09.03.2020
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Leistbarer Wohnraum – aber wie?

Der heimische Wohnungsmarkt stand heuer im Mittelpunkt des Tiroler Bautages, der kürzlich in Innsbruck über die Bühne gegangen ist.

Bezirk, Innsbruck | Bereits zum 13. Mal versammelten sich Experten der Bauwirtschaft am 20. Februar in der neuen Werkhalle der BAUAkademie und diskutierten beim Tiroler Bautag über die Frage, ob ein funktionierender Wohnungsmarkt ausreichend Platz für den privaten und den gemeinnützigen Wohnbau bietet.
Im Rahmen zweier Impulsvorträge beleuchteten Alexander Nußbaumer (ZIMA Unternehmensgruppe) und Karl Wurm (GF Neue Heimat) sowohl die private als auch die staatliche Sichtweise.

Wohnungen für jedes Lebensmodell
Alexander Nußbaumer stellte im Rahmen seines Vortrages die Frage in den Raum, warum der private gegen den gemeinnützigen Wohnbau ausgespielt wird: „Wir kaufen die gleichen Grundstücke, beschäftigen dieselben Handwerker und bauen den gleichen Standard. Zudem wickeln wir auch zahlreiche Projekte gemeinsam ab. Keiner will das soziale Ghetto haben, wir schaffen stattdessen eine positive Durchmischung, von der alle profitieren.“ Der Inhaber der ZIMA Unternehmensgruppe betont, dass durch jede private Wohnung, die errichtet wird, eine andere Wohnung frei wird: „Es geht hier um einen Kreislauf und um Lebensmodelle. Wir brauchen sowohl soziale Einstiegswohnungen als auch Eigentumswohnungen für spätere Phasen.“ Ein Problem sieht der Experte bei brachliegenden Grundstücken: „Spekulationen dürfen nicht steuerlich gefördert werden und die Politik sollte eine Grundsteuer für unverwendeten Baugrund vorsehen.“ In seinem Vortrag beleuchtete der Experte auch die Wohnbedürfnisse im Wandel der Zeit: „Während in den 70er Jahren Einheiten mit weniger Fläche, kleinen Fenstern und normalen Bädern errichtet wurden, bauen wir heute große Wohnungen mit Glasfronten und Wellnessoasen. Das Produkt musste schon alleine deshalb teurer werden, weil die Ansprüche gewachsen sind.“  

Gemeinnützige tragen hohe Verantwortung
Karl Wurm unterstrich: „Es geht nicht nur um Neubauten, sondern vor allem um den Bestand, den wir in Schuss halten müssen.“ Die gemeinnützigen Bauvereinigungen zeichnen für ein Viertel des österreichischen Wohnungsbestandes verantwortlich. Es gehe hier laut dem Experten nicht um eine Pole-Position des gemeinnützigen Wohnbaus, sondern um die Kontinuität der Leistung, die Qualität des Produkts und vor allem die Leistbarkeit für die Konsumenten. Was die gute Zusammenarbeit der beiden Seiten betrifft, stimmt Wurm seinem Vorredner Nußbaumer zu: „Manche Projekte können wir nur dann erfolgreich umsetzen, wenn wir mit privaten Bauträgern zusammenarbeiten. Ohne diese Partnerschaft hätten wir nicht das nötige Kapital, um teure Grundstücke zu kaufen.“ Laut Wurm braucht es ein diversifiziertes Angebot auf dem Markt – sowohl für einkommensschwache Menschen als auch für den Mittelstand und die „Elite“.
In Sachen Wohnbauförderung lobt Wurm das Land Tirol: „Die Politik hat es hier geschafft, einen hohen Refinanzierungsgrad zu erreichen. Das liegt auch daran, dass die Modelle nicht ständig verändert wurden.“

Spannende Podiumsdiskussion
Im Anschluss diskutierten Experten über mögliche Lösungsansätze, um Wohnen wieder leistbarer zu machen. „Es gibt viele Faktoren, die den Preis der Wohnungen beeinflussen. Mit der Vertragsraumordnung wurde ein Instrument geschaffen, welches eine positive Entwicklung vorantreiben kann“, so Landesrat Johannes Tratter. Dass es am Markt sowohl private als auch gemeinnützige Akteure braucht, betont Bürgermeister Georg Willi: „Die benötigte Wohnbauleistung können wir nur dann erreichen, wenn beide Seiten ihre speziellen Stärken am Markt einsetzen.“ Ein Problem sieht der Bürgermeister im Angebot für den Mittelstand, das zunehmend geringer wird: „Mit dem Modell 50 / 30 / 20 - soll heißen 50 Prozent geförderter Wohnbau, 30 Prozent förderungsnaher Wohnbau und 20 Prozent frei finanzierter Wohnbau möchten wir verhindern, dass viele junge Familien unsere Stadt verlassen müssen, weil sie in Innsbruck keinen leistbaren Wohnraum finden.“
In vielen Punkten sind sich die Diskutanten einig: Die Erhöhung der Wohnbaudichte, die Entschärfung von Vorgaben und Richtlinien, die Verhinderung von Spekulationen und die Erstellung von allgemeingültigen Regeln für brachliegende Grundstücke können wesentlich dazu beitragen, um Wohnraum wieder leistbarer zu machen.

Landesinnungsmeister Anton Rieder (Mitte) mit den Referenten des Tiroler Bautags 2020 Alexander Nußbaumer (Vorstand CEO, Inhaber der ZIMA Unternehmensgruppe, l.) und Karl Wurm (GF Neue Heimat, r.) Foto: Die Fotografen

 
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