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30.08.2019
News  
 

Leserbriefe zum Theaterstück „Die Sage vom Jöchi Toifi“

Wie unterschiedlich die Meinungen zu einem bestimmten Thema sein können, zeigt sich oftmals in den Leserbriefen, welche uns zugesandt werden. Hier die Zuschriften zum Theaterstück "Die Sage vom Jöchi-Toifi" auch online:

Ein „toiflischer“ Sommer geht zu Ende (KW 35)

Mit ihrem ersten Freiluft-Theaterstück „Die Sage vom Jöchi-Toifi“ hat die Heimatbühne Kirchdorf keine Kosten und Mühen gescheut und dem treuen Publikum eine perfekte Inszenierung und viele spannende, unterhaltsame und emotionale Theaterabende beschert. Ich als Autorin möchte mich recht herzlich beim ganzen Ensemble bedanken, auch bei der Jungbauernschaft-Landjugend Kirchdorf-Erpfendorf. Danke für eure Bereitschaft, diesen Sommer dem Theaterspiel zu opfern! Ein herzlicher Dank gilt auch der Familie Dornauer von der Griesner Alm und dem Almpächter für die Zurverfügungstellung der Infrastruktur und die hervorragende Zusammenarbeit! Allen Sponsoren, der Gemeinde Kirchdorf und sonstigen Vereinen (BMK Kirchdorf und Erpfendorf, Wintersteller Schützen, Kulturverein Kirchdorf, FF Kirchdorf, uvm.) sei herzlich für ihre Unterstützung gedankt! Nur gemeinsam kann in einem eher kleinen Dorf ein so großes Projekt verwirklicht werden. Und die Gemeinde Kirchdorf hat damit über seine Ortsgrenzen hinaus von sich reden gemacht!

In all die Freude über das Gelungene mischt sich jedoch Wehmut. Aber ich bin nicht traurig, dass es vorbei ist, vielmehr glücklich, dass ich erleben durfte, wie eine kleine Theatergruppe mit großem Zusammenhalt, Enthusiasmus und Überzeugung so ein großes Projekt gestemmt hat. Und ich bin stolz auf alle Mitwirkenden!

Zum Leserbrief im Kitzbüheler Anzeiger Nr. 34 von Sabina Moser aus Kitzbühel möchte ich einige Dinge anmerken. Schon vor über zehn Jahren habe ich im Gemeindearchiv Kirchdorf herausgefunden, dass laut „Theresianischem Kataster“ die Familie Trixl-Aigner-Filzer erst seit dem Jahr 1778 ohne Unterbrechung im Besitz des „Griesner Hofes“ ist (Erbhof seit 1983). Um das Jahr 1730, in dem unser Theaterstück spielt, ist ein gewisser Michael Trixl als Besitzer eingetragen. Einen Ruap oder eine Wetti – wie im Theaterstück – gab es als Griesner-Wirt/Wirtin nicht. Personen und Handlungen sind frei erfunden! Passagen aus der Sage (die sich in der Griesenau abgespielt haben soll) wurden übernommen, unterliegen jedoch auch der künstlerischen Interpretation.

Ich habe aus meiner Fantasie heraus nur ein Theaterstück erfunden und auf  keinen Fall Vorfahren der Familie Trixl, Gasthof Griesenau, in den Dreck gezogen, geschweige denn Rufschändung betrieben! Bereits bei der Premiere des Theaterstückes waren Elisabeth Trixl und ihr Sohn Jakob Trixl unter den Zuschauern. Dabei habe ich in meiner Begrüßungsansprache explizit darauf hingewiesen, dass „unsere“ Wirtsleute (Darsteller) nichts mit den Wirtsleuten beim Gasthof Griesenau zu tun haben. Weder Elisabeth noch ihr Sohn Jakob haben sich jemals bei mir beschwert. Die Heimatbühne Kirchdorf  hat nur eine Sage, die über Jahrhunderte und über viele Generationen weitererzählt wurde, in einen spannenden Theaterstoff verpackt. 13 ausverkaufte Vorstellungen und sehr viele positive mündliche und schriftliche Rückmeldungen zu unserem Freiluft-Theater sprechen für sich. Monika Steiner, Autorin, Kirchdorf

Einen neuen Fan gewonnen (KW 35)

Antwort auf den Leserbrief zum Theaterstück – Die Sage vom Jöchi-Toifi: Als erfahrene und begeisterte Theaterbesucherin möchte ich den Mitgliedern der Heimatbühne Kirchdorf für die überaus gelungene Freiluftinszenierung „Die Sage vom Jöchi-Toifi“  meine Hochachtung aussprechen. Ich bin überwältigt von der Leistung der Autorin, des Regisseurs und des gesamten Ensembles. Außerdem bin ich dankbar dafür, dass es in unserer Region Menschen gibt, die unentgeltlich sehr viel Zeit dafür opfern, andere Menschen zu unterhalten, zu berühren und Kultur näherzubringen, und dass es Menschen gibt, die mit so viel Talent und Engagement gesegnet sind.

