23.11.2018
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Kritik am Saisonstart reißt nicht ab

Nach der Kritik am frühen Saisonstart am Resterkogel folgt nun eine behördliche Prüfung durch die Bezirkshauptmannschaft Zell am See. „Wir haben die Anfrage sowie die Stellungnahme ausführlich beantwortet“, sagt BAG-Vorstand Josef Burger. Mit Bekanntwerden des Behördenverfahrens meldeten sich auch wieder die Kritiker zu Wort.

Kitzbühel, Mittersill | Gibt es für die Schneedepots am Resterkogel nun ein behördliches Verfahren? Wie die Salzburger Nachrichten vergangene Woche online berichteten, steht dem Kitzbüheler Seilbahnunternehmen ein Verwaltungsstrafverfahren ins Haus. Angeblich fehlt die naturschutzrechtliche Bewilligung, wie es das Salzburger Naturschutzgesetz vorschreibt. Für mehr als 1.000 Quadratmeter große Lagerplätze in freier Landschaft ist dies notwendig. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft Zell am See geht davon aus, dass diese Regelung auch für den zusammengeschobenen Altschnee und die verwendete Isolierung gilt.

Von dem Verwaltungsstrafverfahren, wie in den Salzburger Nachrichten berichtet, hat Bergbahn-Vorstand Josef Burger keine Kenntnis. „Die Bezirkshauptmannschaft Zell am See ersuchte in einem Schreiben, das am 13. November bei uns einging, um Mitteilung, auf welchen Flächen eine Beschneidung bzw. Pistenherstellung zu welchem Zeitpunkt erfolgte. Weiters ersucht die Bezirkshauptmannschaft Zell am See um Mitteilung, welche Bewilligungen ob Beschneiung der Pistenfläche vorliegen“, erzählt Burger gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger. Zudem erfolgte am 14. November ein Lokalaugenschein der Bezirkshauptmannschaft Zell am See, dessen Bericht am 16. November an die Bergbahn AG Kitzbühel ging. Die Anfrage – Frist bis 15. Dezember – und auch die Stellungnahme zum Lokalaugenschein – Frist bis 30. November – hat die Bergbahn AG Kitzbühel bereits ausführlich beantwortet und der Behörde zugestellt. „Wir hoffen auf eine objektive Würdigung des Sachverhaltes und auf eine Gleichbehandlung mit allen“, sagt Burger.

Keine Beanstandungen in vergangenen Jahren

Bekanntlich ist es ja nicht das erste Mal, dass die Bergbahn AG am Resterkogel Schneedepots anlegte. „Wir haben 2018 die Depots in guten Gedanken, wie in den vorangegangenen Jahren angelegt. Weder im Jahr 2015, 2016 noch 2017 gab es Beanstandungen. Die Depots hatten schon in den vergangenen Jahren eine größere Fläche als 1.000 Quadratmeter“, erzählt Burger und ergänzt: „Wir verwahren Schnee auf einer als Skipiste gewidmeten Sonderfläche, die eng begrenzt ist. Die Lagerung erfolgt über fünf Monate, bis eben der Schnee wieder aufgebracht wird.“ Ob nun ein Verwaltungsstrafverfahren folgen wird, wird sich in den nächsten Wochen weisen.

Die Grünen kritisieren Walde-Piste

Das Snowfarming wird mittlerweile von einigen Skigebieten praktiziert. Seit Anfang November kann man z.B. in Seefeld dadurch Langlaufen. Die Kritiker hingegen konzentrieren sich allein auf Kitzbühel. Zuletzt taten die Grünen ihren Unmut über die Piste am Walde kund. Bezirkssprecher Helmut Deutinger ist verärgert, wie ungeniert und uneinsichtig die Kitzbühler Bergbahnen agieren. „Der Mensch kann viel machen, das gibt ihm aber nicht das Recht ,alles zu tun“, kritisiert er und ergänzt: „Der Klimawandel ist real. Den kann man nicht negieren, wie es die Kitzbüheler Bergbahnen machen. Da kann die Geschäftsführung noch so sehr mit Gästezahlen prahlen, ohne sie in Relation zu setzen.“

Die Bergbahn AG Kitzbühel steht für Grüne Tourismussprecher Georg Kaltschmid mittlerweile als Synonym für einen Tourismus, der die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe. „Das ist Skitourismus mit der Brechstange, der den gesamten Tourismus in Verruf bringt. Das sehen nicht nur wir so, sondern auch zahlreiche andere Seilbahnbetreiber, die sich bisher noch nobel zurückhalten. Auch aus der Bevölkerung höre ich landauf-landab Kritik“, so Kaltschmid in der Aussendung der Grünen.

FPÖ will Schaden für Kitzbühel abwenden

In einer Presseaussendung übt auch LAbg. Alexander Gamper von der FPÖ Kritik an der Kitzbüheler Vorgehensweise. Spätestens jetzt wäre es laut FPÖ-Tourismussprecher LAbg. Alexander Gamper an der Zeit, ein Machtwort in Kitzbühel zu sprechen. „Seit Wochen werden negative Schlagzeilen zum Schaden der Top-Marke Kitzbühel produziert, Auffallen um jeden Preis ist anscheinend die Devise. Und die amtierende Obfrau von Kitzbühel Tourismus, Signe Reisch, schaut tatenlos zu ... Und dass Reisch und Bürgermeister Klaus Winkler zusehen, bestätigt die herrschende Alternativlosigkeit in Kitzbühel“, kritisiert Gamper. „Alle im Landtag vertretenen Parteien halten einen Saisonstart im Oktober bis hin zu Werbeaktionen in China, für äußerst fragwürdig“, schließt Gamper die Kritik an der Bergbahn. Vor allem in der aktuellen Stunde des Landestages  wurde Kritik von allen Fraktionen geübt, wie Gamper ausführt.

