25.06.2020
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Kitzbühel trauert um Käthe Nagiller

Die Stadt Kitzbühel verlor eine verdiente Mitbürgerin, die Bevölkerung eine Kämpferin für soziale Anliegen: Am Donnerstag, 18. Juni, hat Käthe Nagiller ihre Augen für immer geschlossen.
Kitzbühel | 60 Jahre lang hat sich Käthe Nagiller ehrenamtlich und uneigennützig die sozialen und humanitären Anliegen in Kitzbühel und im Bezirk zur Aufgabe gemacht. Für Menschen in Not, Kranke, Kinder, Senioren und Benachteiligte der Gesellschaft war sie in diesen sechs Jahrzehnten stets die Anlaufstelle schlechthin.

Sozialer Zusammenhalt unter Kitzbühelern

Käthe Nagiller war geprägt von der eigenen harten Kindheit, die sie im heimatlichen Filzmoos erleben musste. Der frühe Tod des geliebten Ehemannes Kurt Pikl im Jahr 1953 bedeutete für sie einen schweren Schicksalsschlag. Als junge Witwe und alleinerziehende Mutter nahm sie in dieser schweren Zeit ihr soziales Engagement auf. „Entweder wird man verbittert, oder man öffnet sich gegenüber seinen Mitmenschen“, war ihr Leitspruch, der sie von da an bei allen Aufgaben begleitete.

Unvergesslich sind ihre vielen ungewöhnlichen karitativen Aktionen, die sie in 60 Jahren freiwilliger Sozialarbeit ins Leben rief. Von der „Aktion Kummerkasten“ bis zu Kitzbühels erstem Flohmarkt, vom Anklöpfeln mit der Praxmair-Gruppe bis zum Wohltätigkeitskonzert mit Udo Jürgens: Käthe Nagiller ließ nichts unversucht, um Menschen zu helfen. So gelang es ihr, einem sogenannten „Blauen Baby“, also einem Baby mit Herzfehler, die dringend notwendige Operation in einer Münchener Klinik mit Hilfe von privaten Spenden zu ermöglichen.

Unvergessen auch ihr Einsatz für fünf Kinder nach dem Tod der Mutter: Nagiller besorgte den Kindern Kleider und erwirkte bei den Fleischhauereien, dass die Halbwaisen nach Schulschluss ein warmes Mittagessen bekamen. Für Hochwasseropfer in Osttirol organisierte sie Hilfs- und Spendenaktionen und fuhr mit fünf Lastautos ins Katastrophengebiet – eine Sondergenehmigung ermöglichte ihr die Fahrt durch den damals halbfertigen Felbertauerntunnel.

Vorkämpferin für soziale Einrichtungen

Die Gründung des privaten Behindertenvereins für körper- und sprachbehinderte Kinder geht auf Käthe Nagiller zurück. Damit  war der Grundstein für die Realisierung des Therapiezentrums in Oberndorf gelegt, für dessen Bau es ihr gelang, mehrere Millionen Schilling an Spenden aufzubringen. Das Haus wurde später von der Lebenshilfe Tirol übernommen.

Ein weiterer Meilenstein war die  Gründung des Hauskrankenpflegevereines, aus dem viele Jahre später der Sozialsprengel hervorgegangen ist. Heute ist die organisierte Pflege daheim eine Selbstverständlichkeit, damals hingegen galt es dafür viele Hürden zu überwinden.  

Käthe Nagiller blieb bis ins hohe Alter ungewöhnlich aktiv; für die ältere Generation rief sie den „Treff Senior Aktiv“ ins Leben, im „Haus der Nächstenliebe“ begründete sie außerdem das Sozialladl für bedürftige Menschen in Kitzbühel.

Für die Umsetzung ihrer Pläne ging die gebürtige Filzmooserin stets unbeirrt ihren eigenen Weg – sie verzichtete auf öffentliche Mittel und realisierte ihre Vorhaben mit Hilfe von privaten Spenden und Hilfeleistungen. Von Stadtchef Hans Brettauer wurde sie für ihre Hartnäckigkeit einst als „Weltmeisterin im Fechten“ bezeichnet. Dass sie für ihre Aktionen stets viele freiwillige Helfer und Unterstützer  fand, erfüllte sie bis zuletzt mit großer Dankbarkeit.

Käthe Nagiller hat nie Aufhebens um ihre Leistungen gemacht. Wer sie kannte, wird die Erinnerung an einen liebenswerten und bescheidenen Menschen wahren. Die Anteilnahme gilt allen voran ihrem Sohn Kurt Pikl samt Familie. Alexandra Fusser

Biografie

Käthe Nagiller, geboren am 8. Februar 1923 in Filzmoos (Land Salzburg);  Heirat mit Kurt Pikl 1944; der gemeinsame Sohn Kurt Pikl kam 1947 auf die Welt; Eröffnung eines Zeitungsgeschäfts mit Lotto-Kollektur in Kitzbühel, das Frau Nagiller nach dem Tod ihres Mannes (1953) bis 1965 weiterführte. 1965 Heirat mit den ehemaligen Gendarmerie-Bezirkskommandanten Adolf Nagiller.
1958 Mitbegründerin der Alpenvereinsjugend und Initiatorin der Aktion Kummerkasten. 1958 trat sie dem Roten Kreuz bei, kurze Zeit später war sie Sozialreferentin der Bezirksstelle. 1968 gründete sie den „Privaten Verein für sprach- und körperbehinderte Kinder“ sowie den Hauskrankenpflegeverein. Die Gründung des Therapiezentrums in Oberndorf, das später von der Lebenshilfe Tirol übernommen wurde, gilt als Krönung ihres sozialen Engagements. Der „Treff Senior Aktiv“ sowie das „Sozialladl“, in dem Lebensmittel an Bedürftige abgegeben werden, gehen auf Käthe Nagiller zurück.
1982 wurde Käthe Nagiller die Ehrennadel der Stadt Kitzbühel verliehen. Sie war u. a. Trägerin des Ehrenzeichens und des Verdienstkreuzes des Landes Tirol, der Goldenen Ehrennadel der Tiroler Lebenshilfe, des Verdienstkreuzes der Roten Kreuzes sowie Ehrenobfrau des  Sozialsprengels Kitzbühel.

 
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