26.11.2017
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Klärschlamm ist mehr als nur Dreck

Wasser ist der Quell allen Lebens. Doch sauberes Wasser ist ein hohes Gut. Aus verunreinigtem Wasser wieder reines Wasser zu zaubern, ist die Aufgabe von Kläranlagen. Diese Werke können aber weit mehr als nur Wasser reinigen, sie dienen auch als Rohstoffquelle.

Kitzbühel | „Aus einer kleinen Idee ist ein Expertenforum geworden“, sprach Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler bei der Pressekonferenz zum Wassersymposium, das zum achten Mal in der Gamsstadt abgehalten wurde. 200 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und aus Russland nutzten dieses Symposium nicht nur zur Weiterbildung, sondern auch zum Austausch.

Das Kernthema der Veranstaltung war nicht das Frischwasser, sondern das verbrauchte Wasser und die Aufgaben und Möglichkeiten, die in den Kläranlagen genutzt und umgesetzt werden können.

Mit den Abwässern beschäftigt sich die Menschheit schon seit langem. Im Mittelalter versuchte man mittels Kanälen, die Städte sauber zu halten, der Erfolg dabei war eher gering und die Abwasserrinnsale waren Quelle für Keime und Krankheiten. Mit der Erfindung der Kläranlagen konnten etliche Krankheiten eingedämmt werden, jedoch sterben immer noch täglich 10.000 Menschen weltweit an den Folgen von verseuchtem Wasser. Wie wichtig die Wasseraufbereitung ist, belegt eine Studie. „Seit 1900 ist die Lebenserwartung um 33 Jahre gestiegen. Dabei werden 30 Jahre auf sauberes Wasser zurückgeführt und nur drei Jahre auf die medizinische Entwicklung“, erzählt Prof. Norbert Dichtl.

Klärwerke als Rohstoffquellen

Kläranlagen sind schon längst nicht mehr nur für die Reinigung von Wasser wichtig, sondern sind auch wichtige Rohstofflieferanten. Aus dem Klärschlamm, der zu Dünger verarbeitet wird, können auch wertvolle Ressourcen, wie zum Beispiel Phosphor gewonnen werden. Aber auch die Bindung von CO2 ist in den Klärwerken möglich. „Eine mittlere Kläranlage wie jene hier in Kitzbühel bindet jährlich 370 Tonnen CO2. Um eine derartige Menge an CO2 zu binden, bräuchte es 32.000 Laubbäume oder einen Wald von 150 Hektar“, erzählt Ulrich Kubinger. Das Verfahren für diese Bindung mittels Biosolit wurde an der Universität Darmstadt entwickelt.

In diesem Bereich ist Kitzbühel einer der Vorreiter. „Als ich von dieser Innovation hörte, war für uns klar, dass wir hier gerne dabei sein möchten“, sagte Bürgermeister Klaus Winkler, der auch die Herausforderungen an die Kitzbüheler Kläranlage anführte. Die Anlage muss Kapazitäten für 20.000 Einwohner zu Spitzenzeiten aufweisen. Vor allem im Winter bei kalten Temperaturen kommt die stoßartige Belastung. „Vor einigen Jahren floss zu den Hahnenkammrennen dann der Klärschlamm in die Ache“, erinnert sich Ulrich Kubinger. VTA entwickelte ein passendes Produkt für Kitzbühel, so dass die Kläranlage optimal läuft und keine Überläufe mehr in die Ache fließen.

Herausfordung Microplastik

Der Plastikmüll und speziell das Microplastik stellt nicht nur für die Umweltschützer eine große Herausforderung dar. Auch in der Abwasserreinigung spielen die kleinen Partikel eine Rolle. Mittels Nanotechnologie können bereits 60 bis 65 Prozent aus dem Abwasser gefiltert werden. Wie man jedoch herausfand, wird der Großteil des Microplastiks aber durch den Reifenabrieb erzeugt. „Wir sind gerade am Messen, wo der meiste Reifenabrieb entsteht“, erzählt Matthias Barjenbruch. Bei dem seit 1. August laufenden Projekt will man eine Methode entwickeln, um zu verhindern, dass Microplastik in das Oberflächenwasser gelangt.

Bei der Verhinderung von Microplastik kann aber jeder Einzelne seinen Beitrag leisten. „In Lightprodukten wird Microplastik als Geschmacksträger eingesetzt und auch bei Zahnpasta oder Peelings wird dieser Stoff verwendet“, weiß Prof. Norbert Dichtl. Während der Einsatz von Microplastik in diesen Produkten in Großbritannien zum Beispiel bereits verboten ist, bedarf es in unseren Breiten noch des freiwilligen Verzichts.

Kitzbüheler Wasserpreis für Nachwuchsforscher

Erneut wurde heuer im Rahmen des Symposiums der Kitzbüheler Wasserpreis verliehen. Dieser von VTA dotierte Preis geht an junge Wissenschaftler für herausragende Studienarbeiten zu den Themen Abwasser, Klärschlamm und Energie, die eine Fachjury ausgewählt hat. Die Preisträger sind Christina Heinze (Universität Kassel), Daniela Reif (TU Wien), Niklas Trautmann (Uni Hannover), Lukas Egle (TU Wien).
Elisabeth M. Pöll

 

 
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