06.08.2018
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Lebensglück im Hier und Jetzt

Im Sozialzentrum Pillerseetal steht nicht nur die Pflege, sondern vor allem die Identität der Bewohner im Vordergrund. Als erstes Haus in Tirol wird in Fieberbrunn das Pflegekonzept von Dr. Maria Riedl zertifiziert.   

Fieberbrunn | „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ – heißt es im Lied von Udo Jürgens. Mit Freude den Lebensabend genießen, trotz etwaiger körperlicher und geistiger Einschränkungen, das will das Team des Sozialzentrums Pillerseetal auch seinen Bewohnern ermöglichen. „Es geht um Lebensglück im Hier und Jetzt. Der Mensch mit all seinen Erfahrungen, Vorlieben, Eigenheiten und Ritualen steht bei uns im Pflegekonzept nach Dr. Maria Riedl im Vordergrund“, erklärt Pflegedienstleiter Herbert Breitmayer.

Seit 2005 arbeitet das Team des Sozialzentrums Pillerseetals an der Umsetzung des Integrativen Pflegekonzeptes. Am Anfang stand, wie bei Dr. Riedl selbst, die Unzufriedenheit. „Wir wollten in der Pflege etwas verändern, einen neuen Weg gehen, wo der Mensch, nicht die Diagnose zählt – weg vom defizitorientierten Denken und Handeln“, veranschaulicht Breitmayer.

Die Vergangenheit als Schlüssel zur Zukunft

Dr. Maria Riedl entwickelte in jahrelanger Forschungsarbeit ein allumfassendes Konzept, welches u.a auf die fünf Identitätssäulen nach H.G.  Petzold aufbaut. Laut dem Konzept gilt es auch im Alter den Selbstwert zu stärken, damit der Lebenssinn nicht verloren geht. Die Lebensgeschichte jedes Einzelnen steht im Vordergrund, denn sie spielt meist eine große Rolle für die Verhaltensweise im Alter. So spricht man im Sozialzentrum Pillerseetal mit den Klienten über ihre Vergangenheit und versucht herauszufinden, welche gefühlsbiografischen Erfahrungen sie gesammelt haben. „Unsere Bewohner haben eine kollektive Lebensgeschichte, aber es zählt die Wahrnehmung des einzelnen Bewohners, wie er diese erlebte“ erzählt Andrea Kranz, Leiterin vom geschützten  Wohnbereich für Menschen mit Demenz. Die Pfleger haben die Aufgabe, sich mit den Lebensgewohnheiten der Bewohner auseinanderzusetzen und diese auch zuzulassen.

Mitarbeiter werden umfangreich geschult

Alle Mitarbeiter werden nach dem Konzept von Dr. Maria Riedl geschult und lernen auf die verschiedenen Situationen entsprechend zu reagieren. „Besonders bei psychiatrischen Diagnosen, wie Demenz, braucht es viel Einfühlungsvermögen. Wenn sich die Bewohner wohlfühlen, dann überträgt sich das auch auf die Mitarbeiter. Die Pflege und ganzheitliche Begleitung macht dann sehr viel Spaß“, erklärt Kranz. 80 Klienten werden im Sozialzentrum betreut. Über 60 Freiwillige bringen sich in allen Bereichen ein. Personalmangel, wie es andere Einrichtungen kennen, steuert man in Fieberbrunn aktiv dagegen: „Wir arbeiten generationsübergreifend. Praktikanten, Schüler, Zivildiener und die Jugend im allgemeinen für den Pflegeberuf zu begeistern, gehören zu unseren Aufgaben. Sie sind unsere Zukunft. Daher haben wir keine Probleme gute Mitarbeiter zu finden.“

Ein „Daheim“ im Heim schaffen

Der hohe Stellenwert, den das Wohlbefinden jedes Einzelnen einnimmt, und die damit einhergehende Leichtigkeit spiegeln sich im gesamten Sozialzentrum wider. Beim Rundgang werden Mitarbeiter und Bewohner mit Namen gegrüßt. Man bleibt kurz für ein paar Worte stehen. Pflegedienstleiter Breitmayer weiß über jeden Bewohner Geschichten zu erzählen. Da gibt es den früheren Wirt, der auch heute noch gerne ausschenkt, oder die rührselige Dame, die sich Zeit ihres Lebens immer um die ganze Familie gekümmert hat und nun die Rolle einer Tischmutter einnimmt.

Im Garten treffen wir auf Herrn Josef beim Ribisel pflücken. Da er so gerne Ribisel Marmalade isst, wird am Nachmittag in der Sozialen Betreuung Marmelade eingekocht. „Unsere Aufgabe ist es ein ‚Daheim‘ im Heim zu schaffen. Aktiv sein und mithelfen ist ein wichtiger Faktor“, erklären Kranz und Breitmayer. Die Bewohner sind beim Ernten und bei der Verarbeitung der Früchte und des Gemüses im hauseigenen Garten eifrig dabei.

Im großzügigen Gartenbereich mit Tieren hört man vom im Haus integrierten Kindergarten Gelächter. Jung und Alt treffen sich. Die örtlichen Vereine gehen ein und aus. „Wir sind ein offenes Haus, ein Ort voller Leben“, so Breitmayer.

Die Zertifizierung nach dem Pflegekonzept von Dr. Maria Riedl wird am 22. August im Rahmen einer Feier offiziell übergeben.
Johanna Monitzer

 
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