländern. Das Problem ist, dass diese Mitarbeiter nicht jahrelang bleiben. Mir ist auch wichtig zu betonen: Wir haben heute in der Branche nicht einen Einheimischen weniger beschäftigt als noch vor zehn Jahren. Allerdings haben wir mehr Arbeitsplätze in diesem Segment. Wenn man weiß, dass zum Beispiel die Schüler von Tourismusschulen in andere Branchen wechseln, dann müssen wir entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, dass man an uns als Arbeitgeber nicht mehr vorbeikann. Wir in Tirol zahlen die höchsten Tourismuslöhne. Allerdings können viele nur sieben bis zehn Monate Arbeit bieten. Daher müssen wir verstärkt Ganzjahresbetriebe ansiedeln. Bei uns im Bezirk haben wir schon viele davon. Dadurch werden wir attraktiver. Ich lasse nicht gelten, dass die Hotellerie schlecht bezahle. Ich behaupte, wer in der Branche schlecht bezahlt, der kriegt in der Regel auch keine Mitarbeiter. Am liebsten wäre uns natürlich, wir würden Fachkräfte bekommen. Da braucht es Modelle. Wir müssen auf flexiblere Arbeitszeiten drängen. Man muss auch über die Zumutbarkeit diskutieren. Es kann doch nicht sein, dass wir einem Portugiesen zumuten können, zum Arbeiten nach Österreich zu kommen, aber nicht einem Burgenländer, nach Tirol zu gehen.

Die Österreichische Hoteliervereinigung forderte kürzlich eine Exit-Strategie für überschuldete Hotelbetriebe. Wie sieht die Situation im Bezirk aus?

Es gibt auch im Bezirk einige Betriebe mit hohem Investitionsstau. Hier muss man helfen – mit vernünftigen Betriebsübernahmen oder Ausstiegsstrategien, z.B. durch Steuererleichterungen. Und man sollte familiäre Übergaben nicht bestrafen. Ich denke, es schadet durchaus nicht, wenn man einen Betrieb nach der Übergabe – solange keine Gefahr im Verzug ist – die ersten vier, fünf Jahre nicht mit Grausligkeiten wie Betriebsanlagenprüfungen traktiert. Junge Leute kann man motivieren mit Maßnahmen wie Investitionszuschüssen und -freibeträgen.

Derzeit sind im Bezirk einige Projekte für Chalet- bzw. Hoteldörfer im Gespräch. Braucht es das überhaupt?

Trends verändern sich. Das bestimmt der Kunde. Ich habe nichts gegen Chalets, wo der Markt das fordert, aber durchaus habe ich etwas gegen flächendeckende Veränderung. Der gesunde Mix macht‘s aus.

Einen großen Schritt weiter ging es beim Thema Buchungsplattformen. Die Hoteliers müssen sich jetzt keine Preise mehr diktieren lassen. Was gibt es dazu für Rückmeldungen?

Das ist europaweit nahezu einmalig, das gibt‘s nur in Frankreich und Österreich. Früher konnten die Vermieter nicht reagieren, z.B. am Freitag die Preise senken, wenn am Samstag noch Kapazitäten frei sind. Aber es kann schließlich nicht sein, dass die Plattformen sich im Wettbewerb bewegen dürfen und ich als End-Dienstleistungsgeber nicht.

Wie ist der Umgang mit dem Privatquartier-Portal „Airbnb“?

Bei „Airbnb“ wünsche ich mir einen Mitbewerb auf Augenhöhe, das heißt, die haben genauso die Kurtaxe abzuführen und Steuern zu zahlen. Airbnb ist schon eine Chance für die kleinen Privatzimmervermieter. Mir geht‘s nur um solche, die als kurtaxen- und steuerfreie Konkurrenz agieren. Hier braucht es eine europaweite Lösung. Die Finanzminister der Länder sollen sich zusammen setzen. Das Hauptproblem mit Airbnb haben die Städte. In den Tiroler Regionen ist das Thema noch eher klein.  Elisabeth Galehr

 
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