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30.10.2019
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Keiner braucht ihn – jeder will ihn

Pferdestärke, Hubraum, Sechszylinder-Modell, Dreifachvergaser, Hochleistungs-Kondensationszündungen. Das sind Schlagworte, mit denen Autofreaks um sich werfen und wo viele Laien nur sprichwörtlich „Bahnhof“ verstehen. 2018 und 2019 feierte Porsche mehrere Jubiläen. Die KunstBlicke widmen sich dieser Auto-Ikone, die in ihrer Geschichte immer auf eines gesetzt hat: Innovation und Design.

Bezirk | Der aus Böhmen stammende Ferdinand Porsche (1875 -1951) hatte einen Traum. Zum Leidwesen seines Vaters Anton, der für seinen Sohn den gleichen Beruf des Spenglermeisters vorsah, zeigte dieser keinerlei Interesse für dieses Handwerk. Er war allen möglichen technischen Dingen zugetan und wollte das damals beschwerliche Leben mit Technik erleichtern. Heimlich experimentierte Ferdinand am Dachboden, richtete sich eine Laborwerkstatt ein und überzeugte seinen Vater mit der Elektrifizierung des Elternhauses – es war damals das zweite Haus im Ort Maffersdorf in Böhmen, das elektrisches Licht hatte – dass der Weg in die Technik der seine war. Ferdinand Porsche ging nach Wien, begann bei Béla Egger & Co zu arbeiten und kam in Kontakt mit den Lohner-Werken, mit denen er den „Lohner-Porsche“ mit Radnabenmotor entwickelte und der 1900 auf der Pariser Weltausstellung erstmals präsentiert wurde.

Technikwelt staunte

Die Technikwelt und Konkurrenz blickten auf diesen begabten jungen Mann, schon bald wurde er zum technischen Direktor der Österreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft in Wiener Neustadt bestellt. Dort befasst man sich mit der Entwicklung von Flugzeugmotoren, Personenfahrzeugen und Sportwagen. Zunächst stieg Porsche innerhalb des Unternehmens auf, seine Liebe für schnelle Autos mündete in der Konstruktion des Sportwagens „Sascha“, der dem Unternehmen beachtlichen Erfolg einbrachte. Die wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahre verlangten Umstrukturierungen, mit denen Porsche nicht einstimmig mitging.

1930 Konstruktionsbüro gegründet

Er verließ 1930 das Unternehmen und eröffnete im Dezember ein Konstruktionsbüro. Damit war der Grundstein gelegt,  Porsche hielt 80% der Firmenanteile, die restlichen 20% teilten sich Rennfahrer Adolf Rosenberger sowie Schwiegersohn und Anwalt Anton Piëch. In den Reihen der Konstrukteure und Ingenieure fand sich auch Porsches Sohn Ferry. Ab 1934 konstruierte Porsche im Auftrag des Reichsverbands der Automobilindustrie den Deutschen Volkswagen – später auch genannt als „KdF-Wagen“ (Kraft durch Freude), ein Vorläufer des VW Käfers. Der Wagen sollte gemäß den Vorgaben von Hitler nicht mehr als 1000 RM kosten.

Während des Zweiten Weltkrieges widmeten sich viele Konstruktionsbüros, Werkstätten und Industriestandorte der Rüstungsindustrie. So stellte sich auch das Unternehmen Porsche in den Dienst der Rüstung und entwickelte verschiedenste Panzerkampfwagen.

Nach dem Krieg war Neuorientierung gefragt. Der Sohn Ferry Porsche erfüllte sich einen langgehegten Traum. Auf Basis des Käfers entstand in Österreich 1948 der erste Sportwagen, der den Namen Porsche und die Konstruktionsnummer 356 trug. Ausgangslage dafür waren einerseits die Konstruktionspläne des Vaters Ferdinand Porsche sowie wichtige Vertragsverhandlungen mit dem VW Generaldirektor Heinrich Nordhoff, der mit Ferdinand und Ferry Porsche sowie Anton und Louise Piëch Konstruktions- und Importeur-Verträge unterzeichnete und damit die Zukunft des Unternehmens Porsche in Salzburg und Stuttgart besiegelte. VW und Porsche beschritten damit einen gemeinsamen Weg.

Design wurde zur Königsdisziplin

Das Thema Design wurde in der Ära des Enkels Ferdinand Alexander Porsche zur Königsdisziplin. Er studierte an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und wurde 1962 zum Direktor des Designstudios der Firma Porsche ernannt. Bereits zu Beginn der 1960er Jahre entwickelte er eine neue und eigenwillig anmutende Karosserie, die bis heute als der Inbegriff des Autos aus dem Hause Porsche gilt – den Sportwagen Porsche 911, der sein Renndebüt bei der Rallye 1965 in Monte Carlo hinlegte.

Hochwertige Materialien, klassisches und strenges Stromliniendesign und zeitlose Formgebung machen das Auto einzigartig und wurden zum elementaren Bestandteil des Mythos Porsche. Formalästhetisch ist der Entwurf des ersten 911ers aus dem Jahr 1964 ein komplexes Gebilde, das intensive Gegensätze zu einer in sich geschlossenen Dynamik vereinte. Bei den schwungvollen und dynamischen Linien, die dieses Auto ausmachen, hat man das Gefühl, als ob der Zeichenstift des Designers selbst auf die Rennstrecke gewollt hätte und als ob man die Fliehkräfte in rasanten Kurven in einem einzigen Entwurf zu bündeln wusste. Auch arbeitete das Unternehmen an einem imagetechnischen Geniestreich, denn der Porsche als formschöner Sportwagen soll auch als Auto erlebt werden, mit dem Abenteuer aller Art bestritten werden können, mit dem sich intensiver erleben lässt und der eine experimentierfreudige Lebensgestaltung fordert und unterstützt.

Seit 1971 existiert das von Ferdinand Alexander Porsche gegründete Design-Studio in Stuttgart, das ihre Agenden auf Lifestyle Produkte, wie Sonnenbrillen, Taschen, Uhren, Bekleidung und Schuhe ausgeweitet hat. 2009 entwarf das Porsche Design Center auch die Gondeln der fünften Generation für die Schmittenhöhebahn in Zell am See, für jenen Ort, den die Familie seit Jahrzehnten zum Familienwohnort gewählt hatte.

Klar ist: Wo Porsche draufsteht, ist auch ein Porsche drin. Ein treffender Werbeslogan aus der 1976 bringts auf den Punkt: „Keiner braucht ihn. Jeder will ihn.“

Bild: „Porsche Targa“ - seit 1965 auf Basis des 911er hergestellt. Foto: Presskit Porsche

KunstBlicke, Mag. Martina Dorner-Bauer ist Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin, Autorin, Betreuerin div. Kunstsammlungen und Gründerin der Agentur DieKunstagenten.
martina@diekunstagenten.at    

 
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