04.09.2018
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Kunst – eine kleine Marktübersicht

Kitzbühel ist ein Brennpunkt, was den Kunstmarkt im Großen wie im Kleinen angeht. Zahlreiche Galerien von außerhalb, aber natürlich auch aus eigenem Wachstum, sind hier angesiedelt und sie wagen sich damit in ein Segment vor, das höchste Könner- und Kennerschaft erfordert. Eine Analyse.

Kitzbühel | Wer an den Kitzbüheler Kunstmarkt denkt, assoziiert damit vordergründig den Namen Walde. Hochpreisige Verkäufe seiner Bilder machen immer wieder Schlagzeilen. Zuletzt vor einigen Monaten (der Anzeiger berichtete: Rekordpreis für Walde-Motiv), als ein „Walde“ in einer Auktion um den Rekordpreis von 545.500 Euro wegging. Doch auch außerhalb dieser spektakulären Leuchtfeuer hat sich ein Markt entwickelt, der seiner eigenen Logik gehorcht und – vielleicht – von so manchem falsch eingeschätzt wird.

„Es geht um Angebot und Nachfrage, auf dem Kunstmarkt gibt es auch bestimmte Mechanismen“, sagt Kunsthistoriker Günther Moschig, der bereits zahlreiche Ausstellungen im Bezirk kuratiert hat und auch für die Kunstsammlung der Raiffeisenbank Kitzbühel-St. Johann zuständig ist.

Preisbildung gehorcht Mechanismen

Gerade am Beispiel Walde könne man diese Mechanismen gut ablesen, denn der Künstler war bereits zu seinen Lebzeiten ein Marketing-Genie und machte seine Kunst via Postkarten einem breiten Publikum zugänglich. Er entwarf „Sehnsuchtsbilder“ von den Alpen, die heute noch nachklingen.

Außerdem: Künstler, die in Museen ausstellen, dürfen sich über einen Prestige-Schub für ihr Werk freuen, der sich auch finanziell niederschlägt. Eine gute Resonanz auf den Auktionsmärkten trägt natürlich ebenfalls zur Wertsteigerung bei. Manchmal, sagt Moschig, hätten die Künstler selbst ihre Preisvorstellung. Eine gewisse „Krücke“ bei der Preisfindung für Kunst kann zudem eine Faustregel sein, die in der Szene genauso bekannt wie verachtet ist: „Länge plus Breite des Bildes multipliziert mit einem Faktor, der sich nach dem Status des Künstlers bzw. der Künstlerin richtet.“

Nachsatz von Günther Moschig: „Der Kunstmarkt kann auch sehr irrational sein.“

Insam und Plahl im regionalen Fokus

Auf dem rein „regionalen“ Kitzbüheler Markt sind unter anderem Insam und Plahl von Interesse. Sabina Überall, die den künstlerischen Nachlass von Ernst Insam verwaltet, skizziert: „Anfragen gibt es viele, auch als Leihgabe an Museen“. Überregional seien vor allem Insams Werbegrafiken gefragt, lokal sorgte der Maler mit seinen Aquarellen für Furore. Doch, hält Überall fest: „Der Kitzbüheler Markt ist wirklich sehr schwierig. Für regionale Künstler ist schon ein gewisses Interesse da, aber bei Abstraktem sind die Leute hier zurückhaltender.“ Es sei immens wichtig, Präsenz zu zeigen, setzt Sabina Überall nach.  

Die Sammler kennen den Markt genau

Bernd Maier von der Zeitkunstgalerie kann als ausgesprochen versierter Kenner der Kunst-szene in Kitzbühel bezeichnet werden. Er wirft ein Schlaglicht auf den internationalen Sammlermarkt. Sammler, sagt Bernd Maier, „sind mit dem Markt bestens vertraut und sagen relativ bald, was sie zahlen würden.“ Aktuell sind in der Zeitkunst etwa Werke des deutschen Künstlers Herbert Zangs ausgestellt, die am Kunstmarkt – vor allem Deutschlands – momentan sehr gefragt sind. Die Nachfrage bemerkt daher auch Maier, aber: die Qualität muss natürlich stimmen und das angebotene Werk muss authentisch sein. Absolute Seriosität ist wie überall im Geschäftsleben ein unbedingtes Muss. Außerdem ist es wichtig, ein gutes Auge zu haben: „Ein Sammler möchte das Beste zum bestmöglichen Preis kaufen“, skizziert Maier. Für solch einen „professionellen“ Käufer kommen nur Künstler infrage, die von mindestens zwei Galerien regelmäßig vertreten werden.

Auch der Sammlermarkt habe sich in den letzten Jahren gewandelt: Gerade jene, die statt der x-ten Immobilie jetzt einmal in Kunst machen wollen, springen auf „große Namen“ an. Talentierte Nachwuchskünstler haben dabei das Nachsehen: „Es ist realistischer, dass ein Bild von 300.000 Euro auf 900.000 Euro raufgeht, als von 10.000 Euro auf 30.000 Euro“, kommentiert Maier. Hinzu kommt, dass so mancher die Kunst als Anlageform betrachtet und gerne eine entsprechende Wertsteigerung erzielen will.

