03.03.2019
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Kuhattacken-Urteil verunsichert

Das Urteil nach der Kuh­attacke im Pinnistal sorgt für Aufregung auch im Bezirk Kitzbühel und es macht sich auch Verunsicherung breit. Laut dem Tiroler Almwirtschaftsverein soll der Almsommer wie geplant ablaufen. In der Gamsstadt stehen Kitzbühel Tourismus und die Bergbahn AG zu ihren Partnern.

Kitzbühel | „Wir werden jetzt einmal in Ruhe darüber nachdenken, wie wir mit diesem Urteil umgehen werden“ – der Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, Josef Lanzinger aus Itter, hält einige Tage nach dem Bekanntwerden des Urteils rund um eine Kuhattacke im Stubaital nichts von Schnellschüssen.
Vergangene Woche hatte das Landesgericht Innsbruck ein richtungsweisendes Urteil gefällt – demnach muss ein Bauer nach der tödlichen Attacke einer seiner Mutterkühe den betroffenen Hinterbliebenen nicht nur 132.832,63 Euro Schadenersatz zahlen, überdies steht dem Ehemann der tödlich verletzten Frau eine monatliche Rente von 1.215,50 Euro, dem Sohn eine Rente von 352,50 Euro sowie 47.500 Euro zu, entschied das Gericht. Es begründete das Urteil damit, dass der Landwirt den Bereich absperren hätte müssen.
Die 45-jährige Deutsche war mit ihrer Familie im Juli 2014 im Pinnistal mit ihrem Hund auf dem Wanderweg unterwegs. Als die Familie vorbeiging wurden die Tiere – es handelte sich um eine Mutterkuhherde – unruhig und begannen die Frau zu verfolgen. Die Deutsche wurde von den Tieren geschubst, zu Boden gestoßen und schluss­endlich zu Tode getrampelt. Jetzt, fünf Jahre später, wurde das noch nicht rechtskräftige Urteil gefällt.  

„Bauern und Touristiker müssen an einen Tisch“

Die Emotionen gehen naturgemäß auch unter den Landwirten im Bezirk hoch. Auch Kitzbühels oberster Bauernvertreter LAbg. Josef Edenhauser kann das Urteil nicht nachvollziehen. Selber Almbauer, seine Alm liegt direkt an einem beliebten Wanderweg im Kaisergebirge, zeigt Verständnis für jeden seiner Kollegen, der jetzt daran denkt, seine Alm abzusperren. Wie in etwa jener Bauer aus dem Alpbachtal, der das via soziale Medien bereits angekündigt hat. „Solange wir keine Rechtssicherheit haben, kann ich jeden verstehen, der hier seine Wege absperrt. Das kann aber sicher keine Dauerlösung sein. Vielmehr ist es notwendig, dass wir uns gemeinsam mit den Touristikern an einen Tisch setzen und Lösungen ausarbeiten“, betont Edenhauser, der natürlich nicht will, dass Natursuchende von den Almen ausgesperrt werden.

„Unverständliches Urteil – zum Schaden aller“

Mit dieser Thematik bereits beschäftigt hat sich Kitzbühel Tourismus und die Bergbahn AG Kitzbühel, die ein klares Bekenntnis zu ihren Partnern äußern. „Das Miteinander auf unseren Wiesen, Almweiden und Bergen wird nicht dadurch gestärkt, indem Eigenverantwortung gegenüber Naturgefahren trotz Warnhinweisen völlig reduziert und die Verantwortung zur Gänze Dritten in nicht nachvollziehbarer Art und Weise aufgebürdet wird“, teilt Bergbahn-Vorstand Josef Burger mit.
Das Urteil, welches zu einer verantwortungsvollen Nutzung unserer Natur beitragen hätte sollen, erreicht genau das Gegenteil: Für die Wanderer droht der wohlbedachte Naturgenuss ungebührlich eingeschränkt zu werden und für diejenigen, die unsere Almflächen pflegen und bewirtschaften, ziehen nicht verträgliche Belastungswolken am Horizont auf. Kitzbühel Tourismus und Berg­bahn AG Kitzbühel unisono: „Wir stehen für eine gesunde Wahrnehmung der Eigenverantwortung als Grundlage eines vernünftigen Miteinanders in unserer schönen Bergwelt. Jedenfalls stehen wir voll und ganz zu unseren Partnern, gerade in schwierigen Situationen. Wir können nur hoffen und uns im Rahmen unserer Möglichkeiten intensiv dafür einsetzen, dass dieses Fehlurteil ehestmöglich eine nachhaltige Korrektur erfährt.“

Der Almsommer läuft wie geplant

Almwirtschaftsvereins-Obmann Lanzinger – allein im Bezirk Kitzbühel werden ja 450 Almen bewirtschaftet – will nichts übers Knie brechen, wenn ihm aber auch bewusst ist, wie  schwierig die Situation ist: „Wir schauen uns jetzt das alles genau an. Fest steht aber, dass die Planungen für den kommenden Almsommer laufen und auch die meisten Senner bereits engagiert sind. Wir werden aufalpen wie gehabt.“ Aber er bringe natürlich auch Verständnis für alle jene Bauern auf, die das Risiko scheuen und die Schotten dicht machen. M. Klausner, E.M. Pöll

Grundsätzlich sind Kühe friedfertige Tiere – auch auf der Alm. Doch man sollte beim Durchqueren von Weiden, vor allem mit Hund, gerade auf den Bergen Vorsicht walten lassen. Foto: Klausner

 
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