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Westendorf

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6 März 2019 Thema Ein fröhliches Negermädchen: Darf man das so sagen? (Bild: F. Wagner) Die sogenannte politische Korrektheit Darf man das sagen? Darf man eigentlich noch Eskimo sagen? Jemand hat nämlich herausgefunden, dass Eskimo von einem Wort abstammen könnte, das übersetzt so viel wie „Rohfleischesser“ bedeu- tet. So will man natürlich niemanden bezeichnen, deshalb sprechen die auf- geklärten Zeitgenossen lieber von den Inuit (Ein- zahl Inuk). Inzwischen ist man sich zwar weitgehend einig, dass die Sache mit demRohfleischUnsinnist- vermutlich leitet sich Eski- mo nämlich von einem W ort ab, das „Schneeschuhflech- ter“ bedeutet -, aber das al- les ändert nichts daran, dass vom Gebrauch nur abgera- ten werden kann. Eskimo ist sozusagen „out“. Man sagt übrigens auch nicht mehr Indianer, wenn man von den Ureinwohnern Amerikas redet, sondern spricht von den indigenen Völkern. Vorauseilende Entschuldi- gungsbereitschaft Ein großer V erlag hat jetzt beschlossen, das belieb- te Kinderbuch „Die kleine Hexe“ von verfänglichen Wörtern zu säubern. In einer Szene, in der sich Kinder als Türke, Chinesenmäd- chen und Neger verkleiden, wie es dort noch unbedacht heißt, sollen nach der Über- arbeitung andere Verklei- dungen stehen. Ganz einfach wird die Operation nicht: Indianer oder Eskimos fal- len aus den oben beschrie- benen Gründen aus. Auch Araber oder Zigeuner ver- bieten sich, weil sie als ras- sistisch beziehungsweise islamfeindlich gelten könn- ten und die Clowns sind neuerdings auch nicht mehr akzeptabel. Selbst die Hexe ist offenbar irgendwie dis- kriminierend. So müssen nun wohl alle Kinderbücher- und Jugend- bücher auf den Prüfstand, um sie von „veralteten und politisch nicht mehr kor- rekten Begrifflichkeiten“ zu befreien. In Karl Mays Büchern etwa wimmelt es von Indianern, die biswei- len sogar Rothäute genannt werden. In Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ wurde übri- gens schon vor längerer Zeit aus dem „Negerkönig“ ein „Südseekönig“. Von „negro- iden Völkern“ darf man aber interessanterweise sprechen, schließlich heißt „negro“ ja in vielen Sprachen nichts anderes als „schwarz“. Politische Korrektheit oder „political correctness“ heißt in der ursprünglichen Be- deutung die Zustimmung zur Idee, dass Ausdrücke und Handlungen vermieden werden sollten, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können (etwa be- zogen auf Geschlecht oder Rasse). Man soll natürlich nie- manden beleidigen. Eine Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeiten anderer gehört auf alle Fälle zu den guten Umgangsformen. Die Frage ist nur: Wer wird hier vor wem geschützt? Oft reicht schon der Verdacht, jemand könnte sich in sei- nen Gefühlen verletzt füh- len, um zu einer Sprachbe- reinigung zu schreiten. Es ist die vorauseilende Entschuldigungsbereit- schaft, die vom Ernsthaften ins Lächerliche führt. Wie viele Schwarze haben sich wirklich schon über die be- rühmten Negerküsse und Mohrenköpfe beschwert? Oder über das „ Negerbrot“ und den köstlichen „ Mohr im Hemd“? Oft hat es den Anschein, als wären Men- schen beleidigt, die es gar nicht betrifft, die sich also „fremdschämen“. Je weiter man vordringt, desto komplizierter wird es. Sofindetesmancherbelei- digend, wenn man von Zi- geunern spricht, deshalb hat sich im offiziellen Sprach- gebrauch „Sinti und Roma“ eingebürgert. Die „Sinti- Allianz“ in Köln allerdings plädiert für die Beibehal- tung des Begriffs „Zigeu- ner“, weil das nun einmal über Hunderte von Jahren die herkömmliche Bezeich- nung war. Professionelle Minderhei- tenschützer Doch eine Disziplin, die Benachteiligte eigentlich schützen sollte, produziert ständig neue Opfer oder je- denfalls Menschen, die sich als solche fühlen. W er sich darauf berufen kann, ver- folgt, diskriminiert oder aus- gegrenzt zu werden, findet offenbar leicht Gehör. Manchmal hat es den An- schein, dass der Kreis je- ner, die sich diskriminiert fühlen, immer größer wird. Die Tabuzonen scheinen dabei immer weiter gefasst zu werden. Kaum ist ein neuer, scheinbar nicht ab- wertender Begriff gefunden, vergeht nur wenig Zeit, bis auch dieser als diskriminie- rend empfunden wird. Auf Ausländer folgt dann eben der Migrant, auf Migrant dann der „Mensch mit Mi- grationshintergrund“. Was folgt danach?
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