10.03.2020
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Kassenarztpraxis musste schließen

Der Aufschrei in Fieberbrunn ist groß. Seit Montag gibt es die Kassenarztpraxis im Dorfzentrum nicht mehr. Eine komplexe Angelegenheit.

Fieberbrunn | „Die Praxis in Fieberbrunn ist ab 1. März geschlossen“ – viele Patienten von Dr. med univ. Hannes Lechner trauten am Freitag ihren Augen nicht. Sein Kassenvertrag  wurde seitens der Ärztekammer nicht mehr verlängert. Die Ärztekammer begründet ihre Entscheidung damit, dass es drei weitere Kassenärzte im Fieberbrunner Ortsteil Rosenegg gibt. Zudem hat Dr. Lechner eine Kassenstelle in St. Ulrich – die gewünschte weitere Ausdehnung auf Fieberbrunn wird abgelehnt, heißt es in dem Schreiben der Ärztekammer.

Seit 2012 ordinierte Dr. Lechner in Fieberbrunn
Im Jahr 2012 übernahm Dr. Lechner die Kassenarztstelle im Dorfzentrum. „Ich war der einzige Bewerber und hatte bereits meine Wahlarztpraxis in St. Ulrich. Diese Wahlarztpraxis wurde mir nach acht Anläufen im Zusammenspiel mit der Praxis in Fieberbrunn dann als ausgeweitete Kassenstelle bewilligt“, erzählt Lechner.
Der Allgemeinmediziner wies die Ärztekammer stetig darauf hin, dass der Bedarf für seine Arztpraxis in Fieberbrunn ebenfalls gegeben sei. „Ich betreue pro Tag 80 bis 100 Patienten in der Praxis Fieberbrunn“, berichtet der Allgemeinmediziner. Sein Einzugsgebiet deckt auch Hochfilzen (1.213 Einwohner) und St. Jakob (783 Einwohner) ab, denn dort gibt es gar keinen Kassenarzt.

Bürgermeister will sich für Praxiserhalt einsetzen
Nachdem im Raum stand, dass die Kassenstelle in Fieberbrunn von der Ärztekammer nicht mehr verlängert werden könnte, informierte Lechner seine drei Ärztekollegen sowie die Gemeinde.  „Wir wussten seit Anfang Februar, dass so etwas passieren kann – das es aber so schnell geht, davon waren wir alle überrascht. Termin wurde im Vorfeld nie einer genannt“, so Bürgermeister Walter Astner (VP).
Der Bürgermeister hat nun um einen persönlichen Termin bei der Ärztekammer gebeten: „Wir brauchen einen Arzt im Dorfzentrum und werden mit aller Kraft versuchen, die Kassenstelle zu erhalten.“ Auch ein Schreiben an die Ärztekammer formulierte die Gemeinde nun aus.

Warum musste die Praxis so schnell schließen?
„Mir wurde die Kassenstelle rückwirkend mit 1. Jänner entzogen. Ob und wie ich meine bereits erbrachten Leistungen abrechnen kann ist offen. Ich habe keine Rechtssicherheit, wenn ich weitermache – der wirtschaftliche Schaden ist jetzt schon massiv“, veranschaulicht Dr. Lechner.
Seine acht Mitarbeiter will er mit nach St. Ulrich nehmen: „Ich kündige niemanden. Was man mit Stundenreduktion und Teilpensionierungen machen kann, muss ich mir erst anschauen.“

Ärztekammer will Entwicklung beobachten
Die Ärztekammer will nun im Auge behalten, wie sich die Lage entwickelt: „Gemeinsam mit den verbleibenden Kassenärzten beobachten die Versorgungssituation und werden, sollte sich ein zusätzlicher Bedarf ergeben, die Schaffung einer zusätzlichen Kassenstelle betreiben“, sagt Kammeramtsdirektor Günter Atzl gegenüber dem Kitzbüheler Anzeiger.

Wahlarzt kommt für Dr. Lechner nicht in Frage
Dr. Lechner könnte die Praxis als Wahlarzt weiterbetreiben. „Das kommt für mich aber nicht in Frage, ich möchte keine Zwei-Klassen Medizin“, betont der Allgemeinmediziner. Er ist sich sicher, dass die Kassenstelle wieder ausgeschrieben werden muss. „Ich hätte mir im Sinne meiner Patienten eine Übergangslösung gewünscht. In eineinhalb Jahren stehen Pensionierungen in meinem Praxis-Team an und bis dahin hätte die Nachfolge für die Ordination im Dorfzentrum geregelt werden können“, so Lechner. Aufgrund des enormen Patientenaufkommens hätte sich der Allgemeinmediziner über kurz oder lang ohnehin mehr seiner Praxis in St. Ulrich widmen wollen – auch das war der Ärztekammer seit 2016 bekannt, so Lechner. „Leidtragende sind nun die Patienten“, sagt Lechner. Johanna Monitzer

Fotos: „Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht“, so Dr. med. univ. Hannes Lechner. Fotos: Monitzer, Lutzmann

Daten & Fakten - Unbesetzte Kassenstellen
Arzt gesucht! Auch im Bezirk Kitzbühel bleiben ausgeschriebene Kassenarztstellen oft lange unbesetzt. So ist in Kitzbühel und Kirchberg seit 2017 eine Kassenstelle für Allgemeinmedizin frei. Seit 2017 wird auch nach einem Kassenarzt für Kinder- und Jugendheilkunde in St. Johann gesucht.

Schwer vermittelbar
„Über ganz Tirol betrachtet sind in allen Fächern Kassenstellen teilweise schwer zu besetzen. Es fällt auf, dass gerade in Bezirkshauptstädten und größeren Orten Kassenstellen schwer zu besetzen sind“, berichtet Kammerdirektor Günter Atzl.
 

 
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