16.12.2019
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Kein Geld für Frauenberatung

Ein herber Rückschlag für das Frauenberatungszentrum: Die erhoffte Förderung vom Ministerium bleibt aus  – trotz Erfüllung der Kriterien gibt es im Ministerium dafür kein Budget. Es geht um € 50.000,-.

Die Freude im Sommer war groß, als nach vielen Anstrengungen das Angebot des Mädchen- und Frauenberatungszentrums erweitert werden konnte. Durch die großzügige Unterstützung der Gemeinde St. Johann, heimischer Institutionen, privater Spender und Unternehmer konnte die Beratungsstelle in die Räumlichkeiten am Schwimmbadweg übersiedeln. Die Beratertätigkeit wurde auf die dringend benötigten 22 Stunden pro Woche ausgedehnt. „Vorher mussten wir oftmals Frauen wegschicken“, erzählt Obfrau Renate Magerle.

Alle Voraussetzungen, um vom Bundesministerium als Frauenservicestelle anerkannt zu werden, wurden erfüllt. Mit dieser Klassifizierung hätte sich auch die Förderung des Bundes um das 10-fache von bisher 5.000 Euro auf 50.000 Euro erhöht. Hätte – denn nun bekam Obfrau Magerle eine Absage per Post zugestellt.

Auslegungssache: unklare Formulierung

Das Bundesministerium begründet seine Entscheidung mit  einem Passus im Rahmen der Kriterien. In diesem heißt es: „Es sei die Mitfinanzierung mindestens einer öffentlichen Gebietskörperschaft und gegebenenfalls weitere langjährige Fördergeber in mindestens gleicher Höhe wie durch das Bundesministerium erforderlich.“
Was das genau heißt, dazu hält man sich im Ministerium bedeckt – stemmten doch, allein wenn man das Jahr 2018 nimmt, das Land Tirol und die Gemeinden als öffentliche Gebietskörperschaften zusammen 56 Prozent der Kosten und das Frauenministerium lediglich 12 Prozent.

Magerle wurde, nach mehrmaligen Nachfragen, dann mitgeteilt, das schlichtweg das Budget fehle, um das Frauenberatungszentrum mit 50.000 Euro zu unterstützen. „Es ist eigentlich ein Wahnsinn. Gerade jetzt werden aufgrund der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen große Reden geschwungen, aber Fakt ist, dass es für Frauenthemen einfach kein Geld gibt“, ärgert sich Magerle.

Eine prekäre Situation für die Beratungsstelle

Für den Betrieb der Beratungsstelle sowie der Notwohnungen veranschlagte das Mädchen- und Frauenberatungszentrum für das kommende Jahr rund 114.000 Euro. „Ohne die 50.000 Euro vom Bundesministerium wird die finanzielle Situation prekär für uns“, erklärt Magerle.

Die Gemeinden im Bezirk werden nicht einspringen. Denn auch noch zehn Jahre nach der Eröffnung unterstützen manche Gemeinden die Einrichtung nur gering oder gar nicht. „Ich habe gerade von einer nicht armen Gemeinde eine Förderzusage von sagenhaften 50 Euro für das Jahr 2020 bekommen – obwohl uns die Sozialämter die Frauen schicken und wir ihnen viel Arbeit abnehmen“, sagt Magerle. Sechs Gemeinden aus dem Bezirk unterstützen das Mädchen- und Frauenberatungszentrum bislang noch mit keinem Cent. Ob das Land Tirol mehr Förderung zusagt ist offen.

Unterstützung aus der Bevölkerung

Im Gegensatz zur öffentlichen Hand, sehen viele Private die Wichtigkeit der Beratungsstelle. Neue Unterstützer hat die Institution etwa mit Mathias Gottwald und Frank Lang gefunden. Der Erlös aus ihrer Veranstaltung Kitz Boom Bang am 26. Dezember von 14 bis 22 Uhr im Hart-steinwerk in Oberndorf geht an das Mädchen- und Frauenberatungszentrum. „Bei uns wird Gewalt gegen Frauen totgeschwiegen. Dabei passiert sie jeden Tag. Das Mädchen- und Frauenberatungszentrum ist enorm wichtig“, erklärt Mathias Gottwald, der als Kind selbst betroffen war.

Der Grundstein für das Mädchen- und Frauenberatungszentrum  wurde vom Soroptimist Club vor zehn Jahren als private Initiative gelegt. Johanna Monitzer

Foto: „Ohne die 50.000 Euro vom Ministerium wird die finanzielle Situation im nächsten Jahr prekär für uns“, zeigt Obfrau Renate Magerle auf. Foto: Monitzer

Lesen Sie auch den Kommentar "Aus meiner Sicht" : Betroffenheit genügt nicht! hier

 
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