Das bestätigt auch Mieke Jongen von der Aaart Foundation in Kirchberg. „Es wird schwieriger, Jugend zu fördern, das ist ein finanzielles Risiko. Die Leute schauen auf das Künstler-Ranking – man merkt, dass sie auf Namen gehen.“ Es gebe aber immer noch jene, die Kunst kaufen, die ihnen gefällt. „Das ist die schönste Vorgehensweise“, so Jongen. Der Käuferkreis der Aaartfoundation stammt vornehmlich aus Deutschland – der Winter ist nach wie vor „Hochsaison“, auch was den Kunstmarkt betrifft.

Bernd Maier ergänzt: „Der österreichische Markt ist teilweise zu klein.“ Zum Standort Kitzbühel erläutert er: „Das Bild nach außen ist, dass hier nur reiche Leute sind, die jeden Tag Kunst kaufen. Aber das stimmt nicht.“ Vielmehr gelte: „Wer‘s hier schafft, schafft es überall. Die Mieten sind relativ hoch, und die müssen erst verdient werden.“ Der Zugang für eine Galerie zu entsprechend bedeutenden Werken sei in Kitzbühel natürlich schwierig, es gibt überspitzt formuliert „hier nichts, was man nicht auch woanders kaufen kann.“

Daher geht es für die Galerien vornehmlich darum, ein Standbein in der Nähe des Kunden zu haben.

„Keine goldene Gans, sondern hüpfendes Reh“

Präsenz zeigen ist auch das Zauberwort bei den Walentowski Galerien, die sich kürzlich in der Kitzbüheler Innenstadt angesiedelt haben. Aber warum wagt eine auswärtige Galerie diesen Schritt? „Wir haben seit dem Jahr 2016 eine Galerie in Salzburg und wollten den österreichischen Markt noch ein bisschen weiter erforschen“, sagt Judith Ladewig zu den Beweggründen der Nürnberger Galerie, eine Filiale in der Gamsstadt zu realisieren. Eine Lokalität in der Vorderstadt wurde frei und Walentowski griff gerne zu, denn, wenn es um den Kunstverkauf gehe, zählt „Location, Location, Location.“ Um auf dem schwierigen Gamsstädter Parkett bestehen zu können, setzt Walentowski auf die Breite: von der Geschenksidee bis hin zu bekannten Künstlern – aktuell etwa Bilder aus der Hand von Udo Lindenberg und Otto Waalkes. Langfristiges Denken sei wichtig, um sich dauerhaft in Kitzbühel zu halten: „Wir müssen weg von der Vorstellung: der Winter wird uns schon retten“, sagt Judith Ladewig. Vielmehr setzt man auf Menschen, die regelmäßig kaufen und bietet eine entsprechende Dienstleistung. Wichtig sei auch die Kooperation mit der Region, den Menschen vor Ort. So geht der Kunstanbieter auch mit Pop-Up-Shops in 5-Sterne-Hotels in der Region. „Wir sehen Kitzbühel nicht als goldene Gans, sondern wie ein springendes Reh – man weiß nie, wo es hinhüpft.“

Ähnlich schätzt auch der Kitzbüheler Lokalmatador Rudolph Pigneter die Lage ein. „Die Stadtgalerie wird von unserem Verein Kitz-Art betrieben, wir stellen unsere Mitglieder aus.“ Kitzbühel sei eine Sportstadt und somit für die Kunst eine „schwierige Angelegenheit.“ Pigneter ortet ein Galeriensterben in der Gamsstadt und hält fest: „Um schwerreich zu werden, muss man das nicht machen, überleben kann man hier nur, wenn man das Geschäft als Verein betreibt. Als reiner Galerist würde ich mich hier nicht trauen, die Kosten sind einfach zu hoch.“ Der Anspruch, eine Galerie im Zentrum zu haben, speist sich, so Pigneter, für ihn und die Vereinsmitglieder rein aus der Liebe zur Kunst.

„Gute Qualität wird sich durchsetzen“

Daher sieht Pigneter es auch „als unsere Aufgabe, Künstler, vor allem junge Talente, zu fördern, um ihnen die Chance zu geben, auszustellen.“ Denn das werde immer schwieriger, merkt Pigneter kritisch an.

Auch ein zeitgenössischer Künstler aus der Region, der lieber anonym bleiben will, merkt gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger zum „Rankingwahn“ der begehrtest Künstler  an: „Gute Kunst kann von jedem kommen, ich schaue nicht, Wer es macht sondern Was“. Preisbildung in der Kunst sieht er als zweischneidiges Schwert und er merkt schmunzelnd an: „Vielleicht sollte man die Arbeitsstunden verrechnen.“ Dennoch ist der Künstler überzeugt, dass sich Qualität am Ende durchsetzt und auch nur jene Galerien überleben, die die beste Qualität anzubieten haben.

Bernd Maier ergänzt, dass Galerist und Maler als Partner agieren sollten. Früher hielten sich die Künstler gern zurück, heutzutage müssten sie oft als eigene Marke auftreten, um dem Marktanspruch genüge zu tun. Aber, auch Maier unterstreicht: „Gute Kunst wird sich immer durchsetzen.“ Deswegen rät er auch tatsächlich, nur das zu kaufen, „was einem gefällt“, und nicht, was vielleicht am Markt gerade en vogue ist. Elisabeth Galehr

Bild: In der Zeitkunstgalerie in Kitzbühel sind derzeit Werke von Herbert Zangs ausgestellt. Die Nachfrage auf dem Markt ist deutlich gestiegen. Foto: Zeitkunstgalerie

 
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