Winkler: „Oberflächliche Schlagwortpolitik“

Mit dieser Kritik konfrontiert kontert Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler: „Einleitend möchte ich betonen, dass dieses Thema zu wichtig ist, um nur mit oberflächlicher Schlagwortpolitik des selbsternannten Tourismusex­perten Gamper abgehandelt zu werden. Der frühe Pistenbetrieb hat sich ökologisch wie ökonomisch als großer Erfolg herausgestellt. Allein am vergangenen Wochenende nahmen an zwei Tagen jeweils rund 150 Teilnehmer aus 21 Nationen bei FIS-Rennen am Resterkogel teil. Von Mitte Oktober bis 18. November hat die Bergbahn AG Kitzbühel 77.000 Fahrten registriert. Der Resterkogel hat sich in der Vorsaison als wichtige Trainingsstätte vom Skinachwuchs bis hin zu den Spitzenathleten etabliert. Die Rennläufer ersparen sich somit die oft lange Anfahrtszeit zu entfernt gelegenen Gletscherskigebieten.

Eine offene Diskussion über die Industrialisierung des Skisports ist natürlich wichtig. Ich möchte aber gleichzeitig aufzeigen, dass die Bergbahn AG Kitzbühel auf eines der modernsten Energiemanagement-Systeme zurückgreift. In Wahrheit sollten alle Bergbahn-Betreiber eine Energie-Bilanz, bezogen auf den Energie-Verbrauch der angebotenen Pistenkilometer, vorlegen. Wir Kitzbüheler scheuen uns nicht vor einem Vergleich.“      

Ökologisch nachhaltig und ökonomisch sinnvoll

Bergbahn-Vorstand Josef  Burger antwortete auf die FPÖ-Aussendung: „Ich ersuche um Verständnis, dass ich zu politisch motivierten Aussagen keine Stellungnahme abgebe. Das Gremium, dem ich gegenüber verantwortlich zeichne ist der Aufsichtsrat der Bergbahn AG Kitzbühel, in dem die wesentlichen Geschäftsstrategien der Bergbahn AG Kitzbühel gemeinsam beraten und entschieden werden. Was den frühen Saisonstart anbelangt, so ist jedenfalls festzuhalten, dass dieser ökologisch nachhaltig und ökonomisch sinnvoll ist.“

Reisch: „Ungebrochene Beliebtheit Kitzbühels“

Die Kritik von LAbg. Alexander Gamper will auch Signe Reisch, Präsidentin von Kitzbühel Tourismus, nicht so im Raum stehen lassen. „Die Auszeichnungen als ‚World´s best ski resort company‘ für die Bergbahn AG Kitzbühel und ‚Austria´s best ski resort‘ für Kitzbühel auf der einen Seite – eine unsachliche, marktschreierische und objektiv unrichtige Kritik auf der anderen Seite. Das sagt schon einmal viel. Alexander Gamper begibt sich in den Bereich der üblen Nachrede. Zu fragen ist, was treibt ihn an? Wovor will er die Marke Kitzbühel retten – vor ungebrochener Beliebtheit? Was die Schneedepots anbelangt, so kann ich auf die Stellungnahme von Vorstand Dr. Burger verweisen: ökologisch nachhaltig und ökonomisch wertvoll. 946 likes auf unserer Homepage und viele, viele zufriedene Gäste, die die sportliche Bewegung in herrlicher Natur genossen haben, in einer Zeit, in der sonst nicht viele Möglichkeiten bestehen.

Objektiv falsch ist die Kritik über Werbung in China

„Herrn Gamper lade ich ein, sich mit mir sachlich auseinanderzusetzen und nicht mit reißerischen Schlagworten billige Münze auf Kosten von uns wirklich hart und ehrenamtlich – und erfolgreich – Arbeitenden zu machen. Ich bin gespannt, ob er sich den Erfolgsbericht bei der Jahreshauptversammlung anhören wird“, sagt Tourismus Präsidentin Signe Reisch zur Kritik von LAbg. Alexander Gamper an den Werbeaktionen in China.

Kein Gespräch zwischen Gamper und Burger

Seine Kritik am frühen Saison­start tat Gamper auch im Kitzbüheler Gemeinderat kund, wobei er betonte, dass er ansonsten die Arbeit der Bergbahn AG Kitzbühel schätzt. „Jedoch schadet der frühe Saisonstart mehr als er bringt,“ sagt Gamper. Der FPÖ-Stadtparteiobmann forderte Bürgermeister Klaus Winkler auf, Gespräche mit Burger zu führen und eine Lösung für die Schneedepots zu suchen, um auf Styropor und Plastik zu verzichten. Die Frage von Winkler, ob Gamper ein persönliches Gespräch mit Burger führte, negierte Gamper. Winkler hielt auch fest, dass durch diese Kritik ein Imageschaden an Kitzbühel entsteht. „Führen Sie doch ein Gespräch mit Burger. Er wird ihnen erklären, wie das Energie- und Schneemanagement der Bergbahn AG Kitzbühel ausschaut. Es wäre doch sinnvoll, wenn die Seilbahnen eine Energiebilanz liefern würden“, kontert Winkler. Die Bilanz sollte beinhalten, wie viel Energie das Seilbahnunternehmen verbraucht, bezogen auf Höhenlage und Pistenkilomter.

Kitzbühels Grüner Gemeinderat, Georg Hechl, spricht sich für den frühen Trainingsbetrieb aus, stellt aber in Frage, ob der Publikumsskilauf notwendig ist. Elisabeth M. Pöll

 
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