12.10.2018
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Im Brixental liegt das Gute sehr nah

Als kleines „Geburtstagsgeschenk“ für die Kirchberger Kaufmannschaft zum 25-Jahr-Jubiläum brachte Leader-GF Stefan Niedermoser erste Ergebnisse der Kaufflussanalyse für das Brixental mit.

Kirchberg  | Ortsentwickler und Wirtschaftsplaner der Region warten bereits mit Spannung auf sie: Die bezirksübergreifende Kaufflussanalyse im Rahmen von Leader. Erste Einblicke bekamen die Besucher des Zweiten Brixentaler Wirtschaftsforums am Samstagabend in Kirchberg. Die Studie, unterstrich Niedermoser im Vorfeld, fokussiert sich übrigens rein auf den Einzelhandel.

Die Kennzahlen für das Brixental können sich sehen lassen: Der Kaufkraftindex der Kirchberger Gastgeber liegt leicht über dem Österreichschnitt (100,1 für Kirchberg), die Brixentaler Nachbarn Westendorf  (90,3) und Brixen (90,9) reihen sich knapp darunter ein. Dieser Wert bezieht sich übrigens auf die Einwohner mit Hauptwohnsitz in der jeweiligen Gemeinde.

Die Brixentaler sind echte Nahversorgungskaiser: „Von 100 Euro bleiben für Waren des kurzfristigen Bedarfs 84 Euro im Brixental“, führt Niedermoser aus. Waren des mittelfristigen Bedarfs, die nicht täglich benötigt werden, werden dagegen zu 29 Prozent vor Ort eingekauft. Bei Waren des langfristigen Bedarfs, die seltenere Anschaffungen darstellen, bleiben 21 Euro von 100 im Brixental. Zusammengefasst bedeutet das eine Kaufkrafteigenbindung von 51 Prozent für Kirchberg.

Die Eigenbindung bei den Lebensmitteln ist dabei am ausgeprägtesten: 88 Prozent dieser Warengruppe werden lokal eingekauft. Bei Blumen (68 Prozent), Drogeriewaren (60 Prozent) und Sportartikeln (51 Prozent) ist es ebenfalls recht gut um den heimischen Markt bestellt.

Bekleidung wird allerdings nur zu 25 Prozent bei den örtlichen Anbietern eingekauft. Möbel (8 Prozent) sowie Uhren und Schmuck (7 Prozent) stellen das Schlusslicht dar und werden am wenigsten lokal nachgefragt.

Für einige Verblüffung hat die Analyse der Kaufkraftzuflüsse in Westendorf gesorgt. Die Summe aller Kaufkraftzuflüsse für den kurzfristigen Bedarf beträgt fünf Millionen Euro. Das bedeutet, dass Westendorf Menschen aus den zum Teil auch weiter umliegenden Gemeinden für den Lebensmitteleinkauf anzieht. Die Studienautoren erklären dieses Phänomen mit dem örtlichen Diskonter.

Onlinehandel nascht kräftig mit

Die Summe aller Abflüsse der Kaufkraft in den Brixentalgemeinden beträgt 29,1 Millionen Euro. Den Löwenanteil davon sichern sich die Leaderregion Pillerseetal, Leukental, Leogang (10,2 Millionen Euro) bzw. Wörgl (10,4 Millionen Euro). Der Kaufkraftabfluss nach Bayern ist mittlerweile nur noch gering. Viel mehr schmerzt eine andere Zahl: 4,9 Millionen Euro fließen in den Onlinehandel ab. „Das wird nächstes Jahr sicher noch deutlich höher liegen. Das tut weh“, kommentierte Niedermoser die Entwicklung. Bereits jetzt wird bald jedes dritte Buch online bestellt und etwa 18 Prozent aller Kleidungsstücke. Insgesamt saugt der Onlinehandel 19 Prozent aller Gesamtabflüsse im mittelfristigen Bedarf für sich ab.

Starke Ortskerne

Wenn „stationär“ in der Gemeinde eingekauft wird, erfolgt dies im Brixental übrigens sehr gerne in den Ortskernen: In Kirchberg sind es 41 Prozent, in Westendorf sogar 49 Prozent und in Brixen 43 Prozent aller Einkäufe, die im Dorfzentrum getätigt werden und nicht in der Peripherie. Kirchberg verfügt über eine Gesamthandelsfläche von 9.450 Quadratmetern, Brixen über 4.200 Quadratmeter und Westendorf über 3.700 Quadratmeter. Der überwiegende Anteil der Geschäfte der Region ist inhabergeführt, d.h. es findet relativ wenig „Filialisierung“ statt.

Das Angebot vor Ort wird von den Kunden sehr geschätzt: die lokalen Geschäfte für den täglichen Bedarf heimsen Bestnoten ein. Auch die Ortskerne an sich stehen im Brixental gut da.  Alle drei untersuchten Gemeinden werden in diesem Punkt sowohl infrastrukturell als auch wirtschaftlich sehr hoch eingestuft.

Abschließend haben die Studienautoren noch Empfehlungen parat: Unter anderem regen sie eine verstärkte Abstimmung unter den Gemeinden in Sachen Standortpolitik und Raumordnung an. Die Ortskerne sollten noch weiter gestärkt werden. Die Themen Digitalisierung und Start-up-Förderung sollten verstärkt in den Fokus rücken. Das lokale Einkaufsangebot könnte touristisch stärker vermarktet werden. Das gesamte Brixental sollte noch weiter auf eine Professionalisierung des Ortsmarketings setzen und moderne Kundenbindungsinstrumente für die Region erarbeiten – so die Empfehlung der Studie. Die Leader-Region wird die weiteren Ergebnisse aller Gemeinden in Kürze veröffentlichen.
Elisabeth Galehr

Bild: Kirchbergs Bgm. Helmut Berger, Kaufmannschaft-Obfrau Gerlinde Dittrich, Schriftführerin Sabrina Schweiger, Referent Kurt Tropper und Leader-GF Stefan Niedermoser präsentierten spannende Ergebnisse. Foto: Galehr

 
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