Im Leserbrief des Kitzbüheler Anzeigers vom 22. August wird von der Schreiberin kritisiert, dass sich der derzeitige Griesenau-Wirt durch die im Stück vorkommende Bezeichnung Griesnerwirt „vor den Kopf geschlagen fühle“(wortwörtlich), da der Wirt Ruap in diesem Stück als Schlechtmensch dargestellt wird. Die Verfasserin des Leserbriefes schreibt weiter, dass eine Familie „in den Dreck gezogen“ werde (wortwörtlich)  und dass dies „unnötige Rufschändung“ sei (wortwörtlich). Der Großvater des derzeitigen Wirtes sei nämlich dafür bekannt gewesen, dass er jedem Bettler etwas gegeben habe.

Ich bin davon überzeugt, dass ich viele Unterstützer habe, wenn ich behaupte, dass dies alles bei den Haaren herbeigezogen ist. Wer glaubt, die Autorin dieses Theaterstückes hätte den Zweck der „Rufschändung“ verfolgt, der irrt gewaltig! Wer glaubt, dass eine Sage durch historische Fakten belegbar ist, der irrt ebenfalls gewaltig!

Schade ist, dass es durch so eine Art von Kritik leider immer weniger Menschen geben wird, die sich ehrenamtlich engagieren, weil es immer mehr Menschen gibt, die nach vermeintlichen Fehlern anderer suchen.

Abschließend möchte ich nochmals der Autorin Monika Steiner und dem Regisseur Mario Brunner sowie allen Mitwirkenden zu ihrer überragenden schauspielerischen Leistung gratulieren und ihnen  für ihre weiteren Produktionen viel Erfolg wünschen. Ihr habt mit mir einen neuen Fan eurer Theaterbühne gewonnen. Eveline Brandstätter, Waidring

Anmerkung zum Theaterstück „Die Sage vom Jöchi Toifi“ (KW34)

Die Freiluftinszenierung der Sage vom Jöchi Toifi bei der Griesneralm im Kaiserbachtal ist eine sehenswerte und sehr gut gespielte Weitererzählung der ursprünglich kurzen Sage, doch es gibt einen wunden Punkt bei der Geschichte, man könnte auch sagen, einen  blinder Fleck, auf den die Beteiligten nicht geschaut haben.

Obwohl, wie üblich, im Programm darauf hingewiesen wird, dass es sich um fiktive Begebenheiten handelt und Ähnlichkeiten mit realen Personen nicht beabsichtigt sind, wird doch schon in der Inhaltsangabe sehr deutlich, dass es sich bei dem Schauplatz um den Gasthof Griesenau handelt. Die Autorin Monika Steiner weist selbst in ihrer mündlichen Einleitung zum Stück (so geschehen bei der Aufführung am 16. August) darauf hin, dass es sich bei dem Stück um Ereignisse handelt, die sich vor etwa 300 Jahren bei dem großen Gasthaus am Eingang zum Kaiserbachtal abgespielt haben könnten.

Die Wirtsleute werden dann sehr überzeugend als hartherzige, ausbeuterische, geldgierige Menschen dargestellt, die den armen Findelbub misshandeln und hungern lassen und im Lauf des Stücks erfahren wir von der Kellnerin Kathi, dass der Wirt sie immer wieder vergewaltigt hat, wodurch sie zur Hure geworden ist und zuletzt wird noch angedeutet, dass wahrscheinlich der Wirt dann auch der Vater des kleinen Hansl ist. Und wir sehen mit dem Wirt einen Mann, der gnadenlos und brutal seine Macht missbraucht.

Nun erzählt mir der derzeitige Griesenau-Wirt Jakob Trixl, der von dieser Version der Geschichte wie vor den Kopf geschlagen ist, dass sein Großvater dafür bekannt war, dass er jedem Bettler etwas gegeben und jedem, der um eine Arbeit anfragte, eine gegeben hat.

Sicher, die reale Teufelskapelle befindet sich in unmittelbarer Nähe des Griesenauwirts, doch spielt das Stück in Bezirk Gasteig und es wäre leicht, für den fiktiven Wirt einen fiktiven Namen zu finden. Denn es stellt sich eine sehr einfache Frage: Wie würden sich der reale Griesenauwirt und seine Familie fühlen, wenn sie in dem Theaterstück sitzen? Und wie würde ich mich selbst fühlen, wenn meine Vorfahren und meine Familie auf diese Weise, ja man muss es sagen, in den Dreck gezogen würden?

Das Theaterstück gibt sich am Ende recht moralisch und so sagt der alte Hans in seinem Schlussmonolog, dass es nicht nur darauf ankommt, was der Mensch macht (siehe Kathi), sondern wie er ist. Die Heimatbühne Kirchdorf sollte ihren rechtmäßigen Erfolg nicht durch unnötige Rufschändung schmälern! Sabina Moser, Kitzbühel

 
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